Saudis fliegen neue Angriffe gegen Basen im Jemen

Saudiarabien setzt seinen Bombenkrieg im Nachbarland fort. Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier warnt vor einem kriegerischen Flächenbrand.

Unsere interaktive Infografik zeigt: Je dunkler die Farbe des Landes, desto höher ist der prozentuale Anteil der schiitischen Bevölkerung. Die schwarz eingefärbte Fläche stellt die Hochburgen der Schiiten dar. (Daten: CIA)


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Die von Saudiarabien angeführte Militärkoalition hat in der Nacht zum Freitag ihre Angriffe im Jemen fortgesetzt. Augenzeugen berichteten von Angriffen auf die Militärbasis Al-Samaa und den Stützpunkt Al-Istiklal in der Hauptstadt Sanaa. Der von der Huthi-Miliz kontrollierte Sender Al-Massira berichtete ebenfalls, Kampfflugzeuge hätten ihre Stellungen in der Hauptstadt angegriffen, daraufhin habe die Miliz Luftabwehrwaffen eingesetzt.

Mehrere Todesopfer gab es bei den Angriffen in der Nacht zum Freitag auf einen Militärstützpunkt im Norden Sanaas. Dabei sei ein benachbartes Wohnviertel getroffen worden, sagten Vertreter des Gesundheitsministeriums in der jemenitischen Hauptstadt. Viele Einwohner Sanaas versuchten in Panik, aus der Stadt zu fliehen. Beim Beschuss zweier Bezirke der nördlichen Heimatprovinz der Rebellen wurde unter anderem ein Markt in Kataf al Boka in der Provinz Saada getroffen, wie Angehörige der dort ansässigen Stämme sagten. 15 Menschen seien getötet oder verletzt worden.

Staatschef geflüchtet

Nach Angaben örtlicher Beamter sowie Augenzeugen zufolge war am Donnerstagabend ausserdem der von den Huthi-Rebellen kontrollierte Militärstützpunkt Al-Tarik in der drittgrössten Stadt Taes im Südwesten des Landes aus der Luft angegriffen worden. Saudiarabien und mehrere weitere arabische Staaten hatten in der Nacht zum Donnerstag militärisch in den Konflikt im Jemen eingegriffen. Dort kämpft die Huthi-Miliz gegen die Führung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi.

Der von den Huthis bedrängte Staatschef Abed Rabbo Mansur Hadi flüchtete in die saudische Hauptstadt Riad. Am Samstag will Hadi beim Gipfeltreffen der Arabischen Liga im ägyptischen Badeort Scharm-el-Scheich um Unterstützung werben. Der Liga-Gipfel soll zudem die Bildung einer panarabischen Eingreiftruppe beschliessen. Bereits am Donnerstag einigten sich die Aussenminister der Arabischen Liga unter dem Eindruck des Jemen-Konflikts auf die Aufstellung dieser Streitmacht, die bei Krisen in der arabischen Region eingesetzt werden solle.

Saudiarabien setzt seine Militärangriffe gegen den Jemen fort. (Video: Reuters)

Der Bombenkrieg im Jemen wird von den USA aktiv unterstützt. Die USA und Saudiarabien bauten eine gemeinsame Planungsstelle zur Koordinierung der Hilfe auf, teilte das US-Aussenministerium mit. Washington verstehe das Vorgehen Saudi-Arabiens, betonte aber, Verhandlungen seien der beste Weg aus dem Bürgerkrieg.

Die Vereinten Nationen und die Europäische Union äusserten Besorgnis. Sie riefen die Konfliktparteien zu Verhandlungen auf. Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier nannte die Lage gefährlich. Er hoffe nicht, dass sich die Situation in einen kriegerischen Flächenbrand ausweite, sagte er der «Bild»-Zeitung. Steinmeier warnte auch vor einer Gefährdung der Atomverhandlungen mit dem Iran wegen des Konflikts im Jemen. Er sagte der «Bild»-Zeitung vom Freitag, bislang hätten die Verhandlungen mit Teheran «von den regionalen Konflikten» abgeschirmt werden können. Er hoffe, dass dies auch jetzt gelinge. In den Verhandlungen gehe es um viel.

Verantwortung der Regionalmächte

Die Militärkoalition unterstützt Präsident Hadi, die Huthi-Rebellen erhalten mutmasslich Rückendeckung aus Teheran. Steinmeier sagte zu dem Einsatz, niemand könne ein Interesse an einer weiteren Eskalation oder gar an einem saudiarabisch-iranischen «Stellvertreterkrieg im Jemen» haben, auch Riad und Teheran nicht. Die Folgen einer direkten Konfrontation für die Region und die globale Energieversorgung seien nur schwer auszumalen.

Langfristig werde es in der konfliktreichen Region erst dann Entspannung geben, «wenn sich die beiden grossen Regionalmächte, das sunnitische Saudiarabien und der schiitische Iran, miteinander verständigen, oder zumindest arrangieren», sagte Steinmeier. Die fünf UNO-Vetomächte und Deutschland verhandeln derzeit intensiv mit dem Iran über ein Abkommen zum iranischen Atomprogramm.

Indien holt Gastarbeiter heim

Indien schickte unterdessen Schiffe, um tausende im Jemen festsitzende indische Gastarbeiter in Sicherheit zu bringen. Nach Behördenangaben arbeiten derzeit rund 3500 Inder in dem arabischen Land, darunter viele Krankenschwestern aus Kerala. Die Mehrheit der Gastarbeiter, etwa 2500, hielten sich in Sanaa auf, teilte der Ministerpräsident des südlichen indischen Bundesstaats, Oommen Chandy, in einer Erklärung per Facebook mit. (thu/sda)

Erstellt: 27.03.2015, 06:59 Uhr

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