Libysches Geheimtreffen auf Djerba

Mehrere Minister von Ghadhafis Regierung haben sich zu Verhandlungen mit den Rebellen in Tunesien getroffen. Derweil hat sich Libyens Innenminister offenbar nach Ägypten abgesetzt.

Ghadhafis Unterhändlern: Libyens Aussenminister Abdelati al-Obeidi bei einem früheren Besuch in Tunesien am 26. Juli 2011.

Ghadhafis Unterhändlern: Libyens Aussenminister Abdelati al-Obeidi bei einem früheren Besuch in Tunesien am 26. Juli 2011. Bild: Keystone

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Auf der tunesischen Ferieninsel Djerba haben sich Vertreter von Libyens Machthaber Muammar al-Ghadhafi und der libyschen Rebellen offenbar zu Geheimgesprächen getroffen. Die Gespräche seien in der Nacht zum Montag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in einem Hotel in Djerba geführt worden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus tunesischen Sicherheitskreisen.

Zuvor hätten am Sonntag bewachte Autokolonnen den nahe der Insel gelegenen Grenzposten Ras Dschedir zwischen Libyen und Tunesien passiert. An den Gesprächen seien mehrere libysche Minister und Sicherheitsvertreter beteiligt gewesen. Die tunesische Nachrichtenagentur TAP berichtete, die libyschen Minister für Gesundheit und Soziales, Ahmed Hidschasi und Ibrahim Scherif, sowie Libyens Aussenminister Abdelati al-Obeidi hätten sich am Sonntag auf Djerba aufgehalten. Es seien «Verhandlungen mit mehreren ausländischen Parteien» im Gange. Auf dem Flughafen von Djerba standen derweil ein südafrikanisches Flugzeug und zwei Militärhelikopter des Emirats Katar, wie es aus Flughafenkreisen hiess.

Innenminister setzt sich nach Kairo ab

In der Zwischenzeit hat sich der libysche Innenminister Nassr al Mabruk Abdullah offenbar aus seiner Heimat abgesetzt. Abdullah traf am Montag in Begleitung von neun Familienmitgliedern in Kairo ein, wie Flughafenbeamte in der ägyptischen Hauptstadt mitteilten. Er sei mit einer Sondermaschine aus Tunesien gelandet und mit einem Touristenvisum eingereist.

Vertreter der libyschen Botschaft waren bei seiner Ankunft auf dem Flughafen nicht zugegen. Ein Botschaftssprecher sagte, von Abdullahs Reise nach Ägypten sei nichts bekannt gewesen. Abdullah wäre seit Monaten das ranghöchste Mitglied der Regierung von Machthaber Muammar al al-Ghadhafi, das sich von dessen Regime lossagte.

Rebellen nähern sich Tripolis

Die Küstenstadt Sorman rund 60 Kilometer westlich von Tripolis und der Ort Gharjan 50 Kilometer südlich der libyschen Hauptstadt seien «befreit», sagte ein Rebellensprecher am Montag in der umkämpften westlibyschen Stadt Zawija. Alle Zugänge zu den beiden Orten würden kontrolliert, es gebe aber noch eine «unbestimmte Zahl» von regierungstreuen Scharfschützen, die sich in einigen Wohnvierteln verschanzt hielten. Damit würden die Rebellen sich Tripolis nähern, der Bastion von Libyens Machthaber Muammar al-Ghadhafi.

Die Rebellen hätten inzwischen auch die «vollständige Kontrolle» über die 15 Kilometer lange Strasse zwischen den Küstenstädten Zawija und Sorman, sagte der Rebellensprecher. Damit sei die Versorgungsroute für al-Ghadhafi aus Tunesien unterbrochen. Dagegen gebe es kaum Fortschritte bei den Kämpfen um Zawija, sagte der Sprecher. Rebellenkommandeur Bashir Ahmed Ali sagte, in den von den Scharfschützen Ghadhafis besetzten Gebäuden gebe es «zivile Geiseln», weswegen ein Vorrücken schwierig sei. Um Zawija war das ganze Wochenende gekämpft worden, die Rebellen hatten dabei einen Teil der Stadt unter ihre Kontrolle bringen können.

Tripolis dementiert

Nach Angaben der Rebellen wurde den gesamten Sonntag über um Sorman und Gharjan gekämpft. Ein Sprecher Ghadhafis sagte am Sonntagabend, Rebellen seien in Gharjan eingedrungen, regierungstreue Truppen würden aber «in den kommenden Stunden» wieder die vollständige Kontrolle über die Stadt erlangen. In Sorman habe es «Zusammenstösse» gegeben, sagte der Regierungssprecher.

Muammar al-Ghadhafi hat in einer vom Staatsfernsehen ausgestrahlten Audiobotschaft seine Anhänger zum bewaffneten Kampf gegen «Verräter und die Nato» aufgerufen. Die am Montag ausgestrahlte Botschaft Ghadhafis war die erste seit die Rebellen im westlichen Gebirge eine Offensive Richtung Tripolis starteten. Libyer sollten «tanzen, singen und kämpfen», sagte Ghadhafi. So wie die Zahl der Märtyrer steige, nehme auch die libysche Entschlossenheit zu.

(jak/AFP, dapd)

Erstellt: 15.08.2011, 14:47 Uhr

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