UNO verlangt Aufklärung über Bin Ladens Tod

Die jüngste Tochter des Terroristen hat sich laut Medienberichten zu den Umständen des Todes ihres Vaters geäussert. Die Vereinten Nationen fordern, dass diese geklärt werden.

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Safia ist 12 oder 13 Jahre alt und erlebte gemäss dem britischen «Telegraph» und dem arabischen Fernsehsender al-Arabiya die Ermordung ihres Vaters, des gefährlichsten Terroristen der Welt. Sie soll laut al-Arabiya ausgesagt haben, der Vater sei lebend gefasst und danach erschossen worden. Die Spezialeinheit habe ihm vor den Familienmitgliedern in die Brust und in den Kopf geschossen.

Die beiden Berichte beziehen sich auf den pakistanischen Geheimdienst. Die Informationen seien gegenüber NBC bestätigt worden, schreibt der amerikanische Sender auf seiner Website, ohne die Quellen namentlich zu nennen. Offenbar handelt es sich bei Safia um das jüngste Kind von Bin Ladens fünfter Frau. Gemäss Augenzeugen hätten Bin Laden und seine Gefolgsleute keinen einzigen Schuss auf die US-Soldaten abgefeuert. Der Helikopter, der beim Einsatz abstürzte, habe technische Probleme gehabt, sagte ein pakistanischer Offizieller.

Tochter half bei der Identifizierung

Safia half den Amerikanern offenbar bei der Identifizierung von Bin Ladens Leiche. Das Kind befindet sich nun vermutlich in der Obhut der pakistanischen Behörden. Angeblich hielten sich während der Operation bis zu 18 Personen im Haus auf. Offenbar wurden 16 Personen festgenommen. Darunter waren sechs Kinder im Alter zwischen zwei und 12 Jahren, nicht alle waren aber Kinder von Osama Bin Laden. Die Personen seien nun im Militärspital der Provinzstadt Rawalpindi in Behandlung.

Gemäss nicht namentlich genannten Quellen von al-Arabiya haben die US-Truppen die Personen deshalb nicht selber festgenommen, weil sie nicht genug Platz in den Helikoptern hatten. Die Soldaten hätten lediglich zwei Leichen mitgenommen. Bei der einen habe es sich um Bin Laden, bei der anderen um dessen Sohn gehandelt.

UNO fordert Aufklärung zu Bin Ladens Tod

Die Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, hat weitere Aufklärung zu den Todesumständen von Terroristenführer Osama Bin Laden gefordert. Ihr Sprecher Rupert Colville bestätigte, dass Pillay sich mit dieser Bitte an die Regierung in Washington gewandt habe. «Es handelte sich um eine sehr schwierige Operation, und es wäre hilfreich, wenn wir die genauen Fakten der Umstände seiner Tötung kennen würden», betonte Pillay.

Nach Ansicht von Beobachtern reagiert die Uno-Menschenrechtskommissarin damit auf den Druck von Menschenrechtsgruppen, die in der Tötung des unbewaffneten Topterroristen eine Verletzung von Menschenrechten sehen.

Pillay hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, dass auch im Kampf gegen den Terrorismus Menschenrechte streng eingehalten werden müssten. Die Anfrage an die US-Regierung sei übermittelt worden, bevor das Weisse Haus gestern Abend eine neue Version der Umstände vorgelegt habe, sagte Colville.

Angebliches Testament aufgetaucht

Kaum war Osama Bin Laden tot, tauchte auch sein Testament auf. Die kuwaitische Zeitung «al-Anbaa» berichtete bereits einen Tag nach der Militäroperation der USA, sie sei im Besitz des letzten Willens des Al-Qaida-Chefs. Die Redaktion zeigte ein vierseitiges Dokument, das auf einem Computer geschrieben wurde und mit «dein Bruder Abu Abdullah Osama Muhammad Bin Laden» gekennzeichnet ist.

Das Testament wurde, sofern es echt ist, drei Monate nach 9/11 verfasst. Daraus geht hervor, dass Bin Laden ahnte, dass nun die Welt Jagd auf ihn machen und er eines Tages getötet werden würde. Offenbar ging er davon aus, dass ihn irgendwann einer seiner Vertrauten verraten würde. Im Dokument bekennt sich Bin Laden angeblich zu mehreren Anschlägen, etwa zum Selbstmordanschlag auf amerikanische Marinesoldaten 1983 im Libanon, zur Ermordung von UN-Soldaten 1993 in Somalia, zum Anschlag auf die US-Botschaft 1998 in Nairobi sowie auf die Twin Towers 2001 in New York.

Söhne sollen nicht der al-Qaida beitreten

Für Aufsehen sorgen aber auch Bin Ladens private Anmerkungen. So verlangt er von seinen Frauen, dass sie nach seinem Tod nicht mehr heiraten. Und an seine Kinder appelliert er überraschenderweise, sie sollten der al-Qaida nicht beitreten und auch nicht an der Front kämpfen. Zudem bittet er seine Kinder um Vergebung, dass er nicht mehr Zeit mit ihnen verbracht habe.

Der britische «Guardian» bringt allerdings Zweifel an der Echtheit des Testaments an. So hatte 2002 bereits das saudische Magazin «al-Majallah» ein angebliches Testament von Bin Laden veröffentlicht, das sich später als Fälschung herausstellte.

Erstellt: 04.05.2011, 11:14 Uhr

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Kurz nach der Stürmung: Innenaufnahmen aus Bin Ladens Residenz (Quelle: ABC News).

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