USA und Grossbritannien spielen Krieg im Golf

Im bisher grössten Manöver rasseln die westlichen Seestreitkräfte während zwölf Tagen in der Golfregion mit dem Säbel. Dutzende Kriegsschiffe üben den Krieg gegen den Iran.

Grosse Feuerkraft: Die USS Chung-Hoon und der Flugzeugträger USS Nimitz im Hintergrund.

Grosse Feuerkraft: Die USS Chung-Hoon und der Flugzeugträger USS Nimitz im Hintergrund. Bild: Keystone

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Es ist die grösste Flottenübung, die jemals in der Golfregion stattgefunden hat: Zerstörer, Flugzeugträger, Minenräumer und U-Boote von insgesamt 25 Nationen proben seit gestern vor der Strasse von Hormuz den Ernstfall. Während der nächsten zwölf Tage simulieren die Kriegsschiffe einen potenziellen Krieg gegen den Iran.

Nebst den USA, Grossbritannien, Frankreich und Saudiarabien sind unter anderem auch die Vereinigten Arabischen Emirate am Manöver beteiligt, so die britische Zeitung «Telegraph». Ziel der Übung ist es laut dem Blatt, Taktiken zu erproben, um eine mögliche Sperrung der Strasse von Hormuz zu umgehen. Zusätzlich wird die Räumung des Wasserweges von Minen gedrillt und der Kampf gegen iranische Kampfflieger, Kriegsschiffe und Raketensysteme eingeübt.

Kampf um die Strasse von Hormuz

Das Aufgebot des internationalen Flottenverbandes ist eindrücklich: Die USA sind gleich mit drei Trägerverbänden am Manöver beteiligt. Jeder Verband umfasst nebst einem Dutzend Kampf- und Versorgungsschiffen einen Flugzeugträger der Nimitz-Klasse, deren jeweilige Anzahl Kampfjets alleine schon die Flotte der iranischen Luftwaffe übertrumpft. Grossbritannien seinerseits ist mit dem hochmodernen Zerstörer HMS Diamond sowie mit Minenräumern und einem Versorgungsschiff vor Ort.

Die westlichen Staaten sind überzeugt, dass der Iran mit dem Verminen der Strasse von Hormuz auf einen Angriff reagieren würde. Eine Blockade der Meerenge, so der «Telegraph», hätte verheerende Auswirkungen auf die Wirtschaft in Europa, den USA und Japan, zumal man in diesen Gefilden stark vom Öl aus der Golfregion abhängig ist. Durch die an ihrer engsten Stelle rund 50 Kilometer breite Meerenge werden täglich geschätzte 18 Millionen Barrel Öl verschoben; rund 35 Prozent der weltweiten Ölmengen, die auf den Ozeanen transportiert werden.

Quellen aus dem britischen Verteidigungsministerium sagten gegenüber dem «Telegraph», man gehe davon aus, der Iran werde im Falle eines Krieges versuchen, Schlüsselstellen im Persischen Golf zu verminen und Kriegsschiffe direkt anzugreifen. Zwar stünden Teherans Streitkräfte technisch weit hinter den westlichen Armeen, dennoch müsse man mit ernsthaften Angriffen auf amerikanische und britische Schiffe rechnen. Es gehe eine erhebliche Gefahr von Klein-U-Booten, wendigen Schnellbooten und Abwehrraketen vom Land aus.

Kein Angriff während jüdischer Feiertage

Bereits einen Monat nach dem Manöver wird auch der Iran seine Muskeln spielen lassen. In der grössten Verteidigungsübung in der Geschichte der Islamischen Republik will Teheran die Antwort auf einen israelischen Luftangriff erproben.

Derweil hat ein israelischer Offizier eine Attacke auf den Iran in den kommenden Wochen als unwahrscheinlich bezeichnet. Laut der «Huffington Post» war Amos Gilad, Berater von Verteidigungsminister Ehud Barak, in einem TV-Interview gefragt worden, ob ein Angriff während der jüdischen Feiertage der kommenden Wochen infrage komme. Darauf antwortete der Offizier: «Ich schlage vor, dass wir hinter verschlossenen Türen lassen, was Israel machen wird und was nicht. In dem Masse, in welchem wir die Feiertage voraussagen können, werden sie vermutlich ruhig bleiben.»

Streit um die rote Linie

Im Atomstreit mit dem Iran ist die Frage nach einem möglichen Angriff vonseiten Israels seit Wochen das grosse Thema. Im Zug dieser Diskussion hat sich das Verhältnis zwischen den USA und Israel abgekühlt. Beide Länder lieferten sich mehrere Schlagabtausche über sogenannte rote Linien im Konflikt mit Teheran. US-Aussenministerin Hillary Clinton hatte sich dementsprechend geäussert und «Verhandlungen als den weitaus besten Ansatz» bezeichnet, den Iran von der Entwicklung von Atomwaffen abzuhalten.

Darauf reagierte Netanyahu mit Empörung. «Jene in der internationalen Gemeinschaft, die sich weigern, dem Iran rote Linien zu ziehen, haben kein moralisches Recht, Israel rotes Licht (für einen Angriff auf den Iran) zu zeigen», sagte er.

Das Verhältnis zwischen Netanyahu und Obama gilt seit langem als gespannt. Netanyahu befürchtet einen zweiten Holocaust, sollte der Iran, der Israel mit Vernichtung droht, Atomwaffen erlangen. Nur wenn sich Israel sicher sein könne, dass Amerika den Iran auch später noch militärisch stoppen werde, könne es von einem baldigen Angriff absehen, spekulierten israelische Medien. (kpn)

Erstellt: 16.09.2012, 20:54 Uhr

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