Neuer Arabischer Frühling?

Laut Experten ist es nur eine Frage der Zeit: In der arabischen Welt werden Millionen Menschen gegen ihre Regimes aufbegehren.

Damals bestand noch Hoffnung: Demonstration Ende Januar 2011 in Sanaa (Jemen).

Damals bestand noch Hoffnung: Demonstration Ende Januar 2011 in Sanaa (Jemen).

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Sieben Jahre ist es her, seit der Arabische Frühling mehrere Regimes herausgefordert und Autokraten zu Fall gebracht hat. Die heutige Bilanz ist aber bedrückend. Ägypten ist längst zu einem autoritären System zurückgekehrt. Libyen ist ein gescheiterter Staat mit Bürgerkriegswirren. In Syrien will der brutale Krieg nicht enden. Abseits der Augen der Weltöffentlichkeit tobt auch im Jemen ein schlimmer Krieg. Nur gerade Tunesien befindet sich auf dem – allerdings fragilen – Weg zu einer Demokratie.

Bei den Massenaufständen von 2011 ging es jedoch nicht um Forderungen nach einer Demokratie im westlichen Sinne, sondern vielmehr um Lebensperspektiven, Freiheit und Gerechtigkeit. Die vorwiegend jungen Menschen protestierten gegen Despotismus, Korruption und Klientelismus, also gegen das Autokratensystem. Bisher wurde wenig von dem, was 2001 schlecht war, besser. Im Gegenteil: Vieles ist schlechter geworden. Die Jugendarbeitslosigkeit zum Beispiel hat laufend zugenommen. In Tunesien erhöhte sich die Jugendarbeitslosenquote von 26 auf 35 Prozent und in Ägypten von 30 auf 33 Prozent. Die Schere zwischen extrem arm und extrem reich hat sich weiter geöffnet.

Sehr viele junge Menschen ohne Perspektiven

Eine Expertenrunde am 12. Forum des katarischen TV-Senders al-Jazeera in Doha ist kürzlich zum Schluss gekommen, dass eine zweite Welle von arabischen Revolten und Unruhen «unvermeidlich» sei. Ein neuer Arabischer Frühling ist nur eine Frage der Zeit.

Die sozioökonomischen Faktoren, die 2011 die Aufstände der Massen ausgelöst hatten, sind nicht verschwunden. Alle Staaten in Nordafrika sowie im Nahen und Mittleren Osten stehen vor der Herausforderung, ihre nach wie vor schnell wachsende, junge Bevölkerung in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Zudem gibt es in einigen Staaten hohe Armut, niedrige Alphabetisierungsraten und ein geringes Bildungsniveau. All diese Probleme verstärken die Unzufriedenheit der Menschen mit ihren Regierungen.

Den Experten zufolge werden demografische Trends einen entscheidenden Einfluss auf die soziale und politische Entwicklung der arabischen Welt haben. So erwähnen sie die rund 400 Millionen Menschen unter 25 Jahren. Gerade bei den jungen Menschen schlummert Protestpotenzial, wenn sie keine beruflichen Perspektiven haben.

Ohne Reformen drohen Unruhen

Beim Arabischen Frühling 2011 war es den Demonstranten um bessere Lebensbedingungen gegangen: um mehr Teilhabe an Wachstum und Entwicklung. Dabei verknüpften sie ihre sozioökonomischen mit politischen Forderungen, wie zum Beispiel mehr politischer Mitbestimmung, Kampf gegen Korruption, Rechtsstaatlichkeit.

Wenn das Volk unruhig wird oder zumindest das Potenzial dazu hat, hat eine Regierung zwei Optionen. Sie kann versuchen, auf die Forderungen aus der Bevölkerung einzugehen. Oder sie versucht, die Proteste zu ersticken, indem sie auf Repression setzt. Allerdings: Ohne soziale und politische Reformen drohten in der arabischen Welt neue Unruhen, warnte Hmoud al-Olimat, Soziologe aus Katar, beim Al-Jazeera-Forum. (vin)

Erstellt: 30.04.2018, 14:50 Uhr

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