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«Ägypten steckt in einem Krieg ums Überleben»

Nach dem blutigen Anschlag auf einen Armeeposten beschuldigt der ägyptische Präsident Sisi Terroristen und «ausländische Mächte». Er kündigt Vergeltung an.

Nach dem verheerenden Anschlag: Soldaten tragen die Särge der Getöteten zur Beerdigung. (25. Oktober 2014)
Nach dem verheerenden Anschlag: Soldaten tragen die Särge der Getöteten zur Beerdigung. (25. Oktober 2014)
Behörden, AFP

Nach dem blutigsten Anschlag auf Sicherheitskräfte seit mehr als einem Jahr plant Ägypten «radikale» Schritte an der Grenze zum palästinensischen Gazastreifen. Das kündigte Präsident Abdel Fattah al-Sisi bei einer Fernsehansprache an, nannte jedoch keine Details.

Zuvor hatte der Staatschef über einen Teil der nördlichen Sinai-Halbinsel für drei Monate den Ausnahmezustand verhängt. Der Grenzübergang Rafah zu Gaza wurde auf unbestimmte Zeit gesperrt.

Treffen mit Verteidigungsrat

Sisi habe die Massnahmen nach einem Treffen mit dem Nationalen Verteidigungsrat ergriffen, berichteten die staatlichen Medien in der Nacht. Dazu gehört auch eine dreimonatige Ausgangssperre im Nordsinai von 17 bis 7 Uhr.

«Der Rat versichert den Familien der Märtyrer und dem grossartigen ägyptischen Volk, dass er ihr teuer vergossenes Blut rächen wird», hiess es in einer Erklärung. Der Präsident rief per Dekret eine dreitägige Staatstrauer aus – die bis Sonnenuntergang am Montag gilt.

Bei der Explosion einer Autobombe an einem Kontrollpunkt im Nordsinai wurden am Freitag 28 Soldaten getötet und 30 verletzt. Es war der verheerendste Anschlag auf Sicherheitskräfte seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Juli 2013.

Abbas richtet Beileid aus

Die Verantwortung dafür übernahm zunächst niemand. Stunden später kamen laut ägyptischen Medienberichten drei Sicherheitsleute ums Leben, als Extremisten an einem anderen Kontrollpunkt das Feuer eröffneten.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte den Anschlag am Samstag. Abbas richtete dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi und den Familien der getöteten Soldaten sein Beileid aus, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Maan. Auch Abbas' Fatah-Partei verurteilte den Anschlag.

Ägypten vermutet Unterstützung aus Ausland

Sisi kündigte an, dass die Sicherheitsmassnahmen im Grenzgebiet «bald» ergriffen würden, um den Terrorismus zu bekämpfen. Zugleich betonte er, ohne Namen zu nennen, dass es von ausländischer Seite Unterstützung für den Anschlag gegeben habe.

«Ziel der Terroroperationen ist es, Ägyptens Staat zu Fall zu bringen», sagte der Präsident. «Ägypten steckt in einem Krieg ums Überleben. Das bedeutet, dass alle Ägypter vereint sein müssen.»

Dutzende Schmugglertunnel zerstört

In den vergangenen Monaten – auch während des Gazakriegs – hat die ägyptische Armee Dutzende Schmugglertunnel zerstört, die von ägyptischem Territorium in den Gazastreifen hineinreichten. Die in Gaza herrschende radikal-islamische Hamas ist mit der inzwischen verbotenen ägyptischen Muslimbruderschaft verbunden. Der Übergang in Rafah ist der einzige Weg aus Gaza, der nicht von Israel kontrolliert wird.

Das ägyptische Militär geht seit Jahren immer wieder auf dem Sinai gegen islamistische Milizen und Schmugglerbanden vor, die sich nach den arabischen Aufständen und dem Sturz von Langzeitmachthaber Hosni Mubarak 2011 dort breitgemacht haben. Attacken auf die Sicherheitskräfte gibt es regelmässig. Zu mehreren Angriffen hat sich die islamistische Terrorgruppe Ansar Beit al-Makdis bekannt.

SDA/mw

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