Triumph ohne Überraschung

Ex-Militärchef Abdel Fattah al-Sisi gewinnt die Präsidentenwahl in Ägypten. Gemessen an der Wahlbeteiligung, ist sein Rückhalt allerdings geringer als von ihm selbst erwartet. Damit dürften die politischen Spannungen anhalten.

Sisi wurde schon im Vorfeld als Sieger gehandelt: Jubelnde Anhänger in Kairo. (28. Mai 2014)

Sisi wurde schon im Vorfeld als Sieger gehandelt: Jubelnde Anhänger in Kairo. (28. Mai 2014) Bild: AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der ehemalige ägyptische Militärchef Abdel Fattah al-Sisi hat nach Informationen aus seinem Umfeld die Präsidentenwahl mit einem überragenden Vorsprung gewonnen. Nach Auszählung fast aller Stimmzettel habe Sisi mehr als 93 Prozent erreicht, teilt sein Wahlkampfteam mit.

Der ägyptische Übergangspräsident Adli Mansur lobte die Präsidentenwahl als frei und ohne ernsthafte Probleme. Sie habe den «breiten Konsens für den Fahrplan» für den politischen Übergang verdeutlicht, sagte er. Die Wahlbeteiligung lag Mansurs Angaben zufolge bei 46 Prozent, mehr als 25 Millionen Bürger gingen zur Wahl.

Wahlberechtigt waren 54 Millionen

Auf Sisi, der als grosser Favorit ins Rennen gegangen war, entfielen den Angaben zufolge 23,38 Millionen Stimmen. Sein linksgerichteter Rivale Hamdin Sabahi bekam rund 736’000 Stimmen. Das Ergebnis lag jedoch deutlich unter Sisis eigenen Erwartungen: In seinem letzten Fernsehauftritt vor der Wahl hatte er vergangene Woche gesagt, mehr als 40 Millionen Stimmen anzustreben, um «der Welt» das Ausmass seines Rückhalts in der Bevölkerung demonstrieren zu können.

Die zunächst auf zwei Tage angelegte Wahl war angesichts der geringen Wahlbeteiligung noch auf einen dritten Tag ausgedehnt worden. Wahlberechtigt waren knapp 54 Millionen Ägypter. 2012, als der von Sisi im Juli 2013 nach Massenprotesten gestürzte Präsident Mohammed Mursi gewählt wurde, lag die Wahlbeteiligung bei 52 Prozent.

Fehlende Begeisterung unter den Wählern

Rund eine Million Voten waren ungültig. Die amtliche Bekanntgabe der Wahlergebnisse wird erst für Anfang Juni erwartet. Sisis Anhänger in Kairo feierten bereits kurz nach Schliessung der Wahllokale in der Nacht den Sieg am zentralen Tahrir-Platz, wo 2011 der Volksaufstand gegen den langjährigen Machthaber Hosni Mubarak begonnen hatte. Tausende von Sisis Unterstützern versammelten sich dort mit Flaggen sowie Bildern des früheren Generals und tanzten. Ähnliche Feiern gab es in Alexandria sowie in Städten nördlich und südwestlich der Hauptstadt.

Beobachter sagten, die fehlende Begeisterung unter den Wählern gehe unter anderem darauf zurück, dass Sisis Sieg schon von vornherein als ausgemachte Sache erschienen sei. Zudem gebe es grosse Unzufriedenheit mit dem Ex-Armeechef, und zwar nicht nur unter den Islamisten, die ihm den Sturz Mursis vorwerfen. Vielmehr glaube eine breite Bevölkerungsschicht, dass er keine konkreten Pläne für Ägyptens Probleme habe und fürchte, dass er zu einer Autokratie wie unter Mubarak zurückkehren könnte.

Muslimbrüder boykottierten Wahl

Die relativ schwache Wahlbeteiligung ist umso unangenehmer für Sisi und sein Umfeld, als die vom Militär eingesetzte Übergangsregierung und die Medien ihn zehn Monate lang als Kämpfer gegen den Terrorismus und einzigen Mann darstellten, der die Probleme des Landes wie Terrorismus, hohe Arbeitslosigkeit und Inflation sowie Instabilität in den Griff bekommen könnte. «Sisi braucht kein Programm», sagte ein Anhänger vor einem leeren Wahllokal in einem Kairoer Bezirk. «Wir wollen nur Sicherheit.»

Die Muslimbrüder und andere Islamisten hatten die Wahl boykottiert. Auch einige der Jugendlichen, die 2011 an den Protesten gegen Mubarak teilgenommen hatten, blieben den Urnen fern.

Die Entscheidung der Wahlkommission, die Wahl um einen Tag zu verlängern, traf auf Kritik. Die US-Wahlbeobachtungsgruppe Democracy International sagte etwa, die Verlängerung lasse «Zweifel an der Unabhängigkeit der Wahlkommission, der Unparteilichkeit der Regierung und der Integrität des Wahlprozesses aufkommen». (bru/AP)

Erstellt: 29.05.2014, 12:39 Uhr

Präsidentenwahl in Ägypten: Rund 92 Prozent wählten Al-Sisi. (Video: Reuters )

Artikel zum Thema

«Bei einem Aufstand des ägyptischen Volkes trete ich ab»

Präsidentschaftskandidat Abdel Fattah al-Sisi will das Leben in Ägypten innert zwei Jahren verbessern. Sollten ihn die Wähler nicht mehr wollen, würde er nicht warten, bis ihn die Armee verdrängt. Mehr...

Ägyptens Todesurteilsautomaten

Kommentar Die neusten Todesurteile gegen Mursi-Anhänger verschärfen den Konflikt zwischen Staat und Islamisten. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Mamablog Rassismus im Kindergarten

Sweet Home Designwohnung statt Hotel?

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...