USA verlieren ihre «Bodentruppen» in Syrien

Die islamistische Al-Nusra-Front hat am Wochenende die moderaten Rebellen im Norden Syriens überrollt. Diese erheben schwere Vorwürfe gegen die USA.

Wurde inzwischen aus seiner Heimat vertrieben: Rebellenführer Jamal Maarouf kündigt in einer Videobotschaft an, sich gegen die Al-Nusra-Front zu wenden. (Eretz Zen/Youtube)


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Während die Welt gebannt den Kampf um die syrische Kurdenstadt Kobane verfolgt, haben islamistische Kämpfer im Norden Syriens zwei Rebellenhochburgen eingenommen. Die Niederlagen der beiden moderaten Rebellengruppen stellen die amerikanische Strategie infrage, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien mithilfe von Verbündeten am Boden zu besiegen, denn nun halten die verschiedenen Fraktionen der Freien Syrischen Armee (FSA) und die weiteren moderaten Rebellengruppen kaum mehr Gebiete im Norden Syriens. Vertreter der Rebellen werfen den USA vor, sie hätten ihre Hilferufe missachtet.

Gegen die Rebellen vorgestossen ist laut Aktivisten die mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbündete islamistische Al-Nusra-Front. Am Samstag vertrieb sie zunächst die moderate Syrische Revolutionsfront aus Jabal al-Zawiya, einer Gruppe von Bergdörfern, die der proamerikanische Rebellenführer Jamal Maarouf laut der «Washington Post» mit seiner 30'000 Mann starken Miliz seit 2012 unter Kontrolle hielt. Offenbar liefen zahlreiche Angehörige der Miliz zur Al-Nusra-Front über. Maarouf sagte in einer Videobotschaft, er sei mit jenen Männern, die nicht übergelaufen seien, geflohen.

Rebellen flüchteten kampflos

In der Nacht zum Sonntag schlug die Al-Nusra-Front zum zweiten Mal zu und brachte das ausserhalb des Dorfes Khan Subbul liegende Hauptquartier der Harakat Kazm unter ihre Kontrolle. Die zur FSA gehörende Rebellengruppe war im Besitz von panzerbrechenden Raketen, mit denen sie von der CIA ausgerüstet worden war. Anwohner berichteten laut der «Washington Post», die Rebellen hätten kampflos die Flucht ergriffen und ihre Waffen zurückgelassen.

Vertreter der beiden Rebellengruppen erheben schwere Vorwürfe gegen die USA. «Wir glaubten, die USA würden uns helfen», sagte ein Sprecher der Revolutionsfront dem «Guardian». «Sie haben uns aber nicht nur im Stich gelassen, sondern stattdessen auch noch dem Tyrannen Bashar geholfen.» Wie die britische Tageszeitung weiter schreibt, soll die Revolutionsfront die USA seit Freitag um Unterstützung gebeten haben, doch seien die Hilferufe ungehört verhallt.

Al-Nusra wechselt Seiten

Dass sich die USA dem Vormarsch der Al-Nusra-Front nicht entgegenstellten, empfinden die Rebellen als besonders bitter, da sie glauben, dass die amerikanischen Streitkräfte den Vormarsch selber provoziert hätten, indem sie bei den ersten Wellen von Luftschlägen in Syrien nicht nur die IS-Miliz, sondern auch die Al-Nusra-Front angriffen und mehr als fünfzig ihrer Mitglieder töteten.

Der amerikanische Angriff brachte, so die Ansicht der Rebellen, sowohl die Kämpfer der Al-Nusra-Front selber wie auch die lokale Bevölkerung gegen die moderaten Rebellen auf. Während die Al-Nusra-Front und moderate Rebellen zeitweise gemeinsam gegen die IS-Miliz gekämpft haben, scheinen sich die Verhältnisse gekehrt zu haben: Laut dem «Guardian» soll die Al-Nusra-Front inzwischen auf gemeine Operationen mit den IS-Kämpfern setzen.

Assad als valabler Partner?

Besonders verärgert sind die moderaten Rebellen zudem, weil der syrische Präsident Bashar al-Assad im Schatten der Auseinandersetzung mit den Islamisten weiter gnadenlos gegen die Rebellen vorgeht. In den letzten vierzehn Tagen warf die syrische Armee nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 401 verheerende Fassbomben über von Rebellen beherrschten Gebieten ab.

Mit den jüngsten Ereignissen dürfte ein koordiniertes Vorgehen der moderaten Rebellen und der US-Luftwaffe gegen die Islamisten weiter auf sich warten lassen. Damit bleibt unklar, wie die von den USA angeführte Koalition die IS-Miliz in Syrien letztlich besiegen will. Die deutsche «Welt» schrieb unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten EU-Diplomaten, in westlichen Diplomatenkreisen werde Bashar al-Assad inzwischen bereits wieder als valabler Partner im Kampf gegen die Jihadisten gehandelt. (mw)

Erstellt: 03.11.2014, 11:25 Uhr

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