Präventivschlag – wenn Israel den Iran angreifen würde

Noch ist eine israelische Militärattacke auf die Atomanlagen im Iran eine Drohkulisse. Doch die Drohung wäre hohl, wenn Israel dieses Szenario nicht aktiv vorbereitet hätte. Sieben Fragen und Antworten.

Mögliches Ziel für einen israelischen Militärschlag: Atomanlage Busher 1200 Kilometer südlich von Teheran.

Mögliches Ziel für einen israelischen Militärschlag: Atomanlage Busher 1200 Kilometer südlich von Teheran. Bild: Archivbild/Reuters

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Die Einigung auf ein Rahmenabkommen im Atomstreit zwischen den USA und Iran von letzter Woche wurde als Durchbruch gefeiert. Ob es zu einer Unterzeichnung kommt, ist aber alles andere als sicher: Der geistige Führer Irans, Ali Khamenei, hat sich gegen die Bedingungen des Deals ausgesprochen.

Und Israel hat seine eigenen Vorstellungen, was Teil eines Abkommens sein sollte. Zwar sei der Staat an einer diplomatischen Lösung interessiert, die Option einer militärischen Lösung liege aber «noch immer auf dem Tisch und wird auch auf dem Tisch bleiben», wie Geheimdienstminister Juval Steinitz kürzlich erklärte.

Ist ein baldiger israelischer Angriff wahrscheinlich?

Verteidigungsminister Mosche Jaalon sagte diese Woche: «Jetzt ist nicht der Moment, über Attacke oder nicht zu diskutieren.» Noch sei Zeit, das «schlechte» Rahmenabkommen der fünf UN-Vetomächte und Deutschland mit Terehan zu verbessern. Zugleich bekräftigte Luftwaffenchef Amir Eschel, Israel sei gerüstet, plötzliche Angriffe auch gegen entferntere Länder zu führen, «die unsere Sicherheit bedrohen». Für den Erfolg entscheidend sei dabei das Überraschungsmoment.

Worauf zielen die israelischen Angriffe im Ernstfall?

Erste Angriffsziele wären Labore zur Entwicklung moderner Zentrifugen und Bestände an hochangereichertem Uran, falls dieses nicht verdünnt oder ausgeführt werden (wie es das Rahmenabkommen vorsieht). Anders als bei früheren israelischen Attacken auf die irakische Atomanlage Osirak 1981 und vermutlich auch eine syrische Nuklearanlage 2007, sind die Ziele hier aber beweglich. Die Iraner müssten deshalb im Vorfeld genau ausspioniert werden. Erschwerend kommt hinzu, dass das Kernforschungszentrum Fordo 80 Meter tief in einem Berg errichtet wurde.

Hauptinstrument eines Präventivschlags: Israelische Kampfjets vom Typ F-16 (Reuters/Archivbild).

Wie würde ein Luftangriff ablaufen?

Eschel versicherte, die israelische Luftwaffe könne «täglich tausende Ziele» auch weiter entfernt zerstören. Dazu müssten alle Mehrzweckkampfflugzeuge gleichzeitig zum Einsatz kommen. Israel hat gegenwärtig 99 Maschinen vom Typ F-16i und 25 F15i-Bomber. Diese müssten von den acht Tankflugzeugen vom Typ KC-707 permanent unterstützt werden, zumal wegen fehlender Überflugrechte nicht der kürzeste Weg durch den Luftraum genommen werden kann. Als Waffen würden Marschflugkörper und Luft-Boden-Raketen sowie lasergesteuerte Bomben eingesetzt, einige mit bunkerbrechender Sprengkraft.

Sind auch Cyberattacken denkbar?

Auf jeden Fall. Zur Ausschaltung gegnerischer Flugabwehrsysteme müssten «nicht notwendigerweise physische Gewaltmittel» eingesetzt werden, erläuterte der Luftwaffenkommandeur. Es sei «klar besser, die Anlagen zur Urananreicherung mit Methoden des Cyberkriegs auszuschalten», weil dies den Iranern Spielraum bei ihrer Reaktion lasse, sagte der Chef der israelischen Raumfahrtagentur, Jizchak Ben-Israel, dem Magazin «Israel Defense». Diese Option sei «komplexer, schwieriger, aber vorzuziehen». Schon 2010 wurde Israel hinter dem Computerwurm Stuxnet vermutet, der iranische Netzwerke lahmlegte.

Wie bereitet sich Israel auf erwartbare Gegenreaktionen vor?

Die Cyberabwehr wird in Israel ständig fortentwickelt. Kein vollständiger Schutz ist dagegen vor Raketenangriffen möglich, zumal der Iran hier auf Unterstützung durch die verbündete Hisbollah-Miliz setzen könnte, die über zehntausende Raketen im Nachbarland Libanon verfügt. Die israelische Luftabwehr basiert deshalb auf drei Systemen: «Eiserne Kuppel» für Kurzstreckengeschosse, «Davids Schleuder» für Raketen bis 200 Kilometer Reichweite und das Abwehrsystem «Pfeil», das in grosser Höhe Raketen abfängt, die aus mehr als tausend Kilometer Entfernung abgefeuert wurden.

Iranische Atomanlagen wurden bereits Opfer eines Cyberangriffs: Kontrollraum im Kraftwerk Busher (Reuters/Archivbild).

Sind Abwehr und Überraschung vereinbar?

Hier sieht Luftwaffenchef Eschel ein «sehr grosses Dilemma». Der akute Einsatz der Flugabwehrsysteme könne einen Überraschungsangriff verraten. Andererseits sei die Geheimhaltung sowieso schwierig: «Wir sind ein Volk, das gerne redet.» Und dann gebe es ja noch Dritte, die versucht sein könnten, etwas durchsickern zu lassen, um es zu verhindern.

Beeinflusst die internationale Meinung die israelische Entscheidung über einen Militärangriff?

Trotz allen Säbelrasselns spielt dieser Aspekt eine grosse Rolle. Generalmajor Eschel verweist darauf, dass Israel anders als beim Präventivkrieg 1967 heute als verteidigungsfähige Regionalmacht gilt. Ben-Israel gibt zu bedenken, dass ein erfolgreicher Angriff das iranische Atomprogramm maximal um drei Jahre zurückwerfen würde, also vergleichbar mit den aktuellen Verhandlungslösungen. Allerdings sind sich alle Experten einig, dass die politische Legitimität eines israelischen Alleingangs sprunghaft steigen würde, sollte der Iran bei falschen Spielen erwischt werden. (hvw/AFP)

Erstellt: 10.04.2015, 15:26 Uhr

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