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Ägypten ruft Notstand in Sinai aus

Einer der blutigsten Anschläge auf das ägyptische Militär seit Jahrzehnten war offenbar bis ins Detail geplant. Die Soldaten wurden mit einer Autobombe, Granaten und Sprengfallen attackiert. 30 Männer starben.

Reagierte auf einen blutigen Angriff auf einen Armeeposten: Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi. (Archivbild)
Reagierte auf einen blutigen Angriff auf einen Armeeposten: Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi. (Archivbild)
Keystone

Nach dem blutigen Angriff auf einen Armeeposten auf der Halbinsel Sinai hat Ägypten den Notstand für die Unruheregion ausgerufen. Die Massnahme gelte für drei Monate, gab der nationale Verteidigungsrat am Freitagabend bekannt. Zudem ordnete er eine ab Samstag verbindliche dreistündige Ausgangssperre für Gegenden nahe der Grenze zu Israel und dem Gazastreifen an. Nach einem Bericht des Staatsfernsehens wurde zudem der Grenzübergang Rafah geschlossen.

Damit reagiert die Regierung von Staatschef Abdel Fattah al-Sisi auf einen koordinierten Angriff auf einen Kontrollposten auf Sinai, bei dem am Freitag 30 Soldaten getötet und Dutzende weitere verletzt wurden. Wenigstens 28 weitere wurden verletzt, einige von ihnen waren in ernstem Zustand, wie ranghohe Militärvertreter der Nachrichtenagentur AP sagten. Es war damit seit Jahrzehnten der opferreichste Anschlag auf das ägyptische Militär, das seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Juli 2011 immer öfter zum Ziel von Anschlägen islamistischer Extremisten wird.

«Gut geplante» Attacke

Zu dem Angriff in Karm al-Kawadis, 15 Kilometer ausserhalb der Stadt Al-Arisch, am Freitag bekannte sich zunächst niemand. Die Terrororganisation Ansar Beit al-Makdis hatte aber in der Vergangenheit immer wieder ähnliche Attacken auf ägyptische Sicherheitskräfte durchgeführt.

Die Attacke war «gut geplant», wie die Militärvertreter der AP sagten. Zunächst explodierte demnach eine Autobombe an dem Kontrollposten, die möglicherweise von einem Selbstmordattentäter gezündet worden war. Andere Angreifer feuerten dann mit Mörsern und Panzerfäusten auf den Stützpunkt und trafen unter anderem einen Panzer, der Munition transportierte, wodurch es zu einer Explosion kam. Sprengfallen am Strassenrand, die Verstärkung für die Soldaten stoppen sollten, explodierten ebenfalls und verletzen einen ranghohen Offizier schwer.

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi berief eine Krisensitzung seines Nationalen Verteidigungsrats ein und rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Ein Regierungsvertreter sagte der AP, dass Al-Sisis Kabinett erwäge, mehrere kleine Dörfer in der Gegend zwangszuräumen, die als Extremisten-Hochburgen gelten, und andere Teile der Sinai-Insel zum militärischen Sperrgebiet zu erklären. Al-Sisi hatte in der Vergangenheit gesagt, dass sich die Extremisten auf dem Sinai in bewohnten Gegenden verstecken, wodurch der Kampf gegen sie erschwert werde.

Gewalt nahm nach Sturz Mursis zu

Die amtliche Nachrichtenagentur Mena berichtete, dass die Toten und Verletzten mit Militärhubschraubern in Krankenhäuser in Kairo gebracht worden seien. Grossmufti Schawki Allam verurteilte den Angriff. Jene, die Terroranschläge verübten, «verdienen Allahs Zorn auf der Erde und zur Endzeit».

Islamistische Extremisten kämpfen auf dem Sinai seit einem Jahrzehnt gegen ägyptische Sicherheitskräfte, die Gewalt nahm aber nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Juli 2013 drastisch zu. Auch in Kairo und im Nil-Delta kam es seither zu einer Reihe von Anschlägen. Zu den meisten der Attacken bekannte sich die Terrororganisation Ansar Beit al-Makdis, die der al-Qaida nahesteht. Die Regierung vermutet aber auch eine Verwicklung von Mursis Muslimbruderschaft.

SDA/chk

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