Operation «Raqqa, Ramadi and Raids»

Das Pentagon kann sich plötzlich vorstellen, Bodentruppen gegen den IS einzusetzen. Beobachter analysieren die überraschende Ankündigung.

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Barack Obamas grosses Versprechen, nach dem Abzug der letzten US-Truppen im Irak 2011 keinen neuen Kampfeinsatz im Land anzuzetteln, gerät ins Wanken: Der amerikanische Verteidigungsminister Ashton Carter sagte gestern bei einer Anhörung vor dem Senat in Washington, seine Truppen würden nicht davor zurückschrecken, Einsätze gegen die Terrormiliz Islamischer Staat auszuführen – «ob durch Angriffe aus der Luft oder direktes Eingreifen am Boden».

Bereits letzte Woche hatten US-Spezialeinheiten im Irak rund 70 irakische Geiseln aus der Hand des IS befreit. Dabei war ein amerikanischer Soldat getötet worden. Der Sender BBC deutet die jetzige Kehrtwende als Reaktion auf die zähen Fortschritte der US-geführten Koalition im Kampf gegen den IS.

Stellte sich den Fragen des Streitkräfteausschusses des Senats: US-Verteidigungsminister Ashton Carter in Washington. (Bild: AP Photo/27. Oktober 2015)

Seit einem guten Jahr fliegt die US-geführte Koalition Luftangriffe gegen den IS in Syrien und im Irak. Ausserdem bildet das amerikanische Militär irakische und kurdische Verbündete aus. In den vergangenen Monaten waren die Luftangriffe reduziert worden. Die US-Streitkräfte begründeten dies mit dem Mangel an Zielen und bestritten jede Verbindung mit dem Beginn der russischen Luftangriffe in Syrien vor einem Monat.

Stets hatte die US-Regierung beteuert, es würden im Kampf gegen die Jihadisten im Irak und in Syrien keine Bodentruppen eingesetzt. Allerdings kam in letzter Zeit der Antiterrorkampf nicht wesentlich voran. Carter gestand gestern das Scheitern des US-Plans ein, eine neue Armee gemässigter Rebellen gegen den IS aufzubauen. Stattdessen werde nun eine Zusammenarbeit mit Kurden und arabischen Kräften in Syrien angestrebt. Die «Washington Post» spricht von einem «Stillstand» im Konfliktgebiet und «neuen Ideen», die nötig seien. Für die Bodeneinsätze, die noch Präsident Obamas formelle Zustimmung bedingen, rechnet ein Offizier mit einer kleinen Anzahl von Soldaten, die eingesetzt würden. Andere, personalintensive und ambitionierte Massnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung, etwa puffer- oder flugfreie Zonen, wurden bisher verworfen. Selbst wenn auch zukünftig keine US-Soldaten in direkte Kampfhandlungen im IS-Konfliktgebiet verwickelt sind, so bedeutet die Intensivierung des Antiterrorkampfes eine bedeutende Verlagerung der Aufgaben des Pentagons: In letzter Zeit waren die USA darum bemüht, ihre Militäroperationen zurückzufahren und sich auf neue Mächte wie etwa das aufstrebende China zu konzentrieren.

Der Iran am Verhandlungstisch?

Wie das Magazin «Foreign Policy» schreibt, nennt Verteidigungsminister Carter die neue US-Strategie «Raqqa, Ramadi and Raids». Er spielt damit auf die IS-Hochburg Raqqa in Syrien an, die irakische Stadt Ramadi, die im Frühjahr durch den IS eingenommen wurde, sowie die neu geplanten Angriffe. In allen drei Punkten wollen die USA neue Impulse setzen: In Syrien sollen mehr und zerstörerische Luftangriffe auf die Extremisten geflogen werden, im Irak bereiten einheimische Truppen die Rückeroberung von Ramadi vor.

Auch auf diplomatischer Ebene zeichnet sich ein Gesinnungswechsel der USA ab: Vertreter der Islamischen Republik Iran sind zu geplanten Syrienverhandlungen Ende Woche in Wien eingeladen worden. Da der Iran neben Russland einer der engsten Verbündeten des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad ist, den die USA zum Abtritt zwingen wollen, hatte Washington eine Teilnahme der Islamischen Republik Iran an den Krisengesprächen bislang ausgeschlossen. «Wir gehen davon aus, dass der Iran zum bevorstehenden Treffen in Wien eingeladen wird», sagte ein Sprecher des Aussendepartements nun. Ob die Iraner erscheinen werden, ist noch unklar. (thu)

Erstellt: 28.10.2015, 10:33 Uhr

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