Netanyahus Bombenängste vom eigenen Geheimdienst zerpflückt

Im September 2012 trat der israelische Premier mit der Zeichnung einer Bombe (die A-Bombe des Iran) vor die UNO und warnte. Der Mossad sah das allerdings ganz anders.

Die rote Linie: Benjamin Netanyahu verwendet während der UNO Vollversammlung ein Bild einer Bombe als Metapher für den Fortschritt des iranischen Atomprogramms. (27. September 2012)

Die rote Linie: Benjamin Netanyahu verwendet während der UNO Vollversammlung ein Bild einer Bombe als Metapher für den Fortschritt des iranischen Atomprogramms. (27. September 2012) Bild: Lucas Jackson/Reuters

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Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad hat einem Pressebericht zufolge im Jahr 2012 der Einschätzung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu widersprochen, wonach der Iran nur noch ein Jahr zur Entwicklung von Atomwaffen benötige. Die britische Zeitung «Guardian» und der katarische Fernsehsender Al Jazeera berichteten unter Berufung auf geheime Korrespondenzen, der Mossad habe wenige Wochen nach einer Rede Netanyahus vor der UNO-Vollversammlung in einem Bericht dessen Einschätzung widersprochen und erklärt, der Iran habe «nicht die notwendige Aktivität» zur Herstellung einer Atombombe.

Netanyahu hatte in der dramatischen Rede im September 2012 mit einer Zeichnung einer Bombe kurz vor der Explosion gewarnt, dass Teheran «spätestens» im Sommer 2013 in der Lage sein werde, «in wenigen Monaten oder gar wenigen Wochen ausreichend angereichertes Uran für seine erste Bombe zu erhalten».

«Nur noch ein paar Wochen»: Netanyahu unterstellt dem Iran an der 67. UN-Vollversammlung 2012 kurz vor der Fertigstellung der Atombombe zu stehen. (27. September 2012) Quelle: Associated Press, Youtube

Der Mossad kam jedoch in einem Bericht, der Ende Oktober 2012 an den südafrikanischen Geheimdienst geschickt wurde, zu dem Schluss, dass der Iran «nicht bereit scheint, Uran auf ein ausreichendes Niveau anzureichern, um Atombomben zu bauen».

Der Bericht des «Guardian» kommt wenige Tage vor Netanyahus Auftritt vor dem US-Kongress, wo er zu der Bedrohung durch das iranische Atomprogramm sprechen will. Die oppositionellen US-Republikaner hatten Netanyahu zum Ärger von US-Präsident Barack Obama zu der Rede am 3. März vor beiden Kammern des Kongresses eingeladen. Der israelische Ministerpräsident warnt seit langem davor, dass die Gruppe der fünf UNO-Vetomächte und Deutschland, die seit Monaten mit dem Iran über ein dauerhaftes Abkommen zur Beilegung des Atomkonflikts verhandeln, Teheran zu weit entgegenkommen. (pst/AFP)

Erstellt: 24.02.2015, 07:25 Uhr

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