Israel führt Präventivschlag gegen iranische «Killerdrohnen»

Israelische Kampfflugzeuge haben nach Militärangaben Stellungen der iranischen Streitkräfte in Syrien angegriffen.

Ein israelischer F-16I-Kampfjet landet nach einer Präsentation für Medienvertreter. Foto: Keystone

Ein israelischer F-16I-Kampfjet landet nach einer Präsentation für Medienvertreter. Foto: Keystone

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Die israelischen Streitkräfte haben am Samstag einen Angriff auf Ziele in Syrien durchgeführt. Der Militäreinsatz habe Einheiten der Al-Kuds-Brigade sowie schiitischen Milizen in einem Dorf namens Akraba östlich von Damaskus gegolten, die seit ein paar Tagen an einem Plan gearbeitet hätten, Ziele in Israel von Syrien aus mit bewaffneten Drohnen anzugreifen, teilte das israelische Militär mit. Beim Angriff seien zwei Kämpfer der schiitischen Hisbollah-Miliz und ein iranischer Kämpfer gestorben, erklärte die oppositionsnahe Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Ein Militärsprecher sagte, «Killerdrohnen» mit Sprengsätzen sollten Nordisrael treffen. Diese Art von Drohnen seien mit Sprengstoff beladen und funktionierten wie Raketen, sagte er. Man halte den Iran und Syrien für verantwortlich. Der Zwischenfall ereignet sich knapp drei Wochen vor der israelischen Parlamentswahl.

Video: Raketen über Damaskus

Israelischer Präventivschlag: Aufnahmen zeigen mehrere Boden-Luft-Raketen über Damaskus. Quelle: Syrisches Fernsehen via AP

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu sagte: «Wir haben mit grossem Aufwand einen Angriff gegen Israel durch die iranische Kuds-Einheit und schiitische Milizen verhindert.» Er bekräftigte: «Der Iran geniesst nirgendwo Immunität.» Netanyahu zitierte den Grundsatz: «Wenn jemand aufsteht, um dich zu töten, töte ihn zuerst.» Israel werde «weiterhin auf entschlossene und verantwortungsvolle Weise gegen den Iran und seine Verbündeten vorgehen», um seine eigene Sicherheit zu gewährleisten.

Erhöhte Alarmbereitschaft

«Wir haben mehrere Terrorziele der Al-Kuds-Einheit und schiitischer Milizen getroffen», sagte der Armeesprecher. Es habe bereits am Donnerstag einen ähnlichen Angriffsversuch von iranischer Seite gegeben. Gegenwärtig sei die israelische Armee in erhöhter Alarmbereitschaft, «um auf jedes mögliche Ereignis zu reagieren», so der Sprecher. «Wir werden gegen jeden vorgehen, der israelische Ziele angreifen will.» Israelische Medien berichteten, die Armee habe im Norden des Landes Batterien des Raketenabwehrsystems Iron Dome (Eisenkuppel) aufgestellt, um mögliche Gegenangriffe abzuwehren.

Syrischen Staatsmedien zufolge fing die syrische Luftabwehr «feindliche Ziele» am Samstagabend über Damaskus ab. «Die Mehrzahl der israelischen Raketen wurde zerstört, bevor sie ihre Ziele erreichen konnten», erklärte die syrische Armee. Augenzeugen berichteten, sie hätten Explosionen in der Luft gesehen und gehört.

Erzfeind Iran im Visier

Die israelische Armee greift immer wieder Ziele in dem benachbarten Bürgerkriegsland an, gibt dies jedoch nur selten offiziell zu. Die Bombardierungen richten sich Beobachtern zufolge gegen Kräfte, die mit dem Iran verbunden sind. Israel will verhindern, dass sich sein Erzfeind in Syrien militärisch etabliert. Die Regierung in Teheran ist eng mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad verbündet. Der Iran unterstützt zahlreiche Milizen, die im Bürgerkrieg an der Seite der Regierungstruppen kämpfen.

Ein Bericht der «New York Times» hatte zuletzt auch Gerüchte über israelische Luftangriffe auf Iran-treue Milizen im Irak befeuert. Die Zeitung meldete, Israel habe mehrfach Waffenlager Iran-treuer Gruppen im Irak angegriffen.

Vier Explosionen in Waffenlagern

Eine Mitte Juli bombardierte Basis diente dem Bericht zufolge Irans Revolutionsgarden für Waffenlieferungen nach Syrien. Der Angriff sei vom Irak aus erfolgt. Die irakische Armee hatte damals von einem Drohnenangriff auf das Lager berichtet. Dort hätten sich auch iranische Militärberater aufgehalten, hiess es.

In den vergangenen Wochen war es in vier irakischen Waffenlagern zu Explosionen gekommen, deren Ursache offiziell ungeklärt ist. Erst am Dienstag kamen bei einer Detonation etwa 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad mindestens zwei Menschen ums Leben. Ein führender Vertreter der Milizen warf den USA danach vor, israelische Drohnen in den Irak gebracht und eingesetzt zu haben.

Israelische Drohne in Vorort von Beirut abgestürzt

Nach dem israelischen Angriff auf Ziele in Syrien ist zudem eine israelische Drohne nach Aussage eines Hisbollah-Vertreters in einem südlichen Vorort der libanesischen Hauptstadt Beirut abgestürzt. Eine zweite Drohe sei in der Nacht zum Sonntag knapp über dem Boden explodiert. Offenbar wurde bei dem Drohnenangriff ein Medienzentrum der Hizbollah beschädigt.

Anwohner der Hochburg der libanesischen Hisbollah-Miliz berichteten von einer heftigen Explosion. Ein Augenzeuge erklärte, dass die Hizbollah ein Areal abgeriegelt habe, in dem ein Feuer ausgebrochen sei. Die zweite Drohne habe bei ihrem Absturz in der Nähe des Medienzentrums der schiitischen Miliz Schäden verursacht, sagte der Hisbollah-Vertreter.

Es ist der erste derartige Vorfall seit mehr als einem Jahrzehnt. Das israelische Militär erklärte, es äussere sich nicht zu ausländischen Berichten. Israel bezeichnet die vom Iran unterstützte Hisbollah-Bewegung als die grösste Bedrohung ausserhalb der Grenze. Bei einem einen Monat andauernden Krieg mit der Hizbollah 2006 wurden fast 1200 Menschen im Libanon und 158 Menschen in Israel getötet. Der Libanon hat sich bei den Vereinten Nationen darüber beschwert, dass israelische Flugzeuge in den vergangenen Jahren immer wieder in seinen Luftraum eingedrungen sind. (step/sda)

Erstellt: 25.08.2019, 10:01 Uhr

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