Muslimbrüder streben weiter nach Macht

Nach ihrem Sieg bei den Parlamentswahlen beteuerten Ägyptens Muslimbrüder, die Finger von der Präsidentschaft lassen zu wollen. Doch nun nehmen sie das höchste Amt im Staat ins Visier.

Hat gute Chancen: Khairat al-Shater auf dem Tahrirplatz. (4. März 2011)

Hat gute Chancen: Khairat al-Shater auf dem Tahrirplatz. (4. März 2011) Bild: Reuters

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Die ägyptischen Muslimbrüder haben einen eigenen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl Ende Mai ernannt. Es handelt sich um Khairat al-Schater, die Nummer zwei der aus der Muslimbruderschaft hervorgegangenen Partei für Freiheit und Gerechtigkeit. Der oberste Führer der Muslimbrüder, Mohammed Badie, bestätigte die Nominierung auf einer Pressekonferenz in Kairo. Shater erklärte, wegen seiner Kandidatur trete er von seinem Posten als Badie-Stellvertreter zurück. Der 61-jährige Shater, Hochschullehrer für Ingenieurswissenschaften und reicher Geschäftsmann, trat der Muslimbruderschaft 1981 bei und wurde 1995 Mitglied ihres Exekutivrats. Wegen seiner politischen Aktivitäten war er mehrmals im Gefängnis.

Bislang hatten sich die Muslimbrüder für eine islamistische Bündniskandidatur ausgesprochen. Ihren Meinungsumschwung erklärte ihr Generalsekretär Mahmoud Hussein damit, dass der «demokratische Prozess in Ägypten bedroht» sei. Seit dem Sturz des langjährigen Präsidenten Hosni Mubarak durch eine breite Protestbewegung im Februar 2011 liegt die Macht beim Obersten Militärrat. Dieser hat angekündigt, die Macht nach der Präsidentschaftswahl an eine Zivilregierung abzugeben. In den vergangenen Monaten machte sich jedoch der Eindruck breit, dass die Armee ihren Einfluss auf die Regierungsgeschäfte behalten will.

Baradei mit eigener Partei

Das führt zu Spannungen mit der Muslimbruderschaft. Diese wiederum befindet sich im offenen Streit mit liberalen und linksgerichteten Parteien wegen der Zusammensetzung eines Parlamentsausschusses zur Ausarbeitung der künftigen Verfassung. Dort haben Islamisten eine breite Mehrheit. Die Partei der Freiheit und Gerechtigkeit verfügt im Parlament über 47 Prozent der Mandate. Zusammen mit islamistischen Gruppen stellt sie drei Viertel der Abgeordneten.

Die erste Runde der Präsidentschaftswahl ist für den 23. und 24. Mai vorgesehen. Der Wahlkampf soll nach dem Ende der Nominierungsfrist am 8. April beginnen. Weitere Kandidaten sind unter anderen der Salafist Hazem Abu Ismail, Anhänger einer rigorosen Auslegung des Islam, das frühere Mitglied der Muslimbruderschaft, Abdel Moneim Abul Futuh, und der frühere Generalsekretär der Arabischen Liga sowie ehemalige Aussenminister unter Mubarak, Amr Moussa.

Der lange Zeit als möglicher Bewerber für das Präsidentenamt gehandelte frühere Leiter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und Friedensnobelpreisträger, Mohammed al-Baradei, zog sich bereits vor einiger Zeit aus dem Rennen zurück. Der Zeitung «Welt am Sonntag» sagte er, dass er möglicherweise eine eigene Partei gründen werde. Diese solle bei der nächsten Parlamentswahl antreten und die Interessen der jungen Demonstranten gegen Mubarak auf dem Kairoer Tahrirplatz vertreten. (ami/sda)

Erstellt: 01.04.2012, 07:41 Uhr

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