Kuschen vor China

Ohne Nennung von Gründen hat Südafrika dem Dalai Lama ein Visum verweigert. Peking soll Druck ausgeübt haben.

Durfte nicht nach Südafrika: Der Dalai Lama bei seinem Besuch in der Schweiz im April 2013. Foto: Reuters

Durfte nicht nach Südafrika: Der Dalai Lama bei seinem Besuch in der Schweiz im April 2013. Foto: Reuters

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Südafrikas Regierung sieht sich mit beissender Kritik als rückgratloser Lakai der aufstrebenden chinesischen Grossmacht konfrontiert, nachdem Pretoria dem Dalai Lama die Einreise ans Kap der Guten Hoffnung verweigert hatte und damit ein Gipfeltreffen der Friedens­nobelpreisträger in Kapstadt zum Scheitern brachte.

«Ich schäme mich, diesen speichelleckerischen Haufen als meine Regierung zu bezeichnen», erklärte der anglikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, kurz bevor sich die Veranstalter am Donnerstag gezwungen sahen, den für Mitte ­Oktober geplanten dreitägigen Gipfel ­abzusagen. Zuvor hatten mindestens sechs Friedensnobelpreisträger ihre Teilnahme wegen der Visaverweigerung gegenüber dem Dalai Lama zurückgezogen. Das religiöse Oberhaupt der Tibeter warf Pretoria vor, «eine einfache Person zu schikanieren».

Ohne Nennung von Gründen hatte Südafrika dem buddhistischen Lehrmeister Mitte September ein Visum verweigert. Es gilt jedoch als sicher, dass das Einreiseverbot auf die Intervention Chinas zurückzuführen ist. Peking bedankte sich nach dem Eklat denn auch ausdrücklich bei Pretoria: China erkenne «die Unterstützung der südafrikanischen Regierungen in Angelegenheiten hoch an, die die chinesische Souveränität und territoriale Integrität betreffen», erklärte ein Sprecher des Pekinger Aussenministeriums.

Das Einreiseverbot gegenüber dem Dalai Lama löste in Südafrika heftige Kritik aus. Die parlamentarische Opposition warf der Regierung die Preisgabe von Menschenrechtsprinzipien vor, für die der regierende ANC einst selbst gekämpft habe. Die Regierung habe Nelson Mandela, dem Gründervater der Regenbogennation, «ins Gesicht gespuckt», sagte Erzbischof Tutu. China ist Südafrikas grösster Handelspartner mit einem jährlichen Gesamtvolumen von 21 Milliarden US-Dollar (2012).

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.10.2014, 21:21 Uhr

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