Kerry landet in Tel Aviv – trotz US-Flugverbot

Der US-Aussenminister reiste heute zu Verhandlungszwecken nach Tel Aviv. Zuvor hatten mehrere Fluggesellschaften ihre Flüge in die israelische Stadt gestrichen.

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US-Aussenminister John Kerry ist trotz Warnungen der Luftfahrtbehörden nach Tel Aviv geflogen. Bei Gesprächen in Jerusalem und Ramallah will er heute Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon treffen. Kerry will nach Angaben einer Sprecherin eine Waffenruhe zwischen Militär und der radikalen Organisation Hamas vermitteln, die den Gazastreifen kontrolliert.

Kerry traf am Vormittag mit einem Militärflugzeug auf dem Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv ein. Eine Rakete schlug zuvor in der Nähe des internationalen Flughafens ein. Die Lufthansa und andere Airlines setzen daraufhin Flüge dorthin vorerst aus. Auch die Swiss verkündete gestern, alle Füge in die israelische Stadt einzustellen.

Israel fordert Aufhebung des Verbots

Als Konsequenz aus dem Einschlag einer vom Gazastreifen abgefeuerten Rakete nahe dem internationalen Flughafen Ben Gurion von Tel Aviv haben mehrere Airlines ihre Flüge dorthin ausgesetzt. Das israelische Verkehrsministerium rief die Unternehmen am Dienstag auf, ihre Entscheidung rückgängig zu machen. Der Airport sei sicher und werde bewacht. Es gebe keinen Grund, «dem Terror einen Preis zu reichen», indem Flüge gestoppt würden, hiess es.

Neben der deutschen Lufthansa sagten auch Air France, Swiss, Air Canada, Alitalia und KLM wegen Sicherheitsbedenken Flüge in die israelische Stadt ab. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit riet weiteren Fluglinien in einer Erklärung bis auf weiteres die gleiche Massnahme zu ergreifen.

USA: «Nicht politisch motiviert»

Nach der Aussetzung aller US-Flüge zum israelischen Flughafen Ben Gurion hat US-Aussenminister John Kerry versichert, die Entscheidung sei nicht politisch motiviert. Die Massnahme sei allein aus Sicherheitsgründen getroffen worden, sagte Kerry dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu in einem Telefongespräch am Dienstag.

Die Sprecherin des US-Aussenministeriums betonte, die Entscheidung der US-Luftfahrtbehörde FAA zur Verhängung eines Landeverbots wegen des Einschlags einer Rakete nahe dem Flughafen zwischen Tel Aviv und Jerusalem werde binnen 24 Stunden überprüft.

Zuvor hatte es seitens der USA bereits geheissen, das Landeverbot sowie eine kürzlich ausgesprochene US-Reisewarnung für Israel, das Westjordanland und den Gazastreifen seien kein Versuch, Israel zu einer Waffenruhe mit der palästinensischen Hamas zu bewegen.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA verbot amerikanischen Fluggesellschaften für 24 Stunden, Tel Aviv anzufliegen. Begründet wurde dies mit der «potenziell gefährlichen Situation, die durch den bewaffneten Konflikt in Israel und Gaza geschaffen wurde».

Raketeneinschuss in Nähe des Flughafens

Die Rakete sei am Dienstag rund 1,6 Kilometer vom Flughafen Ben Gurion eingeschlagen, hiess es in der Mitteilung der FAA. Man werde die Lage weiterhin beobachten und einschätzen. Polizeisprecherin Luba Samri sagte, das Geschoss habe ein Haus schwer beschädigt und einen Israeli im Tel Aviver Vorort Jehud leicht verletzt.

Seit dem Abschuss einer malaysischen Passagiermaschine über der Ostukraine mit 298 Menschen an Bord in der vergangenen Woche ist die Sorge um die Sicherheit bei Airlines und Fluggästen dramatisch gewachsen.

Iron Dome fängt Grossteil der Raketen ab

Für Israel bedeutet die Entscheidung der Fluggesellschaften einen weiteren Schlag, nachdem das Land am Dienstag bereits bekannt gegeben hatte, dass ein israelischer Soldat nach einem tödlichen Gefecht im Gazastreifen vermisst werde. Palästinensische Militante haben in den vergangenen zwei Wochen mehr als 2000 Raketen auf Israel abgefeuert. Mehrere Geschosse, die in Richtung des Flughafens Ben Gurion flogen, wurden vom israelischen Abwehrsystem Iron Dome abgefangen.

Nach mehr als zwei Wochen anhaltenden Angriffen und Kämpfen im Gazastreifen mit 630 getöteten Palästinensern und 27 israelischen Todesopfern bemühten sich ranghohe Diplomaten weiter um ein Ende der Gewalt. Eine baldige Waffenruhe schien jedoch nicht in Sicht: Netanyahu drängte die internationale Gemeinschaft zu einem harten Vorgehen gegen die Hamas. Die radikalislamische Gruppe pochte als Bedingung für eine Feuerpause auf eine Aufgebung der Blockade des Gazastreifens.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, der sich im Nahen Osten aufhält, zeigte sich dennoch optimistisch. Er hoffe und glaube, dass die diplomatischen Gespräche die Kämpfe im Gazastreifen «in sehr naher Zukunft» beenden würden, sagte er in einer Videokonferenz mit dem UN-Sicherheitsrat. In Kairo berieten US-Aussenminister John Kerry und sein ägyptischer Kollege Sameh Schukri über einen Ausweg aus der Krise.

Im Ringen um eine Lösung reiste zudem der Emir von Katar, Scheik Tamim bin Hamad al-Thani, überraschend nach Saudiarabien. In Dschidda sei al-Thani am Dienstag mit König Abdullah und Kronprinz Salman bin Abdelasis sowie dem stellvertretenden Thronfolger Mukrin zusammengetroffen, teilte ein Regierungsvertreter mit. Details aus der Unterredung wurden zunächst nicht bekannt.

Es ist das erste Besuch des katarischen Emirs in dem Königreich, seitdem Saudiarabien gemeinsam mit Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten im März ihre Botschafter aus Doha abgezogen hatten. Grund für den Schritt war Katars Unterstützung für die Ableger der islamistischen Muslimbruderschaft in der Region.

Saudiarabien hat sich im Nahost-Konflikt hinter einen ägyptischen Vermittlungsplan gestellt, der von Israel akzeptiert, doch von der Hamas abgelehnt wird. Katar hingegen tritt für die Bedingungen der Hamas für eine Waffenruhe ein.

(mrs/sda)

Erstellt: 23.07.2014, 06:33 Uhr

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