Wenn sich Terroristen verbrüdern

«In Zeiten der Not und des Erfolgs»: Die nigerianische Boko Haram schwört in einer Audio-Botschaft dem Islamischen Staat die Gefolgschaft. Eine Allianz der Jihadisten.

Treueeid: Der Chef von Boko Haram, Abubakar Shekau, spricht in die Kamera. (12. Mai 2014)

Treueeid: Der Chef von Boko Haram, Abubakar Shekau, spricht in die Kamera. (12. Mai 2014) Bild: Keystone

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Die islamisch-fundamentalistische Sekte Boko Haram in Nigeria will sich der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) anschliessen. In einem Internet-Video wird dem IS-Anführer und selbst ernannten Kalifen Abu Bakr al-Bagdadi Gefolgschaft geschworen – «in Zeiten der Not und des Erfolgs».

Die Worte werden Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau zugeschrieben. «Wir rufen Moslems in aller Welt dazu auf, dem Kalifen Gehorsam zu geloben», heisst es in der Ansprache. Sie wird in arabischer Sprache und in englischer und französischer Übersetzung verbreitet.

Zahlreiche Anschläge in Westafrika

Die radikale Sunniten-Gruppe Boko Haram hat in den vergangenen sechs Jahren Tausende von Menschen in Nigeria, Tschad, Kamerun und Niger getötet. Im April vergangenen Jahres hatte sie 200 Mädchen aus einer Schule entführt, von denen bis heute jede Spur fehlt.

In der Stadt Maiduguri im Nordosten des Landes waren erst am Samstag bei vier Bombenanschlägen mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen und etwa 150 weitere Menschen wurden verletzt. Es wird vermutet, dass Boko Haram hinter den Anschlägen steckt.

Ideologische Annäherung

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International zählt neben dem IS vor allem Boko Haram sowie die Al-Shabaab in Somalia weltweit zu den grössten Bedrohungen für die Menschenrechte. IS und Boko Haram hatten sich in den letzten Monaten ideologisch und in ihrer Propaganda angenähert. Experten gehen davon aus, dass sich Boko Haram ein Vorbild an der Schreckensherrschaft der Jihadisten in Syrien und im Irak nimmt.

Die Berichte über Massenhinrichtungen von Andersgläubigen, zu Propagandazwecken gefilmte Enthauptungen und versklavte Mädchen und Frauen gleichen sich. Bereits im August hatten die Extremisten in den von ihnen kontrollierten Gebiete im Norden Nigerias ein Kalifat ausgerufen, so wie es der IS im Nahen Osten getan hatte.

Die nigerianische Regierung sprach von einer schlechten, aber absehbaren Entwicklung. Sie rief die internationale Gemeinschaft zu einer grösseren Unterstützung im Kampf gegen Boko Haram auf. «Hoffentlich wacht die Welt nun auf und erkennt die Katastrophe, die sich hier abspielt», sagte er.

«Wichtiger Arm des IS»

US-Medien hatten im Februar unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, dass Emissäre des IS nach Nigeria gereist seien, um über eine Allianz mit Boko Haram zu verhandeln. Die nigerianische Gruppe soll auch Kontakte zu nordafrikanischen Al-Kaida-Ablegern haben.

«Boko Haram steigt nun auf von einer lokalen Jihadistengruppe zu einem wichtigen Arm des Islamischen Staat», sagte Terrorismusexpertin Rita Katz von der SITE Intelligence Group. «Mit Boko Harams grossem Netzwerk in Nordafrika macht der Islamische Staat Fortschritte in seinem Bemühen, ein islamisches Kalifat zu errichten.»

In Afghanistan, Pakistan und Nordafrika haben sich bereits mehrere Dschihadistengruppen mit IS verbündet. Die Extremistenmiliz hat weite Teile Syriens und des benachbarten Irak unter ihre Kontrolle gebracht. (pst/AFP)

Erstellt: 07.03.2015, 22:55 Uhr

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