Noch keine S-300-Raketen an Syrien geliefert

Die mögliche Lieferung hoch präziser Abwehrraketen von Moskau nach Damaskus hatte weltweit für Entrüstung gesorgt. Doch jetzt gab der russische Präsident Entwarnung.

«Wir wollen das Gleichgewicht in der Region nicht durcheinanderbringen»: Wladimir Putin (Mitte) beim Gipfel mit EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy (l.) und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso (4. Juni 2013).

«Wir wollen das Gleichgewicht in der Region nicht durcheinanderbringen»: Wladimir Putin (Mitte) beim Gipfel mit EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy (l.) und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso (4. Juni 2013). Bild: Keystone

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Russland hat nach Angaben von Präsident Wladimir Putin noch keine S-300-Raketen an Syrien geliefert. Der Vertrag zum Verkauf der modernen Luftabwehrraketen (siehe Box) sei vor mehreren Jahren unterzeichnet worden, doch sei er noch nicht erfüllt, sagte Putin am Dienstag beim EU-Russland-Gipfel in Jekaterinburg. «Wir wollen das Gleichgewicht in der Region nicht durcheinanderbringen.» Zugleich warnte Putin vor einer ausländischen Militärintervention in dem Bürgerkrieg.

«Ich betone erneut, dass jeder Versuch, durch eine Militärintervention die Situation in Syrien mit Gewalt zu beeinflussen, zum Scheitern verurteilt ist und schwere humanitäre Konsequenzen haben wird», sagte Putin. An dem Gipfel in Jekaterinburg nahmen unter anderem EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso teil. Trotz Kritik von EU und den USA versorgt Russland die Truppen von Syriens Präsident Bashar al-Assad mit Waffen.

Rebellen vertrieben

Syrische Regierungstruppen haben heute zudem nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Sana Rebellenkämpfer aus einem strategisch wichtigen Vorort nordöstlich der Hauptstadt Damaskus vertrieben. In Jobar seien «Sicherheit und Stabilität» wiederhergestellt, berichtete die Agentur am Dienstag. Unter anderem von Jobar aus hatten Aufständische wochenlang vergeblich versucht, ins Zentrum der Hauptstadt vorzudringen.

Eine Reaktion seitens der Oppositionskräfte gab es zunächst nicht. Seit Ausbruch des Bürgerkriegs vor zwei Jahren sind nach UNO-Schätzungen mindestens 70'000 Menschen getötet worden. Millionen syrische Bürger sind im In- und Ausland auf der Flucht. (sam/AFP)

Erstellt: 04.06.2013, 13:55 Uhr

Entscheidende Waffe: Raketensystem S-300.

S-300

Das noch zu Sowjetzeiten entwickelte russische Flugabwehr-Raketensystem S-300 zerstört mit präziser Lenktechnik gegnerische Flugzeuge oder Raketen. Dazu ortet zunächst eine mobile Radarstation das Objekt. Dann rasen Raketen mit einem speziellen Erfassungssystem und mit bis zu 200 Kilometern Reichweite zum Ziel.

Syrien hat nach eigenen Angaben bereits 2010 bei Russland vier Systeme des Typs S-300 (PMU-2) bestellt. Es handelt sich um eine 1993 in Dienst gestellte modernisierte Variante (Nato-Code A-20B Gargoyle), die auf Tiefladern montiert ist. Nach Schätzungen umfasst der Auftrag insgesamt ein Volumen von bis zu einer Milliarde Dollar.

Sollte Moskau an Damaskus liefern, könnte dies die Lage im Nahen Osten entscheidend beeinflussen. Ein Angriff zum Beispiel aus Israel auf Syrien wäre dann riskanter, zudem könnten die Raketen mit ihrer Reichweite jederzeit einen grossen Teil des Luftraums über Israel bedrohen. (sda)

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