Koptische Kirchen in der Schweiz erhalten Polizeischutz

Hinter dem Anschlag auf die Kirche von Alexandria stand möglicherweise die Terrororganisation al-Qaida. Auch koptische Kirchen in Europa fürchten sich nun von Attentaten.

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Seit dem Anschlag von Alexandria fühlen sich koptische Christen auch in anderen Ländern verunsichert. Die Kopten in der Schweiz, die rund 400 Familien umfassen, forderten zu ihrer Sicherheit Polizeischutz für ihr Weihnachtsfest, welches sie am Donnerstagabend feiern.

Für die Weihnachtsfeier in Dietlikon ZH werde Polizeischutz angefordert, sagte Youssef Bastawrous, Vizepräsident des Vereins der koptisch-orthodoxen Kirche der Deutschschweiz, am Montag auf Anfrage.

Polizei bei Weihnachtsfeier anwesend

Auch die Feier in der Kopten-Kirche in Meyrin GE wird von der Polizei geschützt, wie Michail Megally, Oberhaupt der orthodoxen Kopten in der Westschweiz auf Anfrage erklärte. Nähere Angaben zum gewährten Schutz machte Megally nicht.

In Deutschland fühlen sich die Kopten ebenfalls nicht sicher. Ihr Bischof Anba Damian sagte, das Bundeskriminalamt habe koptische Priester gewarnt. Im Internet sei ein Plan im Umlauf, wonach zum koptischen Weihnachtsfest Kopten Zielscheibe für terroristische Aktivitäten sein könnten.

Auch in Frankreich ging die Polizei Anschlagsdrohungen gegen koptische Kirchen nach. Demnach leiteten die Beamten Untersuchungen ein, nachdem ein Priester einer koptischen Kirche nahe Paris im Internet entdeckte Drohungen gemeldet hatte.

Ausschreitungen in Kairo

Bei einer Demonstration in der Kairoer Innenstadt wurden 39 Angehörige der Sicherheitskräfte und zwei Passanten verletzt. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen bewarfen Demonstranten die Polizisten mit Steinen und Flaschen.

Zuvor hatte es bereits in Alexandria und in einem vorwiegend von Christen bewohnten Dorf in der oberägyptischen Provinz Assiut Proteste gegeben, bei denen die Demonstranten auch Slogans gegen Präsident Hosni Mubarak riefen. Am Montag entspannte sich die Lage.

Unterdessen wurden weitere Ermittlungsergebnisse bekannt. Augenzeugen erklärten, sie hätten den mutmasslichen Selbstmordattentäter gesehen, kurz bevor dieser in der Silvesternacht vor einer Kirche der christlichen Kopten in der Hafenstadt Alexandria 21 Menschen mit in den Tod riss.

Vor der Kirche explodiert

Es handle sich um einen etwa 40 Jahre alten hellhäutigen Mann mit Brille. Er habe keinen Bart getragen und habe gegenüber der Kirche zusammen mit zwei anderen Männern in einem Auto gesessen.

Aus dem Innenministerium hiess es, der noch nicht identifizierte Attentäter habe zunächst versucht, in die Kirche zu gelangen. Nachdem er die vor dem Gotteshaus postierten Polizisten sah, zündete er seine Bombe jedoch vor der Kirche.

Die Bluttat, die von fanatischen Islamisten geplant worden sein soll, hatte international für Empörung gesorgt. Der Anschlag war auch von der Arabischen Liga und von islamischen Geistlichen in Ägypten verurteilt worden.

Der ranghöchste islamische Religionsgelehrte von Saudiarabien bezeichnete die Tat als ein Verbrechen, das nichts mit dem Islam zu tun habe. Die saudi-arabische Zeitung «Okaz» zitierte den Mufti, Scheich Abdulasis bin Abdullah al-Scheich, am Montag mit den Worten: «Der Islam ist nicht die Religion der Explosionen, und er erlaubt es auch nicht, die Gebetsräume von Nicht-Muslimen anzugreifen.»

Spur führt nach Bagdad

Beobachter rätseln derweil immer noch darüber, ob es eine direkte Verbindung zwischen dem Anschlag von Alexandria und dem Blutbad in einer Kirche im Bagdad vom 31. Oktober 2010 gibt. Dafür gibt es zwar bislang einige Hinweise, aber keine schlüssigen Beweise.

Die Terroristen von Bagdad, die dem irakischen Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida zugerechnet werden, hatten damals erklärt, sie wollten «muslimische Schwestern» rächen, die von der koptischen Kirche in Ägypten «gefangen gehalten» würden.

(oku/miw/AFP/sda)

Erstellt: 03.01.2011, 13:35 Uhr

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