Säkulare Allianz glaubt an Sieg in Tunesien

Die Sammlungsbewegung Nidaa Tounès rechnet mit einem Wahlsieg über die islamistische Ennahda-Partei.

Eine Tunesierin zeigt nach der Stimmabgabe ihren Finger, mit dessen Abdruck sie ihren Wahlzettel beglaubigt hat.

Eine Tunesierin zeigt nach der Stimmabgabe ihren Finger, mit dessen Abdruck sie ihren Wahlzettel beglaubigt hat. Bild: Keystone

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Mehr als 5,2 Millionen Tunesier hatten sich registrieren lassen, um am Sonntag an der Parlamentswahl teilnehmen zu können. Zwar hatte das Land vor drei Jahren bereits die erste freie Wahl abgehalten, damals aber nur über eine Verfassungsgebende Versammlung, die den Weg zur Demokratie bereiten sollte. In der Hauptstadt Tunis und in anderen Städten bildeten sich lange Schlangen vor den Wahllokalen. Die Wahlbeteiligung liege bei knapp 60 Prozent, erklärte die Wahlkommission am Abend. Vereinzelt blieben Wahllokale länger geöffnet.

Hinweise auf Manipulationen lagen nicht vor, Tausende Wahlbeobachter hatten die Abstimmung überwacht. «Bislang stellen wir fest, dass der Ablauf mehr als zufriedenstellend ist», sagte die Leiterin der EU-Beobachtermission, Annemie Neyts-Uyttebroeck. Trotz der Sorge vor Anschlägen kam es nur zu kleineren Zwischenfällen. Insgesamt 80'000 Sicherheitskräfte schützten die Abstimmung.

Zweite Wahlrunde wahrscheinlich

Der Vorsitzende der Wahlkommission, Shafik Sarsar, sagte am Abend in Tunis, die letzten Ergebnisse aus den Wahllokalen würden erst für diesen Montagmorgen erwartet, vorher würden keine Ergebnisse publiziert. Erwartet wurde, dass die meisten der 217 Sitze an die von Béji Caïd Essebsi gegründete säkulare Sammlungsbewegung Nidaa Tounès oder die Islamisten der Ennahda gehen, die in der Verfassungsversammlung mit Abstand die stärkste Kraft waren. Parteichef Rachid Ghannouchi sagte: «Ich habe eine lange Schlange vor dem Wahllokal gesehen, das macht mich glücklich und zeigt, dass den Tunesiern viel an der Demokratie liegt.» Essebsi sagte nach der Stimmabgabe. «Ich habe für Tunesien gestimmt, es lebe Tunesien!» Er gab sich siegessicher: Es gebe «gute Anzeichen» dafür, dass seine Partei stärkste Kraft werde, sagte er am Abend.

Da kurz vor der Abstimmung mehr als die Hälfte der Wähler noch unentschlossen war, haben die Umfragen nur begrenzte Aussagekraft. Als wahrscheinlich galt, dass eine Vielzahl von Parteien in das Parlament einzieht und mehrere grosse Parteien zusammen eine Koalition schmieden müssen. Die Regierungsbildung könnte sich dann bis nach der Präsidentenwahl in vier Wochen hinziehen oder gar bis zur wahrscheinlich nötigen zweiten Runde am 28. Dezember.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.10.2014, 21:53 Uhr

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