Nach Mord an Schülern: Israel zerstört Häuser der Verdächtigen

Zwei Monate nach dem Mord an drei israelischen Jugendlichen im Westjordanland hat die Armee die Häuser der palästinensischen Tatverdächtigen zerstört – als Abschreckung. Verurteilt sind sie noch nicht.

Abschreckung: Zerstörung der Häuser mutmasslicher Entführer im Westjordanland. (18. August 2014)
Video: Reuters

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Die israelische Armee hat am Montag die Wohnhäuser von zwei Palästinensern zerstört, die als Hauptverdächtige für die Entführung und Ermordung von drei jungen Israelis im Juni gelten. Nach Armeeangaben wurden zudem die Zugänge zur Wohnung eines dritten Verdächtigen blockiert. Die drei Talmud-Schüler waren Mitte Juni im Süden des Westjordanlands beim Autostopp zwischen Bethlehem und Hebron entführt worden. Tage später wurden ihre Leichen auf einem abgelegenen Feld entdeckt.

Tatverdächtig sind laut israelischen Ermittlungen die beiden flüchtigen Palästinenser Marwan Kawasmeh und Amer Abu Eisheh. Hussan Kawasmeh soll seinen Bruder Marwan und dessen Freund zu der Tat angestiftet und die Waffen beschafft haben. Er wurde Mitte Juli in der Nähe von Ramallah festgenommen. Nach tagelangen Verhören durch den Inlandsgeheimdienst soll er die Taten und den Hergang gestanden haben. Den Ermittlern liegen nach eigenen Angaben zudem Beweise gegen die drei Männer vor.

Noch kein Urteil gefällt

Zerstört wurden am Montag die Häuser von Hussan Kawasmeh und Abu Eisheh; versiegelt wurde die Wohnung von Marwan Kawasmeh, weil sie in einem Mehrfamilienhaus liegt. Der Oberste Gerichtshof Israels hatte einen Einspruch der Familien der drei verdächtigen Palästinenser gegen die Zerstörung abgelehnt, weil die Strafmassnahme als Abschreckungsmittel gerechtfertigt sei.

Der Abriss von Häusern palästinensischer Attentäter war während der Zweiten Intifada häufig verfügt worden. Ungewöhnlich ist, dass im aktuellen Fall zu dieser Massnahme gegriffen wird, bevor ein Gericht einen eindeutigen Schuldspruch gefällt hat.

«Kollektivstrafe, die internationalem Recht widerspricht»

In Hebron protestierten am Montag mehrere Dutzend Palästinenser gegen die Zerstörungen. Nach Steinwürfen auf israelische Soldaten gingen laut Augenzeugenberichten diese mit Tränengas und Blendgranaten gegen die Demonstranten vor.

Die israelische Rechtshilfeorganisation Hamoked, die die betroffenen Familien vor dem obersten Gericht vertreten hatte, kritisierte die Demolierungen: «Es handelt sich um eine Kollektivstrafe, die internationalem Recht widerspricht», sagte Hamoked-Sprecherin Dalia Kerstein der Nachrichtenagentur AFP. Zudem sei der Hausabriss 2005 eingestellt worden, weil er statt zu Abschreckung nur zu einer Verschärfung der Spannungen geführt habe. (ldc/AFP)

Erstellt: 18.08.2014, 12:05 Uhr

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