Irans Aussenminister reist für Syrien-Gespräche nach Wien

Der Iran beteiligt sich an den Gesprächen zur Syrien-Krise in Wien. Die USA wollen die Assad-Unterstützer in eine politische Lösung des Konfliktes einbinden.

Der Verhandlungstisch um den Syrien-Konflikt wird um den Iran ergänzt: Der Iranische Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif. (Archivbild / 17.2.2014)

Der Verhandlungstisch um den Syrien-Konflikt wird um den Iran ergänzt: Der Iranische Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif. (Archivbild / 17.2.2014) Bild: Dragan Tatic

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Hunderttausende Tote, Millionen Flüchtlinge und keine Lösung: In der Syrien-Krise wächst der Handlungsdruck. Das lässt die USA und ihre Verbündeten neue Wege beschreiten.

Um einem Ende des Syrien-Kriegs näher zu kommen, wollen die USA nun erstmals doch den Iran einbinden. Vertreter der Islamischen Republik seien zu geplanten Syrien-Verhandlungen am Donnerstag in Wien eingeladen worden, hiess es am Dienstag aus US-Regierungskreisen.

Irans Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif sei zu einem Treffen mit seinen Amtskollegen aus den USA, Russland, Saudiarabien und der Türkei Ende der Woche in Wien eingeladen worden, und er «wird teilnehmen», sagte Aussenamtssprecher Arsieh Afcham dem iranischen Staatsfernsehen.

Wann genau Sarif nach Wien reist, liess er zunächst offen. Das Treffen folgt auf Vierergespräche am vergangenen Freitag, an denen Russlands Aussenminister Sergej Lawrow, US-Aussenminister John Kerry, der türkische Ressortchef Feridun Sinirlioglu und Saudi-Arabiens Aussenminister Adel al-Dschubeir teilgenommen hatten.

Der Handlungsdruck

Für die USA und ihre Verbündeten bedeutet dies eine Kehrtwende: Bislang hatten sie Teheran nicht beteiligen wollen, obwohl der Iran neben Russland der wichtigste Verbündete des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad ist. Doch wird der Handlungsdruck angesichts von mehr als 250'000 Toten und mehr als elf Millionen Flüchtlingen immer grösser. Seit 2011 sind alle Vermittlungsversuche in dem Bürgerkrieg gescheitert.

Die schiitisch geführte Islamische Republik spielte zuletzt in Syrien eine wichtige Rolle: Erst am Dienstag hatte die Führung der Revolutionsgarden bestätigt, dass sie mehr Militärberater nach Syrien geschickt habe, um Damaskus zu unterstützen. Auch kämpft die vom Iran unterstützte libanesische Hizbollah an der Seite Assads.

Saudiarabien wehrt sich

An den Wiener Verhandlungen am Donnerstag sollen neben dem Iran, den USA und Russland auch Grossbritannien, Frankreich, Deutschland, Jordanien und die Vereinigten Arabischen Emirate teilnehmen, wie es in Washington hiess. Gegen die Einbindung des Iran wehrte sich nach US-Angaben vor allem das sunnitisch geführte Saudiarabien – im Nahen Osten der grosse Rivale des schiitischen Iran. König Salman habe aber schliesslich nachgegeben, hiess es.

Zuletzt hatte Russland mit massiven Luftangriffen zugunsten von Assad in den Konflikt eingegriffen und dem syrischen Präsidenten militärische Erfolge beschert. Die verstärkten Kämpfe trieben gleichzeitig nach Schätzung der Vereinten Nationen allein im Oktober weitere 120'000 Menschen in die Flucht, die meisten davon innerhalb Syriens.

«Die grösse Vertreibungskrise der Moderne»

Wegen des zugespitzten Konflikts seien nun 13,5 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen, darunter sechs Millionen Kinder, meldeten die UNO am Dienstag. Binnen zehn Monaten habe sich die Zahl um 1,2 Millionen erhöht, sagte der Beauftragte für humanitäre Angelegenheiten, Stephen O'Brien. «Das ist die grösste Vertreibungskrise der Moderne», sagte er. Rund 4,2 Millionen Syrer seien inzwischen ausser Landes.

Auch die USA und ihre Verbündeten führen seit Monaten in Syrien – ebenso wie im Irak – Luftangriffe, gerichtet gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Diese militärische Offensive gegen den IS soll nun ausgeweitet werden, wie US-Verteidigungsminister Ashton Carter am Dienstag im Senat erklärte. Ins Visier genommen werden sollen vor allem die IS-Hochburgen Rakka in Syrien und Anbar im Irak.

Das IS-Territorium soll verkleinert werden

Rund um Rakka sollten zudem moderate Rebellen unterstützt werden, die zuletzt wichtige Bodengewinne erzielt hätten. «Einige von ihnen sind heute nur noch 50 Kilometer von Rakka entfernt», sagte Carter. Die neue Offensive solle dazu beitragen, das IS-Territorium immer weiter zu verkleinern.

Gegen den IS kämpfen in Syrien und im Irak auch kurdische Einheiten, unterstützt unter anderem durch deutsche Waffen und Ausrüstung. Der Nato-Partner Türkei beschiesst die Kurden indes nicht nur im Irak, sondern jetzt auch in Syrien, wie Ministerpräsident Ahmet Davutoglu im Fernsehen bestätigte. (ofi/fal/sda)

Erstellt: 28.10.2015, 13:45 Uhr

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