Sieben Fragen an Fifa-Generalsekretär Valcke

Die Fifa-Skandale bewegen auch die Öffentlichkeit Südafrikas. Ein renommierter Anwalt schaltet sich nun in die Debatte ein: Mit einem Beitrag über die «Todsünden der Fifa».

In Erklärungsnot: Jérôme Valcke, Generalsekretär der Fifa, bei einer Medienkonferenz in Johannesburg vor der WM 2010.

In Erklärungsnot: Jérôme Valcke, Generalsekretär der Fifa, bei einer Medienkonferenz in Johannesburg vor der WM 2010. Bild: Keystone

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In den Skandalgeschichten um die Fifa führt eine der Spuren zu Generalsekretär Jérôme Valcke. Der enge Vertraute von Fifa-Präsident Sepp Blatter ist gemäss Medienberichten, die sich auf die US-Anklageschrift stützen, in eine dubiose Zahlung verstrickt. Vor der Vergabe der WM 2010 an Südafrika soll Valcke dafür gesorgt haben, dass zehn Millionen Dollar von einem Fifa-Konto in der Schweiz auf ein Konto in New York überwiesen wurden. Das US-Konto gehörte der Konföderation von Nord- und Mittelamerika (Concacaf) und der Karibischen Fussballunion (CFU), kontrolliert wurde es vom damaligen Chef der beiden Verbände, Jack Warner.

Der Ex-Minister und Geschäftsmann aus Trinidad und Tobago war bis 2011 auch Vizepräsident des Weltfussballverbands. Warner stand wiederholt unter Verdacht, und er gilt als eine Schlüsselfigur der Fifa-Affären. War Warner unter Beihilfe von Valcke von den Südafrikanern bestochen worden?

Die 10-Mio.-Zahlung an Warner bewegt auch die Öffentlichkeit in Südafrika, wegen der möglichen Unregelmässigkeiten rund um ihre WM. In die Debatte hat sich nun Paul Hoffman eingeschaltet. Hoffman ist ein landesweit bekannter Menschenrechtsaktivist und Rechtsanwalt, der zuletzt massgeblich an der Aufdeckung eines Skandals um Rüstungsgeschäfte der Zuma-Regierung beteiligt gewesen war. Hoffman ist auch Gründer eines Instituts für Verantwortlichkeit in Südafrika. Diese private Anstalt widmet sich vor allem der Förderung guter Regierungsführung ebenso wie der Bekämpfung der Korruption. Nicht zuletzt hat das Institut Hoffmans auch die Funktion einer Ombudsstelle, die sich für Bürgerrechte und gegen Staatswillkür einsetzt.

Was ist Inhalt der angeblichen Vereinbarung?

Als juristische und moralische Autorität hat Hoffman in diesen Tagen in der südafrikanischen Zeitung «Mail & Guardian» einen Beitrag veröffentlicht, der sich eigentlich an Fifa-Generalsekretär Valcke richtet. Der Artikel heisst «Die sieben Todsünden der Fifa», und er enthält sieben Fragen:

  • 1. Wurde die angebliche formale Vereinbarung, die den Geldtransfer des südafrikanischen Fussballverbands an Warner deckte, überhaupt je schriftlich aufgesetzt und dann von allen interessierten Parteien unterzeichnet?
  • 2. Wenn nicht: Warum nicht?
  • 3. Falls die Fifa ebenfalls Partei der Vereinbarung war: Warum hat sie nie Kopien der Vereinbarung im Sinne der Transparenz veröffentlicht?
  • 4. Welche treuhänderischen Verantwortlichkeiten, Aufgaben und Pflichten wurden mit der Vereinbarung an Warner übertragen?
  • 5. Welche Überwachungs- und Kontrollmechanismen wurden von den Vertragsparteien vorgesehen, damit Warner die ihm anvertrauten Gelder für Fussball-Entwicklungshilfeprojekte zugunsten der afrikanischen Diaspora verwendet?
  • 6. Mit welchen Massnahmen haben der südafrikanische Fussballverband, die Fifa und die Regierung Südafrikas sichergestellt, dass es sich tatsächlich um Fussball-Entwicklungshilfeprogramme handelt und dass das Geld korrekt ausgegeben wird?
  • 7. Was haben der südafrikanische Fussballverband, die Fifa und die Regierung Südafrikas beim Rücktritt von Warner als Concacaf- und CFU-Präsident unternommen, um die Zukunft der Entwicklungshilfeprogramme sicherzustellen?

Das Fazit von Anwalt Paul Hoffman: «Falls Generalsekretär Valcke in der Öffentlichkeit nachvollziehbare und zufriedenstellende Antworten auf diese einfachen Fragen liefert, kann er eine Rolle spielen bei der Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit der Fifa. Falls nicht, gilt das Gegenteil.»

Fifa: Verantwortlich ist verstorbener Funktionär

Anfang Juni hatte Valcke verlauten lassen, dass er die 10-Mio.-Zahlung an Warner nicht autorisiert habe. Dazu habe er auch gar nicht die Macht. Und die Medienstelle der Fifa betonte, dass der damalige Chef der Fifa-Finanzkommission, Julio Grondona, die Überweisung genehmigt habe. Grondona kann allerdings nicht mehr Auskunft geben, denn er verstarb im vergangenen Jahr. Gemäss der Fifa-Medienstelle wurde die Zahlung «in Übereinstimmung mit den Regeln der Organisation durchgeführt». Diese Regeln besagen jedoch, dass der Generalsekretär, also Valcke, für die Konten der Organisation verantwortlich ist und die Macht hat, Überweisungen zu tätigen. Somit ist die Sache nicht geklärt.

Erklären muss sich auch Danny Jordaan. Der Präsident des südafrikanischen Fussballverbandes (Safa) und einstige Chef des Organisationskomitees der WM 2010, bestätigte die 10-Mio.-Zahlung an den früheren Fifa-Vizepräsidenten Warner. Dabei sagte er, dass es sich nicht um Bestechung gehandelt habe, sondern um Fussball-Entwicklungshilfe. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.06.2015, 20:36 Uhr

Ein Kämpfer gegen Korruption: Paul Hoffman, Anwalt in Südafrika.

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