Was wollen die Katarer in Syrien?

Katar ist ein enger Verbündeter der USA und unterstützt die syrische Opposition im Kampf gegen Assad. Doch die Eigeninteressen des Emirats würden immer offensichtlicher, monieren die Rebellen.

Den Rücken zugekehrt: Der Emir von Katar, Scheich Hamad Bin Chalifa al-Thani (rechts) unterstützt die Rebellen im Kampf gegen Assad – im Bild bei einem Staatsbesuch in Damaskus.

Den Rücken zugekehrt: Der Emir von Katar, Scheich Hamad Bin Chalifa al-Thani (rechts) unterstützt die Rebellen im Kampf gegen Assad – im Bild bei einem Staatsbesuch in Damaskus. Bild: Reuters

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Abu Siad sitzt in einer der vom Bürgerkrieg zerstörten Vorstädte der Hauptstadt Damaskus und schimpft. Dem Rebellenkommandeur fehlt Munition für seine Leute im Kampf gegen Präsident Baschar al-Assad. Auf die von Teilen der Opposition gefeierten Katarer ist er nicht gut zu sprechen. Der reiche Golfstaat unterstütze vor allem radikalere islamistische Gruppen. Für seine kleinere, nationalistische Brigade gebe es nichts, klagt er.

Der kleine Golfstaat Katar ist ein enger Verbündeter der USA. Im syrischen Bürgerkrieg, dem in den gut zwei Jahren seit Beginn mehr als 70'000 Menschen zum Opfer gefallen sind, ist er inzwischen der grosszügigste internationale Unterstützer des Aufstandes gegen Assad geworden. Das rechnen ihm viele Rebellen hoch an, sehen sie sich doch sonst von der internationalen Gemeinschaft alleingelassen.

«Sie beuten die syrische Revolution aus»

Doch die Rolle Katars sorgt mittlerweile auch für Spannungen in den Reihen der hochgradig zersplitterten Rebellengruppen. Einige – wie die Kämpfer von Abu Siad – fühlen sich vernachlässigt und fragen sich, ob sich Katar mit seiner Unterstützung Einfluss bei den islamistischen Gruppen sichern will, wenn das Assad-Regime fällt.

«Katar arbeitet daran, einen islamistischen Staat in Syrien zu etablieren», ist sich Abu Siad sicher. «Mit ihrem Geld beuten die Katarer, aber auch andere Staaten, die syrische Revolution aus – jeder zu seinem Vorteil», sagt er.

Katar ist nicht das einzige Land in der Region, dass die Rebellen unterstützt – auch wenn kein Land bislang das Ausmass seiner Unterstützung offen gelegt hat. Militärische Hilfe in Form von Waffen gibt es nach Informationen der Nachrichtenagentur Associated Press nicht nur aus Katar, sondern auch aus Jordanien, Saudiarabien und der Türkei.

Auch in Libyen und Ägypten dabei

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Katar militärisch in der Region engagiert. Das Emirat gehörte zu den wenigen arabischen Staaten, die aktive militärische Unterstützung bei den Nato-geführten Luftangriffen auf den gestürzten libyschen Machthaber Muammar Gaddafi und sein Regime anboten. In Ägypten unterstützte das Land Präsident Mohammed Mursi, einen Veteran der konservativen Muslimbrüderschaft.

In der syrischen Opposition gibt es Stimmen, die beklagen, dass die grösste Dachorganisation, die Syrische Nationale Koalition, von Fundamentalisten der Muslimbrüderschaft dominiert werde – und diese würden von Katar finanziert.

Dass man jetzt auch in Syrien Einfluss gewinnen wolle, dementieren katarische Offizielle. Ministerpräsident Hamad bin Jassim Al Thani erklärte, sein Land suche keine Rolle für sich selbst. «Wir suchen ein gesamtarabische Rolle.»

Spannungen führen zu Rückschlägen

Die Mehrheit der Rebellengruppen in Syrien hat religiöse Tendenzen, viele von ihnen treten dafür ein, dass in einem Syrien nach Assad islamisches Recht herrscht. Die Unterstützung aus Katar geht offenbar nicht zu den radikalsten und ultrakonservativen Kräften, von denen einige Verbindungen zur al-Qaida haben. Aber offensichtlich liegen die Sympathien weniger bei säkularen, sondern eher bei konservativ-religiösen Gruppen.

Diverse Vertreter der Rebellen klagen, dass die islamistischen Rebellen den Grossteil der Waffen aus Katar erhalten. Das führt zu Spannungen. Abu Siad erklärt, dass Spannungen und unterschiedliche Loyalitäten unter den Rebellen auch zu Rückschlägen bei den Kämpfen gegen die Regierungstruppen geführt hätten.

Als Beispiel verweist er auf die Lage in Jobar, einen Bezirk im nordöstlichen Zipfel von Damaskus mit entscheidender strategischer Bedeutung. Hier liefern sich Rebellen und Regierungstruppen schon seit Wochen Kämpfe, ohne dass die Regierungsgegner entscheidend vorangekommen wären.

«Katar hat so etwas wie ein Image-Problem bei vielen Rebellen im Feld», resümiert Salman Schaich, Direktor des Brookings Doha Zentrum in Katar. «Es macht schon beinahe zu viel Druck – und das nährt die Zweifel an den wahren Zielen des Landes.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.04.2013, 00:06 Uhr

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