Syrische Rebellen sollen Massaker in Assads Hochburg verübt haben

190 Tote, darunter Frauen und Kinder: Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtet von einem Massaker in alawitischen Dörfern. Ein Teil der Zivilisten soll regelrecht hingerichtet worden sein.

Bergen nach Regierungsangaben eine Leiche aus einem Massengrab: Soldaten in der Provinz Latakia auf einem Bild der staatlichen Nachrichtenagentur. (20. August 2013)

Bergen nach Regierungsangaben eine Leiche aus einem Massengrab: Soldaten in der Provinz Latakia auf einem Bild der staatlichen Nachrichtenagentur. (20. August 2013) Bild: Sana/AFP

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Syrische Rebellen haben laut Human Rights Watch (HRW) Anfang August ein Massaker in mehreren alawitischen Dörfern im Nordwesten des Landes verübt. Mindestens 190 Zivilisten seien bei dem Überfall am 4. August auf zehn Dörfer in der Küstenprovinz Lattakia von Jihadisten und Aufständischen ermordet worden, wobei 67 davon regelrecht hingerichtet worden seien, schrieb die Menschenrechtsorganisation in einem am Freitag veröffentlichten Bericht.

Für den Bericht führte HRW nach eigenen Angaben 35 Interviews, darunter mit mehreren Überlebenden des Angriffs. Die Organisation erstellte bei ihrer Untersuchung vor Ort eine Liste mit den Namen der Toten. Ihr zufolge befinden sich 57 Frauen und 18 Kinder unter den Opfern. Die 67 Menschen, die gezielt hingerichtet wurden, seien nicht bewaffnet gewesen und hätten keine Bedrohung dargestellt, teilweise hätten sie sich sogar auf der Flucht befunden, schrieb HRW.

Hochburg Assads

Die Region, in der die betroffenen Dörfer liegen, ist eine Hochburg von Machthaber Bashar al-Assad. Nach Angaben von HRW waren insgesamt 18 Rebellengruppen an dem Angriff beteiligt, doch hätten fünf radikale islamistische Gruppierungen bei der Operation die Führung gehabt. Die Gruppen Islamischer Staat im Irak und der Levante und Dschaisch al-Muhadschirin wal Ansar würden noch immer mehr als 200 Zivilisten als Geiseln halten, die meisten von ihnen Frauen und Kinder.

Es habe sich um einen gezielten Angriff auf die Zivilbevölkerung in den alawitischen Dörfern gehandelt, sagte der HRW-Interimsdirektor für den Mittleren Osten, Joe Stork. Die Taten müssten als «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» gewertet werden, erklärte HRW. Menschenrechtsgruppen haben seit Beginn des Konflikts in Syrien wiederholt Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit der Regierungstruppen, sowie, wenn auch in geringerem Masse, der Rebellen dokumentiert.

Sicherheitsrat unterstützt Bans Plan

Der UNO-Sicherheitsrat unterstützt laut Diplomaten den Plan von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon zur Zerstörung der syrischen Chemiewaffen. Ban hatte eine gemeinsame Mission der UNO und der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OVCW) vorgeschlagen.

Der russische UNO-Botschafter Witali Tschurkin sagte nach den ersten Gesprächen des Sicherheitsrats über die Vorschläge, es habe «keine Einwände» gegeben. Zudem sei eine «gute Kooperation» der syrischen Behörden festgestellt worden.

«Toller Job»

Frankreichs UNO-Botschafter Gérard Araud sagte, die 15 Mitglieder des Gremiums seien sich einig gewesen, dass die bereits nach Syrien entsandten Experten von UNO und OVCW einen «tollen Job» machten.

Seit Anfang Oktober befindet sich ein Team von 20 Experten in Syrien, um gemäss einem Beschluss des Sicherheitsrats vom 27. September das syrische Chemiewaffenarsenal zu zerstören. Gemäss dem Plan von Ban soll die Mission von UNO und OVCW auf bis zu hundert Experten aufgestockt werden.

Ban soll Leiter ernennen

Tschurkin sagte, der Sicherheitsrat werde einen Brief an die OVCW schicken, in dem die Einzelheiten der gemeinsamen Mission dargelegt werden sollen.

Es wird erwartet, dass Ban rasch einen Leiter für die Mission ernennt, der seine Basis in Damaskus und auf Zypern haben soll. Gemäss der UNO-Resolution sollen die Produktionsstätten für Chemiewaffen bis zum 1. November unbrauchbar gemacht und das Arsenal bis Mitte 2014 zerstört werden. (mw/sda/AFP)

Erstellt: 11.10.2013, 07:07 Uhr

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