Untersuchung wegen Minen-Massaker

Am Donnerstag sind in Südafrika bei einem der schlimmsten Fälle von Polizeigewalt seit der Apartheid 34 streikende Arbeiter getötet worden. Die Polizei hat nun Ermittlungen aufgenommen.

Will eine Untersuchung des Falles: Der südafrikanische Präsident Jacob Zuma bei einem Besuch eines Verletzten Arbeiters in Rustenburg. (17. August 2012)

Will eine Untersuchung des Falles: Der südafrikanische Präsident Jacob Zuma bei einem Besuch eines Verletzten Arbeiters in Rustenburg. (17. August 2012) Bild: Reuters

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Nach den tödlichen Ausschreitungen vor einer Platinmine in Südafrika haben interne Polizeiermittler ihre Arbeit aufgenommen. Die Experten seien heute Samstag in der Grube von Marikana eingetroffen, teilte die Dienstaufsichtsbehörde mit.

Dort waren am Donnerstag bei Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und streikenden Arbeitern 34 Menschen getötet worden. Aufgabe der Ermittler sei es zu klären, ob der Polizeieinsatz im Verhältnis zu der Bedrohung durch die Bergarbeiter gestanden habe, so die Aufsichtsbehörde.

Bewaffnete Arbeiter versammeln sich

Der Ort der Ausschreitungen war weiter unter Kontrolle der Polizei. Allerdings waren nach Angaben von Augenzeugen weitaus weniger gepanzerte Einsatzfahrzeuge im Einsatz als am Vortag.

Einige hundert Meter entfernt versammelten sich Arbeiter der Mine, viele von ihnen waren mit Holzstöcken und Eisenstangen bewaffnet. Die Lage blieb zunächst ruhig. Ein Polizeihelikopter überflog den Ort.

Präsident Jacob Zuma hatte bei einem Besuch der Mine am Freitag die Einrichtung einer Untersuchungskommission angekündigt. Nach Polizeiangaben hatten die Streikenden ein Ultimatum des Bergwerkbetreibers zurückgewiesen, der ihnen im Falle der Fortsetzung des Streiks mit Entlassung drohte.

Die Polizei eröffnete nach eigenen Angaben «in legitimer Selbstverteidigung» das Feuer auf eine Gruppe von Arbeitern, als diese sie mit Schusswaffen angriffen.

Minenbetreiber verspricht Unterstützung

Der Betreiber der Platinmine sagte den Familien der getöteten Bergleute finanzielle Unterstützung zu. Das britisch-südafrikanische Unternehmen Lonmin PLC versprach, den Kindern der Opfer die Schulausbildung zu bezahlen.

Der Konzern habe auch einen Informationsschalter im Andrew Saffy Hospital eingerichtet, hiess es. Dort soll den Familien geholfen werden, die Leichen zu identifizieren und die Beerdigungen zu arrangieren. Ausserdem werden die Angehörigen psychologisch betreut. Die Firma sprach den Betroffenen ihr tiefes Beileid aus.

34 streikende Minenarbeiter getötet

In einem der schlimmsten Fälle von Polizeigewalt seit dem Ende der Apartheid hatten Sicherheitskräfte am Donnerstag 34 streikende Minenarbeiter getötet und 78 weitere verletzt. Die Beamten hätten sich selbst geschützt, nachdem bewaffnete Arbeiter sie mit gefährlichen Waffen angegriffen hätten, sagte Polizeichefin Mangwashi, Victoria Phiyega, gestern. Auf Videoaufnahmen sah es hingegen nicht nach einem Angriff seitens der Protestierenden aus. Die Minenarbeiter demonstrieren seit Tagen für höhere Löhne.

Mindestens zehn weitere Menschen kamen während des Arbeitskampfs bereits ums Leben. Zwei Polizisten wurden von Streikenden totgeschlagen und zwei Wachleute der Mine verbrannten, als die protestierenden Arbeiter deren Fahrzeug anzündeten.

Zuma reiste von einem regionalen Gipfeltreffen zurück nach Südafrika. Sein Büro erklärte, der Präsident werde verletzte Bergleute in einem Krankenhaus besuchen.

Tausende im Streik

Warum die Gewalt am Donnerstag eskalierte, war zunächst unklar. In einem Bericht des privaten Fernsehsenders e.tv waren Dutzende Schüsse aus automatischen Waffen zu hören, bis ein Beamter rief: «Feuer einstellen.» Zuvor hatte die Polizei die Streikenden aufgefordert, ihre Waffen – darunter Macheten und Knüppel – niederzulegen. Als die Arbeiter die Aufforderung ignorierten, setzte die Polizei zunächst Wasserwerfer, Blendgranaten und Tränengas ein. Wenig später fielen Schüsse.

Seit dem 10. August streiken rund 3000 Arbeiter der Mine Marikana 70 Kilometer nordwestlich von Johannesburg. Minenbetreiber Lonmin, der weltweit drittgrösste Platinproduzent, stuft den Streik als illegal ein. (ses/dapd)

Erstellt: 18.08.2012, 07:16 Uhr

Spurensicherung auf dem Gelände der Platinmine Marikana im Nordwesten von Südafrika. (Video: Reuters )

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Gewalt bei südafrikanischer Platinmine

Gewalt bei südafrikanischer Platinmine Bei Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und streikenden Arbeitern einer südafrikanischen Platinmine sind mehr als 30 Menschen getötet worden.

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