«Wir haben getötet, wen wir töten konnten»

In der Elfenbeinküste folgt ein Massaker aufs andere. Zahlreiche Städte und Dörfer wurden zerstört. Ein Bericht aus der Stadt Duékoué.

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Noch ist unklar, wie viele Menschen bei Massakern im blutigen Machtkampf um das Präsidentenamt der Elfenbeinküste in der Stadt Duékoué im Westen des Landes ums Leben gekommen sind. Doch die Spuren der Gewalttaten sind nicht zu übersehen.

Fast sämtliche Häuser der 75'000-Einwohner-Stadt sind verbrannt, in den Ruinen liegen verkohlte Leichen, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die Strassen sind verlassen, zahlreiche Einwohner sind in die Wälder geflohen. «Wir wollen nicht nach Hause zurück, wir haben Angst», sagt einer von rund 4000 Menschen, die in einer von Uno- Truppen bewachten Kirche Schutz gesucht haben.

Die Ubi-Mission in der Elfenbeinküste spricht nach vorläufigen Untersuchungen von mindestens 330 Toten in der Stadt, die meisten von ihnen Opfer der Anhänger des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara.

Mehr als hundert Menschen sollen dagegen die Truppen des langjährigen Machthabers Laurent Gbagbo umgebracht haben, der sich seit den Wahlen vom November weigert, die Macht aufzugeben.

Bis zu 1000 Tote

Die Caritas gibt die Zahl der Toten und Vermissten innerhalb von drei Tagen sogar mit 1000 an. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz schliesslich hat allein am vergangenen Dienstag, als die Truppen Ouattaras in die Stadt eindrangen, rund 800 Tote gezählt.

Die meisten Einwohner der Stadt, die gut hundert Kilometer von der Grenze zu Liberia entfernt liegt, gehören zur Volksgruppe der Guéré, die als Anhänger von Gbagbo gelten. Ihr Verhältnis zu den Angehörigen anderer Ethnien sowie den Einwandern aus den benachbarten Staaten und Landesteilen ist gespannt.

Als sich Anfang der Woche die Truppen Ouattaras der Stadt näherten, gingen die Anhänger Gbagbos gewaltsam gegen ihre Gegner vor, berichten Einwohner. «Sie haben unsere Häuser angesteckt, unseren Besitz geplündert und sogar unsere Frauen vergewaltigt», sagt Kouadio Gao Hubert aus dem Vorort Niambi. 20 Menschen seien von den Gbagbo-Getreuen ermordet worden.

Vergeltung geübt

Als die Truppen Ouattaras am Dienstag die Stadt einnahmen, hätten sie sich dann gerächt. «Wir haben ihre Häuser angesteckt und getötet, wen wir töten konnten», sagt der Mann, ohne weitere Angaben zu den Zahlen ihrer Opfer zu machen.

«Vor unserer Ankunft hatten die Gbagbo-Anhänger die Fremden in ein Haus gebracht und wollten es gerade anzünden, als wir sie befreit haben», sagt ein Mann aus dem Umfeld der Ouattara-Truppen.

Daraufhin hätten sich die Leute aus dem Haus an jenen gerächt, die sie dort eingesperrt hatten. Es habe mindestens zwölf Tote gegeben, sagt der Mann. Ob die Truppen Ouattaras versuchten, den Rachefeldzug zu verhindern, sagt er nicht.

Weitere Massaker

Auch in den Städten und Dörfern rund um Duékoué sei es zu Gewalt gekommen, berichten Einwohner. Vor dem Eintreffen der Ouattara-Truppen sei «Massaker auf Massaker» gefolgt, sagt Kouadio Kouanté aus der Ortschaft Diahouin rund elf Kilometer von Duékoué.

Die Gbagbo-Getreuen hätten sie gejagt und sie seien in den Wald geflohen. «Es gab Tote, mindestens 40», sagt der Mann. Doch auch die Ouattara-Truppen verüben Verbrechen, wie mehrere Einwohner aus Duékoué berichten. «Wenn sie geflohene Milizionäre oder Söldner fangen, töten sie sie.» (miw/sda)

Erstellt: 03.04.2011, 21:36 Uhr

Kämpft für Präsident Ouattara: Soldat in der Nähe der Hauptstadt Abidjan. (Bild: Reuters )

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