Wer setzt sich durch?

Katar, der Zwergstaat und WM-2022-Veranstalter ist schwerreich – doch seine politische Lage ist ungemütlich.

Sie besitzen die Macht des Geldes: Vertreter von Katars Elite vor einem Modell des Al-Khor-Stadions. Foto: Reuters

Sie besitzen die Macht des Geldes: Vertreter von Katars Elite vor einem Modell des Al-Khor-Stadions. Foto: Reuters

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Vielleicht hat das Unbehagen gegenüber dem Zwergstaat Katar ja mit dem Gruseln vor dem Kapitalismus zu tun – vor der schieren Macht des Geldes. Die Katarer haben das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Welt. Und sie demonstrieren ihre Potenz ohne Scheu. Modehäuser, Kaufhäuser, Kunst, Fussballclubs, Anteile an Porsche, Tiffany und der Deutschen Bank: Sie kaufen alles.

Gleichzeitig spendieren die Katarer den Palästinensern im Gazastreifen (also der islamistischen Hamas) neue Häuser. Sie erreichen (finanzieren?) die Freilassung amerikanischer Geiseln aus der Hand syrischer Jihadisten. Aber sie unterstützen auch Extremisten in Syrien. Katar ist im Westen der Inbegriff eines undurchsichtigen, masslosen arabischen Staats. Dass er sich auch die Fussballweltmeisterschaft im Jahr 2022 gekauft haben soll, klang fast logisch.

Noch vor zwei Jahren galten die Katarer als ambitionierte Newcomer, die mitgeholfen hatten, Libyens Gaddafi wegzubomben. Ja, sie galten als Ausnahme am Golf: lernwillig, aber wertebewusst, auf Nachhaltigkeit bedacht, aber entwicklungsfähig, anschlussfähig für den Westen und die arabische Welt. Und die Fussball-WM sollte diese Entwicklung weiter befördern. Inzwischen aber hat es sich Katar nicht nur mit dem Westen verdorben, sondern auch die Schwergewichte der Region gegen sich aufgebracht. Länder wie Saudiarabien haben ihre Botschafter abgezogen, der Golfkooperationsrat ist gespalten. Ägypten hat seine Teilnahme an der Schwimmweltmeisterschaft in der katarischen Hauptstadt Doha abgesagt.

Nicht ohne die Araber

Nur die Fifa hält zu Katar. Sie stellt sich auf den Standpunkt: Es gab bei der WM-Vergabe keine nennenswerten Unregelmässigkeiten. Also gibt es keinen Grund, die WM am Golf zu überdenken. Nur Stunden zuvor hatte Amnesty International kritisiert, dass Katar nur sehr wenig unternimmt, um die lebensgefährliche Schinderei von Arbeitern aus Nepal oder Vietnam zu mildern: Vor allem das Kafala-System, eine Art Leibeigenschaft auf Zeit, bestehe weiterhin.

Das Kafala-System gilt auch in anderen Golfstaaten, Menschenrechte werden in der ganzen Region mit Füssen getreten, Korruption ist epidemisch. Katars Konflikte mit den Nachbarn haben folglich nichts mit Fussball zu tun und nur wenig mit Ideologie, aber viel mit der neuen Machtverteilung in der Region.

Ägypten hat Katar nicht verziehen, dass es die inzwischen gestürzten Muslimbrüder unterstützt hatte. Inzwischen hat Katar vorsichtig eingelenkt und einige Muslimbrüder sanft vor die Tür gesetzt. In Libyen dauert die Konfrontation freilich an. Hier unterstützen Ägypten und die Emirate einen Ex-General, der die Islamisten vernichten will, während Katar zu den Religiösen hält. Im Kern geht es in Libyen wie in der ganzen postrevolutionären Region einzig um die Frage: Wer setzt sich durch?

So erbittert wie unlogisch ist deshalb die Konfrontation um Syrien. Katar, so die Kritik, habe die islamistischen Kämpfer gefördert, zumindest durch private Geldgeber. Nur: Das taten andere Golfstaaten auch.

Inzwischen ist öfter die Rede von einer arabischen Einigung, vielleicht sogar von einem Treffen des Golfkooperationsrates in Doha. Die Botschaft dahinter: Katar kann ohne den Westen leben. Aber nicht ohne Arabien.

Erstellt: 14.11.2014, 18:57 Uhr

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