Spaten statt Drohnen

Für das Weisse Haus bedroht Ebola die nationale Sicherheit der USA.

3000 US-Soldaten sollen die Ebola-Epidemie eindämmen: Fachkräfte in Schutzanzügen.

3000 US-Soldaten sollen die Ebola-Epidemie eindämmen: Fachkräfte in Schutzanzügen. Bild: Keystone

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Die Fülle der Krisen erzeugt einen Mangel an Alarmvokabeln. Am Dienstag erklärte US-Präsident Barack Obama die Ausbreitung des Ebola-Virus in Westafrika zur «Frage der nationalen Sicherheit». Mit fast denselben Worten hatte er letzte Woche schon die Mördermiliz Islamischer Staat (IS) bedacht. Weiter werde Amerika im Kampf gegen die Seuche «die internationale Gemeinschaft mobilisieren». Diese Formulierung ist aus der Sanktionsrhetorik gegen die russische Einflussnahme in der Ukraine gut bekannt.

Ist die nationale Sicherheit gefährdet, bietet der Präsident das Militär auf. Für die Eindämmung des Ebola-Virus werden 3000 Soldaten nach Westafrika entsandt, deutlich mehr als in den Irak. Dabei soll der virale Gegner nicht mit Waffen geschlagen werden, sondern mit Medikamenten und Spitälern. Genietruppen des US-Afrikakommandos sollen in der Region neue Behandlungszentren aufbauen, auch sollen 500 lokale Krankenpfleger pro Woche durch die USA ausgebildet werden. Personal und Geräte sollen über eine Luftbrücke herangeschafft, eine neue US-Militärbasis in der liberianischen Hauptstadt Monrovia errichtet werden.

Tradition des Zivilschutzes

Mit diesem Einsatz reagieren die USA auf Hilferufe aus Liberia. «Männer und Frauen sitzen einfach da und warten auf den Tod», sagte Obama über die Warteschlangen vor den wenigen Behandlungszentren. «Das müsste nicht sein.» Das zivilschützerische Engagement des US-Militärs hat Tradition; auch nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti lancierte Washington 2010 eine Militärmission.

Neben den dringend benötigten Helfern transportieren die USA immer auch Botschaften. Der Einsatz in Westafrika ist so etwa eine Kraft­demonstration, ein humanitäres «stun and awe». Auch in Zeiten des Spardrucks und der ferngesteuerten Billig-Kriegsführung verfügen die US-Streitkräfte über Ressourcen, von denen der Rest der Welt nur träumen kann. Eine Woche nachdem Washington der Terrororganisation IS den Vernichtungskrieg erklärt hat, wird Westafrika eine Luftbrücke versprochen. Das soll alle Lügen strafen, die Amerika schwächeln sehen.

Doch alle Ressourcen sind nichts wert ohne einen entschlossenen Oberbefehlshaber. Obama war in seiner Ansprache zur Ebola-Epidemie erneut bemüht, Führungswillen anzumelden: «Die Welt schaut auf uns, die Vereinigten Staaten. Das ist eine Verantwortung, die wir annehmen.» So sehr die internationale Gemeinschaft handeln soll, das Weisse Haus wird nicht warten, sondern voran­gehen. Zögerlichkeit war gestern.

Schliesslich bietet der Einsatz auch Gelegenheit, der Welt Amerikas gutes Wesen aufzuzeigen. Das umstrittene Afrikakommando wird für einmal nicht mit Drohnen tätig, sondern mit Medikamenten und Bauspaten. Von den USA soll mehr erwartet werden können als von anderen. Sie saugen nicht nur die Rohstoffe aus dem Boden, sondern kommen auch zu Hilfe, wenn Not herrscht. China, der grösste Handelspartner Afrikas, hat bis jetzt erst bescheidene Unterstützung gegen die Epidemie geleistet.

Erstellt: 18.09.2014, 02:03 Uhr

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