Hintergrund

Was kommt nach Assad?

Nach dem Anschlag in seinem innersten Machtzirkel scheinen Bashar al-Assads Tage gezählt. Wer danach die Macht übernehmen kann, ist unklar. Die Opposition ist zerstritten und unorganisiert.

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Die Szenen, die sich an einem Treffen von syrischen Oppositionellen am 2. Juli in Kairo abspielten, lassen nichts Gutes erahnen: Delegierte verprügelten einander und beschimpften sich derart wüst, dass Frauen im Saal zu weinen begannen. Zerstritten und unorganisiert, so präsentierte sich die Opposition. Wer nach einem Sturz Bashar al-Assads die Geschicke Syriens lenken könnte, ist unklar.

Da sind zum einen die bewaffneten Mitglieder der Freien Syrischen Armee (FSA), auf deren Konto der Anschlag auf Assads Vertraute am Mittwoch gehen soll. Der Anschlag sei «der Anfang vom Ende des Regimes», so der Anführer der FSA Riad al-Asaad. Die FSA ist laut eigenen Angaben 30'000 Mann stark. Sie wurde im Juli vor einem Jahr gegründet, nachdem hochrangige Militärs von Assad zur Opposition übergelaufen waren. In ihren Reihen hat die FSA sowohl Armeeangehörige wie bewaffnete Zivilsten, die eine Schnellbleiche in Guerilla-Kriegsführung erhielten.

Nationalrat werde überbewertet

Die FSA einigte sich im Dezember 2011 mit dem Syrischen Nationalrat (SNC) darauf, einen «direkten Kommunikationskanal» zu errichten zwecks effizienter Zusammenarbeit. Der SNC war im Oktober 2011 als Dachorganisation diverser Oppositioneller gegründet worden. Laut eigenen Angaben vertritt der SNC, dessen Sitz sich in Istanbul befindet, 60 Prozent der syrischen Oppositionellen. Dazu zählen die in Syrien verbotene Muslimbrüderschaft sowie Minderheiten wie Kurden und Christen. Die meisten Mitglieder des SNC sind Exil-Syrer, so auch der Anführer Abdel Baset Seida, ein Kurde, der in Schweden lebt.

Der Einfluss des SNC und der FSA werde «völlig überbewertet», kritisieren Aktivisten. Es seien Leute auf der Strasse, welche die Protestbewegung am Leben hielten, nicht ein paar Exil-Syrer in London oder in Paris. Die Aktivisten haben sich in kleineren oder grösseren Gruppen organisiert, wie etwa die Lokalen Koordinationskomitees (LCC). Es sind die Aktivisten, die unter Lebensgefahr Videos drehen und sie aufs Netz stellen, um auf die aktuelle Situation aufmerksam zu machen.

Vom Westen beeinflusst

Kritik am SNC übt auch das Nationale Koordinationskomitee für demokratischen Wandel (NCC), das stärker in Syrien verankert ist und dem 13 linke und drei kurdische Parteien angehören. Der Anführer des NCC, Hassan Abdul Azim wirft dem SNC vor, vom Westen beeinflusst zu sein. Tatsächlich ist das Ansehen des SNC im Westen weit grösser als in Syrien.

Laut einem Bericht des Washingtoner Institute for the Study of War werde die Zukunft des Landes stark davon abhängen, wie die bewaffneten Gruppen mit den politischen Köpfen der Opposition zusammenarbeiten werden. «Allerdings hat das Versagen der politischen Opposition, eine einige und gangbare Alternative zum Assad-Regime zu präsentieren, eine bedeutende Kooperation zwischen dem bewaffneten Widerstand und der politischen Opposition verhindert», steht im Bericht.

Erstellt: 21.07.2012, 09:18 Uhr

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