Ramaphosa macht sich auf einen langen Weg

Der neue ANC-Chef will die Korruption in der stolzen Mandela-Partei bekämpfen. Doch seine Gegner sind stark.

Vorsitzender der ANC: Cyril Ramaphosa.

Vorsitzender der ANC: Cyril Ramaphosa.

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Er hätte den Anruf guten Gewissens wegdrücken können oder sagen, dass er in einer Sitzung sei, so war es ja schliesslich auch. Aber Cyril Ramaphosa schien ganz froh zu sein, in diesem Moment angerufen zu werden. Seit einer Stunde sass er direkt neben Präsident ­Jacob Zuma auf der Bühne des ANC-Parteitags und wartete bei gefühlten 40 Grad darauf, ob er der Nachfolger seines Sitznachbarn, ob er der neue ANC-Präsident werden würde. Vor ein paar Tagen noch hatte Ramaphosa indirekt Zuma einen Vergewaltiger genannt; jetzt sassen die beiden nebeneinander und schienen nach einem Thema zu suchen, über das man plaudern konnte. Bis der Anruf kam.

Wenig später jubelte der Teil des Saals, der Cyril Ramaphosa unterstützt hatte, in ihm den Erneuerer Südafrikas sieht, der nun allein die Bühne des ANC hat, während sein Vorgänger irgendwo in der Menge verschwand. Zuma tritt nicht nur als Präsident ab, er beendet seine Amtszeit der einst so stolzen Befreiungsbewegung auch mit einer Niederlage, schaffte er es doch nicht, seine Ex-Frau Nkosazana Dlamini-Zuma als Nachfolgerin zu installieren. Sie bekam 2261 Stimmen, ihr Gegner Ramaphosa 2440. Die Landeswährung Rand setzte gleich zu einem Höhenflug an, die Finanzmärkte und die Wirtschaft sehen Ramaphosa als Garanten dafür an, dass Süd­afrika künftig einen anderen Weg einschlägt, dass die Korruption, die unter Jacob Zuma endemische Ausmasse annahm, nun bald ein Ende haben wird. ­Ramaphosa hat auch gute Chancen, im Jahr 2019 die Wahl zum Präsidenten des Landes zu gewinnen.

Viele Jahre haben im ANC sehr viele weggeschaut. Es gab keinen Aufschrei, als Zuma begann, die Reichtümer des Staates an seine Günstlinge zu verteilen – ein korruptes System, das bis ins kleinste Dorf reicht. So etwas verschwindet nicht einfach. Ramaphosa kündigte an, die Partei ausmisten zu wollen, was aber sicher nicht alle für eine gute Idee halten werden. Das fängt bei David Mabuza an, den der Parteitag zu seinem Stellvertreter wählte. Er ist genau das Gegenteil von dem, wie sich Ramaphosa den künftigen ANC vorstellt. Mabuza wurde als Premierminister von Mpuma­langa immer wieder mit Korruptionsfällen in Verbindung gebracht. Er soll eine Art Privatarmee unterhalten, die seine Gegner im ANC einschüchtert. Es ist ein langer Weg zu einer neuen Partei.

Einst treuer Vize Zumas

Allerdings hatte Ramaphosa Präsident Zuma über viele Jahre lang treu als Vizepräsident gedient, ohne dessen Machenschaften offen zu kritisieren. Ramaphosa stammt aus der Gewerkschaftsbewegung. Nelson Mandela hätte ihn gern als seinen Nachfolger gesehen, als der ANC aber einen anderen wählte, wechselte Ramaphosa in die Wirtschaft und wurde einer der reichsten Männer Südafrikas. Ausgerechnet Zuma holte ihn in die Politik zurück.

Auch die unterlegene Nkosazana Dlamini-Zuma hatte verschiedene Ministerposten inne. Ihre Gegner werfen ihr vor, sich nie deutlich gegen die Korruption unter ihrem Mann geäussert zu haben.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.12.2017, 21:37 Uhr

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