Zwei deutsche Soldaten sterben bei Helikopterabsturz in Mali

Erstmals seit zwei Jahren kommen bei einem Auslandeinsatz Bundeswehrsoldaten ums Leben. Die Unfallursache eines Kampfhelikopters in Mali ist noch unklar.

Eine deutsche Zeitung vermutet einen technischen Defekt als Absturzursache: Ein Tiger-Kampfhelikopter landet in einem Camp in Mali. (Archivbild)»

Eine deutsche Zeitung vermutet einen technischen Defekt als Absturzursache: Ein Tiger-Kampfhelikopter landet in einem Camp in Mali. (Archivbild)» Bild: Bundeswehr/Keystone

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Beim Absturz eines Kampfhelikopters vom Typ Tiger in Mali sind zwei Bundeswehrsoldaten ums Leben gekommen. Das teilte die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am späten Mittwochabend bei einem kurzfristig anberaumten Pressestatement in Berlin mit.

Die Absturzursache sei noch unklar. Hinweise auf eine Fremdeinwirkung lägen bisher nicht vor, sagte der Stellvertreter des Generalinspekteurs, Vizeadmiral Joachim Rühle. Es handelt sich um die ersten Todesfälle der Bundeswehr in einem Auslandseinsatz seit fast zwei Jahren. Der Vorfall mache «unendlich traurig», sagte von der Leyen. Sie wollte am Abend aber keine Fragen von Journalisten beantworten.

Der Tiger-Helikopter sei gegen 14.20 Uhr mitteleuropäischer Zeit rund 70 km nördlich von Gao abgestürzt, sagte Rühle. Das Fluggerät sei ausgebrannt. Es habe keinen Notruf aus der Unglücksmaschine gegeben. Der die Unglücksmaschine begleitende, zweite Hubschrauber meldete den Absturz, wie Rühle berichtete.

Auswertung des Flugschreibers

Kräfte der UNO-Mission wurden zur Absturzstelle beordert. Die Familienangehörigen der beiden Soldaten seien über die Todesfälle informiert worden. Die Untersuchungen zu dem Vorfall dauerten an. Ein Expertenteam der Bundeswehr sei für die Ursachenforschung am Donnerstag in Gao im Einsatz. Dabei gehe es unter anderem um die Auswertung des Flugunfallschreibers.

Der Routine-Flugbetrieb der Tiger werde bis auf Weiteres ausgesetzt. «Für den Einsatzflugbetrieb werden nur Aufträge ausgeführt, bei denen Leib und Leben einen Einsatz unbedingt erfordern. Die Entscheidung wird in jedem Einzelfall vor Ort getroffen», sagte Rühle.

Von der Leyen brach wegen des Unglücks ihre Sommerreise im oberbayerischen Pöcking ab und flog früher nach Berlin zurück. Sie sprach von der traurigen Gewissheit, dass «zwei Soldaten der Bundeswehr im Dienst für unser Land ihr Leben gegeben haben». Der Tod der Soldaten zeige «ein weiteres Mal, wie viel unsere Männer und Frauen im Einsatz zu geben bereit sind».

Die Bundeswehr stehe an der Seite der Angehörigen und trauere mit ihnen. Von der Leyen sagte, sie verneige sich «vor den Leistungen und dem Opfer» der verunglückten Soldaten. Sie habe mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel telefoniert. Merkel habe sie gebeten, ihr tief empfundenes Mitgefühl zu übermitteln.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier betonte, dass Deutschland mit der Beteiligung an dem UNO-Einsatz einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung Malis leiste. «Dieser tragische Vorfall zeigt einmal mehr, mit welchem hohen persönlichen Risiko der Einsatz unserer Soldatinnen und Soldaten verbunden ist.»

Probleme mit der Technik

Nach Informationen des «Spiegels» geht die Bundeswehr von einem massiven technischen Defekt an der Unglücksmaschine aus. Der Bundeswehr-Pilot eines zweiten Hubschraubers vom gleichen Typ, der unmittelbar hinter der Unglücksmaschine geflogen sei, habe bereits zum Absturz ausgesagt. Demnach sei der Tiger vor ihm urplötzlich und ohne einen Notruf mit der Nase nach vorne gekippt und dann sofort im Sturzflug zu Boden gegangen.

Laut einer Mitteilung von MINUSMA deuteten erste Erkenntnisse auf technisches Versagen als Ursache des Absturzes hin. Die Mission MINUSMA der Vereinten Nationen soll zur Stabilisierung Malis und zur Umsetzung eines Friedensabkommens beitragen. Nach Angaben der Bundeswehr umfasst sie derzeit rund 13'000 Blauhelm-Soldaten und knapp 2000 Polizisten. Die deutsche Bundeswehr kann sich mit bis zu 1000 Soldaten an dem Einsatz beteiligen, das Mandat erlaubt auch den Einsatz von Waffen.

Der Norden Malis war 2012 vorübergehend in die Hände islamistischer Extremisten und anderer Rebellengruppen gefallen, sie konnten aber nach einer Intervention französischer Streitkräfte zurückgedrängt werden. Gruppierungen wie al-Qaida terrorisieren den Norden Malis schon lange. Extremisten greifen dort immer wieder UNO-Friedenstruppen und malische Streitkräfte an. (chk/sda)

Erstellt: 27.07.2017, 02:59 Uhr

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