Islamisten verkünden im Irak Gottesstaat

Der irakischen Regierung entgleitet immer mehr die Kontrolle: Islamistische Rebellen halten in den Städten Ramadi und Falludscha Einzug. Dort verkünden sie den Gottesstaat.

Im Vorwärtsgang: Extremisten zerstören ein Polizeiauto in Ramadi. (1. Januar 2014)

Im Vorwärtsgang: Extremisten zerstören ein Polizeiauto in Ramadi. (1. Januar 2014) Bild: Keystone

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Islamistische Rebellen haben die Kontrolle über Teile der westirakischen Städte Ramadi und Falludscha übernommen. Kämpfer der Extremistengruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIL) brachten nach Angaben des Innenministeriums die Hälfte von Falludscha unter ihre Kontrolle. Auch in Ramadi fuhren Lastwagen mit schwer bewaffneten Männer durch die Strassen.

Die irakische Regierung schickte Spezialeinheiten in beide Städte. Falludscha und Ramadi gehören zur Unruheprovinz Al-Anbar im Westen des Landes, in der sich zahlreiche sunnitische Gegner der schiitisch dominierten Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki festgesetzt haben. Auslöser der jüngsten Gewalt war die Räumung eines Protestlagers von Regierungsgegnern in Ramadi am Montag.

«Die Hälfte von Falludscha ist in der Hand der ISIL-Gruppe», sagte ein Vertreter des Innenministeriums. Die anderen Viertel würden von bewaffneten Stammesangehörigen kontrolliert. Augenzeugen berichteten, die Kämpfer der mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbündeten Gruppe hätten auf Strassen im Zentrum und im Süden der Stadt Kontrollposten errichtet. Die Soldaten befänden sich in «heftigen Kämpfen» mit den Aufständischen, erklärte der Befehlshaber der Spezialkräfte, Generalmajor Fadhel al-Barwari.

Polizeiwache in Brand gesetzt

Auch in der Provinzhauptstadt Ramadi ging die Polizei unterstützt von Stammesangehörigen gegen die Rebellen vor, wie Polizeioffiziere sagten. Ein AFP-Reporter hatte zuvor berichtet, dutzende Lastwagen voller ISIL-Kämpfer würden mit schwarzen Flaggen durch die Strassen fahren und über Lautsprecher Lieder spielen, in denen die Extremistengruppe verherrlicht werde.

Nach der Räumung des Protestlagers in Ramadi am Montag waren bei Kämpfen mindestens 14 Menschen getötet worden. Aus Protest gegen die Räumung des Lagers legten 44 Parlamentarier ihre Mandate nieder. Maliki hatte gesagt, das Protestlager sei von al-Qaida unterwandert worden.

Gestern hatten Aufständische in Falludscha eine Polizeiwache in Brand gesetzt und hunderte Häftlinge befreit, nachdem sie die Polizei vertrieben hatten. Auch in Ramadi wurden vier Wachen angezündet und mehrere Militärfahrzeuge in Brand gesetzt.

Proteste der sunnitischen Minderheit

Das Innenministerium forderte die geflohenen Polizisten auf, auf ihre Posten zurückzukehren. Sie müssten sich der «terroristischen Offensive» entgegenstellen, die sich gegen die Bevölkerung von Al-Anbar richte, hiess es in einer Erklärung.

Im Irak gibt es seit mehr als einem Jahr Proteste der sunnitischen Minderheit gegen die schiitisch dominierte Regierung Malikis. Die Sunniten fühlen sich von der Regierung benachteiligt und sehen sich als Opfer der polizeilichen Repression. Bei der Auflösung eines sunnitischen Protestlagers in der Stadt Hawidscha hatte es im April gewaltsame Auseinandersetzungen gegeben, bei denen dutzende Menschen getötet wurden.

In der Stadt Baladrus bei Bakuba, 60 Kilomter nordöstlich von Bagdad, zündete ein Selbstmordattentäter eine Autobombe. Nach Angaben der Polizei wurden zehn Menschen getötet und 20 weitere verletzt. (mrs/AFP)

Erstellt: 02.01.2014, 10:56 Uhr

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