Vor vielen Wahllokalen in Teheran bildeten sich Schlangen

Bei der Präsidentenwahl im Iran zeichnet sich eine grössere Beteiligung ab als erwartet. 60'000 Wahllokale stehen im ganzen Land offen. Zu Beginn schritt gleich Ayatollah Khamenei zur Urne.

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Trotz zahlreicher Boykottaufrufe zeichnet sich bei der iranischen Präsidentenwahl eine hohe Wahlbeteiligung ab. Vor vielen Wahllokalen in der Hauptstadt Teheran und anderen Grossstädten bildeten sich lange Schlangen. Zur Stimmabgabe aufgerufen waren knapp 50 Millionen wahlberechtigte Bürger. Sechs Kandidaten treten an, um Nachfolger von Mahmoud Ahmadinejad zu werden, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren darf.

Ergebnisse sollen am Samstag veröffentlicht werden. Sollte keiner der Kandidaten auf Anhieb eine absolute Mehrheit erreichen, findet am 21. Juni eine Stichwahl zwischen den beiden Erstplatzierten statt.

Alle 30 Frauen von der Liste gestrichen

Ursprünglich hatten sich 686 Kandidaten registrieren lassen. Doch wurden alle bis auf sechs vom Wächterrat der Islamischen Republik vorab aussortiert. Das Gremium mit zwölf islamischen Rechtsgelehrten überwacht die Einhaltung der Verfassung und prüft zudem alle Kandidaten auf ihre Gottesfürchtigkeit hin. Als erstes hatte der Wächterrat alle 30 Frauen von der Liste gestrichen.

Als einer der aussichtsreichsten Kandidaten, die im Rennen bleiben durften, gilt der als gemässigt geltende Hassan Ruhani. Der 64-jährige Ex-Chefunterhändler für das umstrittene iranische Atomprogramm hatte mehrmals öffentlich Ahmadinejad wegen dessen radikaler Äusserungen kritisiert. Einer seiner prominenten Unterstützer, der von der Kandidatur ausgeschlossene frühere Präsident Akbar Haschemi Rafsanjani, hatte seine Landsleute zur Stimmabgabe aufgerufen - offenbar um Ruhani zu stützen.

Konsenskandidat im Rennen

Ruhani ist dennoch kein radikaler Aussenseiter: Er hat unter anderem den einflussreichen höchsten Nationalen Sicherheitsrat geleitet. Aber Ruhani gilt als Befürworter eines weniger konfrontativen Kurses gegenüber dem Westen und würde derzeit an die Seitenlinien verbannten Reformern wie Rafsanjani und Ex-Präsident Mohammed Chatami ein Forum bieten.

Viele reformorientierte Bürger hatten in den vergangenen Wochen erwogen, die Wahl aus Protest boykottieren. Dies könnte sich nun ändern, weil mit Ruhani ein Konsenskandidat aussichtsreich im Rennen liegt.

Die durchschnittliche Beteiligung bei den vergangenen zehn Wahlen lag bei mehr als 67 Prozent. 2009 hatte sie sogar bei rund 85 Prozent gelegen. Damals hatte sich eine breite Protestbewegung erhoben und einen Wahlbetrug zugunsten Ahmadinejads angeprangert. Die islamische Führung liess die Massendemonstrationen aber brutal niederschlagen.

«Ok, zur Hölle mit ihm»

Der geistliche Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, wies auch Kritik des Westens an der diesjährigen Wahl zurück. Zu Bemerkungen eines US-Diplomaten, die Wahl sei undemokratisch und werde daher nicht anerkannt, sagte er laut dem Staatsfernsehen nach seiner Stimmabgabe: «Ok, zur Hölle mit ihm.»

Die Sprecherin des US-Aussenministeriums, Jen Psaki, sagte, aus US-Sicht sei der Wahlprozess nicht transparent. Dennoch ermutige man das iranische Volk zum Urnengang.

Viele Iraner wollen jenseits aller Ideologie vor allem einen Präsidenten, der die schwer von westlichen Sanktionen getroffene Wirtschaft stabilisieren könnte. Davon könnte der konservative Teheraner Bürgermeister Mohammed Bagher Ghalibaf profitieren, dem finanz- und wirtschaftspolitische Kompetenz nachgesagt wird. Auch alle übrigen von den Wahlaufsehern zugelassenen Kandidaten sind mehrheitlich Vertreter des Establishment, allen voran der Hardliner Said Dschalili, der derzeitige Atomunterhändler.

Erstellt: 14.06.2013, 07:33 Uhr

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