Warum Trump keinen Krieg gegen den Iran will

Die Angriffe auf Ölanlagen in Saudiarabien verstärken die Sorge vor einer militärischen Eskalation im Nahen Osten. Ist sie aber auch begründet?

«Ich möchte mit niemandem Krieg»: Präsident Donald Trump – hier bei einer Rede vor Angehörigen der US-Luftwaffe.

«Ich möchte mit niemandem Krieg»: Präsident Donald Trump – hier bei einer Rede vor Angehörigen der US-Luftwaffe. Bild: Reuters

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US-Präsident Donald Trump droht dem Iran. Nach den Angriffen auf die saudischen Ölanlagen seien die USA bereit, militärisch zurückzuschlagen. Gleichzeitig sagt Trump: «Ich möchte mit niemandem Krieg.» Und das darf man ihm glauben. Denn es gibt einige Gründe, die gegen ein militärisches Vorgehen der USA gegen den Iran sprechen:

  • Trump verfolgt zwar eine aggressive Aussenpolitik. Was Kriegseinsätze angeht, ist er aber zurückhaltend. Auch deshalb entliess er den nationalen Sicherheitsberater John Bolton, der als Kriegstreiber galt. Eines der wichtigsten Wahlversprechen von Trump war die Beendigung der Kriege, die das US-Militär seit Jahren im Nahen Osten und in Afghanistan führt. Die Amerikaner sind längst kriegsmüde. Würde Trump einen Krieg gegen den Iran lostreten, würde dies in den USA auf Unverständnis stossen.
  • Die US-Regierung kann nicht davon ausgehen, dass sie mit begrenzten Militärschlägen gegen den Iran einen raschen Erfolg erzielen wird. Angriffe der USA würden die Iraner erst recht zusammenschweissen und ihren Widerstandswillen stärken. Vielmehr droht in der ohnehin unruhigen Golfregion eine Eskalation, die einen Flächenbrand auslösen könnte. Auf Angriffe der USA könnte der Iran mit Vergeltungsschlägen gegen die US-Verbündeten Saudiarabien und Israel reagieren. Der Krieg würde den ganzen Nahen und Mittleren Osten erfassen. Auch für die USA wäre die Verwicklung in einen langen, blutigen Konflikt ein Albtraumszenario.
  • US-Präsident Trump betont, dass der Angriff auf die saudischen Ölanlagen nicht den USA gegolten habe, sondern Saudiarabien. Daraus lässt sich folgern, dass die USA keinen Anlass für eine direkte militärische Konfrontation mit dem Iran haben. Sie überlassen das ihrem Verbündeten Saudiarabien, werden ihn aber unterstützen.
  • Ein Krieg zwischen den USA und dem Iran in der Golfregion ist das Letzte, was die Weltwirtschaft brauchen kann. Die wachsenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran versetzen Anleger weltweit in Unruhe. Viele Ökonomen warnen jetzt schon: Bei einem langfristigen Ölpreisanstieg droht eine Rezession. Die gravierenden Folgen für die Weltwirtschaft hätten natürlich auch negative Folgen für die Volkswirtschaft der USA. Im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen 2020 braucht Trump eine gut laufende Wirtschaft, um seine Wiederwahlchancen zu erhöhen.

USA und Iran: Beide Seiten wollen keinen Krieg, weil sie diesen nicht gewinnen können und weil es nichts zu gewinnen gibt. Der amerikanische Präsident, der wiedergewählt werden will, kann keinen Krieg wollen, der nur Tote, US-Opfer im schlimmsten Fall, und wirtschaftliche Probleme bringt. Das heisst allerdings nicht, dass ein Krieg zwischen den USA und dem Iran ausgeschlossen werden kann. Missverständnisse und Fehler, eine Verkettung unglücklicher Umstände – und schon kann ein Krieg beginnen.


Podcast «USA: Entscheidung 2020»

Hören Sie sich die neuste Folge des Podcasts «Entscheidung 2020» an mit USA-Korrespondent Alan Cassidy und Redaktor Philipp Loser.


Erstellt: 17.09.2019, 19:29 Uhr

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