«Wir wollen keine Atombombe. Und wir lieben die Deutschen»

Der iranische Präsident Ahmadinejad hat dem ZDF ein exklusives Interview gegeben. Dabei zeigte er sich uneinsichtig wie eh und je.

Viele Fragen, wenig Antworten: ZDF-Frontmann Claus Kleber im Gespräch mit Mahmoud Ahmadinejad.

Viele Fragen, wenig Antworten: ZDF-Frontmann Claus Kleber im Gespräch mit Mahmoud Ahmadinejad. Bild: screenshot / youtube

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Am Montagabend strahlte das ZDF ein rund 40-minütiges Interview aus, auf das der deutsche Sender zwei Jahre gewartet hatte. Für das Gespräch mit dem iranischen Präsidenten reiste ZDF-Frontmann Claus Kleber in den Iran, wo er Mahmoud Ahmadinejad gleich von Beginn weg mit einem heiklen Thema konfrontierte: der Kriegsdrohung Israels, falls der Iran sich weiterhin weigere, sein Atomprogramm offenzulegen. Worauf Ahmadinejad mit einer Gegenfrage auswich: «Zeigen die Zionisten Klarheit und Transparenz in ihrer Nuklearfrage?»

Von Klebers Erklärung, dass der Iran, als Mitglied des Atomwaffensperrvertrages (NPT) – im Gegensatz zu Israel – zur Offenlegung des Atomprogramms verpflichtet sei, liess sich der iranische Präsident nicht beeindrucken, sondern betonte lediglich, dass der Iran «prinzipiell gegen eine Atombombe sei». Atomwaffen seien unmenschlich und unmoralisch. Überhaupt sei die Zeit der Atombombe seit dem 2. Weltkrieg abgelaufen, wer so «etwas sucht, ist zurückgeblieben. In der Geschichte, in der Menschheit und in der Politik».

Der Holocaust – die Lüge Israels

Statt auf die von Kleber angesprochene aktuelle Nuklearproblematik einzugehen, setzte Ahmadinejad eine lange Tirade gegen die «Zionisten» und den «künstlichen Staat Israel» an, die einmal mehr in der Holocaust-Lüge gipfelte: «Die haben eine Geschichte mit dem Titel Holocaust gemacht und die Schäden, die Kosten müssen die Palästinenser tragen.» Kleber, der während des ganzen Interviews keine Miene verzog und stets die Ruhe bewahrte, ging nicht auf die Provokation Ahmadinejads ein, sondern lenkte das Gespräch wieder auf die Problematik der Atomfrage, jene «Frage, die die ganze Welt interessiert».

Schon seit längerem wird der Iran verdächtigt, heimlich an Nuklearwaffen zu arbeiten. Ein Vorwurf, den Ahmadinejad stets zurückgewiesen hat und auch im Gespräch mit Kleber vehement von sich wies. Allerdings, so räumte er ein, wenn «Ahmadinejad eine Bombe bauen will, wird er das bekannt geben, ohne Angst». Doch wenn der Iran sage, dass «wir keine Bombe bauen, dann bauen wir keine». Damit beendete der Präsident das Thema.

Während des gesamten Interviews versuchte Ahmadinejad mit Gegenfragen («Was würde Deutschland tun, wenn es angegriffen würde?», «Würde Deutschland ausländischen Inspektoren die Türen zu Angela Merkels Büro öffnen?») Claus Klebers sehr direkte Fragen zu umgehen. Was das Gespräch immer wieder bremste (Kleber: «Wir drehen uns im Kreis»). Ahmadinejad wirkte uneinsichtig und sah sich auch keinerlei Schuld bewusst in Sachen Nuklearkrise. «Mit Druckausübung wird die nukleare Frage Irans nicht gelöst. Man muss das Recht Irans respektieren.»

Wer entscheidet über Gut und Böse?

Auf die Frage nach der im Iran herrschenden Unterdrückung gab der Präsident ebenfalls keine konkrete Antwort, sondern drehte einmal mehr den Spiess um und wies auf Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern hin. «Werden Menschenrechte in Europa respektiert und eingehalten?» Menschenrechte seien ein globales Problem. Auch Deutschland, Frankreich und Grossbritannien würden die Menschrechte verletzen. In Europa würden bei Demonstrationen die Menschen mit Knüppeln niedergeschlagen, wer löse diese Probleme? Es sei nicht akzeptabel, dass sich die europäischen Politiker als Massstab für «Gut und Böse bezeichnen».

Gegen Ende des Interviews schlug Ahmadinejad schon fast pastorale Töne an. Das jetzige Welt-Management sei falsch, die Welt müsse mit «Liebe, mit Freundschaft, mit Gerechtigkeit» regiert werden. Doch dazu müssten alle Menschen respektiert werden. Mit Kolonialgebaren komme man nicht weiter, denn alle Menschen müssten vor dem Gesetz gleich sein. «Wir lieben alle Menschen. Und wir suchen keinen Krieg, gegen kein Land. Und wir wollen keine Atombombe.» Das Treffen beendete er mit den Worten: «Wir sind für den Dialog. Dialog ist immer besser als Konfrontation und Krieg. Das ist die Logik des iranischen Volkes. Und wir lieben die Deutschen.»

Erstellt: 20.03.2012, 11:55 Uhr

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