Abbas gibt Juden Mitschuld am Holocaust

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas sorgt mit antisemitischen Aussagen international für Empörung.

Mahmoud Abbas wird wegen seiner Rede vor dem PLO-Parlament in Ramallah heftig kritisiert. (30. April 2018)

Mahmoud Abbas wird wegen seiner Rede vor dem PLO-Parlament in Ramallah heftig kritisiert. (30. April 2018) Bild: Majdi Mohammed/Keystone

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Die antisemitischen Äusserungen von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas haben international für Empörung gesorgt. Abbas hatte am Montagabend in einer Rede vor dem Palästinensischen Nationalrat nahegelegt, dass die Beziehungen der Juden zum Bankwesen mit der jahrhundertelangen Judenfeindlichkeit und somit auch der Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nationalsozialisten zu tun habe.

«Vom elften Jahrhundert bis zum Holocaust, der in Deutschland stattgefunden hat, waren jene Juden, die nach West- und Osteuropa zogen, alle zehn bis 15 Jahre Massakern ausgesetzt», sagte Abbas vor hunderten Delegierten. Juden würden ihre Verfolgung mit ihrer Religion begründen, sagte Abbas.

Soziale Funktion sei Auslöser der Diskriminierung

Er zitierte dann aber aus «drei Büchern» jüdischer Autoren, um zu belegen, dass es «Judenfeindlichkeit nicht wegen ihrer Religion, sondern eher wegen ihrer sozialen Funktion» gebe, und fügte hinzu, es sei an dieser Stelle «deren soziale Funktion im Zusammenhang mit Banken und Zinsen» gemeint.

Der Nationalrat, das Parlament der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), war am Montag erstmals seit Jahren zu dreitägigen Beratungen zusammengetreten. Zuletzt hatte das PLO-Parlament 1996 regulär getagt, 2009 gab es eine Sondersitzung.

Netanyahu wettert gegen «Holocaust-Leugner» Abbas

Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu forderte die internationale Gemeinschaft am Mittwoch über den Kurzbotschaftendienst Twitter auf, «diesen Antisemiten zu verurteilen». Er bezeichnete Abbas als «Holocaust-Leugner», der endlich «verschwinden» müsse. Bundesaussenminister Heiko Maas (SPD) verurteilte die Aussagen des Palästinenserpräsidenten, der auch aus den USA heftige Kritik erntete.

Das israelische Aussenministerium warf Abbas vor, «religiösen und nationalistischen Hass gegen das jüdische Volk und Israel» zu schüren. Ministeriumssprecher Emmanuel Nachschon sagte der Nachrichtenagentur AFP, der «Antisemitismus» von Abbas sei «umso erschreckender, da er sich als jemand präsentiert, der Frieden mit Israel schliessen will». Die Ansichten des Palästinenserpräsidenten hätten NS-Propagandaminister Joseph Goebbels «zur Ehre gereicht», erklärte der israelische Minister für innere Sicherheit, Gilard Erdan.

Abbas habe «einen neuen Tiefstand» erreicht

Der deutsche Aussenminister Heiko Maas schrieb auf Twitter, Deutschland trete gegen «jegliche Relativierung des Holocausts» ein. «Die Verantwortung für das grausamste Verbrechen der Menschheitsgeschichte trägt Deutschland», erklärte Maas. Es bleibe seine Aufgabe, Antisemitismus weltweit «sehr entschlossen zu begegnen».

Der US-Botschafter in Israel, David Friedman, erklärte auf Twitter, Abbas habe «einen neuen Tiefstand» erreicht, indem er «Massaker am jüdischen Volk im Verlauf der Geschichte auf ihr 'soziales Verhalten im Zusammenhang mit Zinsen und Banken' zurückgeführt hat». Der US-Nahostbeauftragte Jason Greenblatt nannte die Äusserungen «sehr unglücklich, sehr besorgniserregend und furchtbar entmutigend». «Auf dieser Grundlage kann kein Frieden geschaffen werden.» (sep/AFP)

Erstellt: 02.05.2018, 15:16 Uhr

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