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Ärzte ohne Grenzen beklagen Gewalt im Südsudan

Angriffe auf Zivilisten und eine Million Vertriebene: Rund vier Monate dauern die Kämpfe in dem afrikanischen Land an – Hilfsorganisationen ziehen nun traurige Bilanz.

Vertrieben: Flüchtlinge an der sudanesischen Grenze. (18. April 2014)
Vertrieben: Flüchtlinge an der sudanesischen Grenze. (18. April 2014)
Reuters
Viele müssen Flüchten: UN-Camp in Malakala, Südsudan. (10. Januar 2014)
Viele müssen Flüchten: UN-Camp in Malakala, Südsudan. (10. Januar 2014)
Keystone
Instabile Lage: Ein Panzer der südsudanesischen Armee in Juba. (16. Dezember 2013)
Instabile Lage: Ein Panzer der südsudanesischen Armee in Juba. (16. Dezember 2013)
Reuters
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Nach dem Ausbruch neuer schwerer Gewalt im Südsudan haben rund zwei Dutzend internationale Hilfsorganisationen die Kriegsparteien zur Achtung des humanitären Rechts und der Beendigung der Angriffe auf Zivilisten aufgerufen. Zudem forderten sie die Verantwortlichen auf, humanitäre Hilfe für die Betroffenen zu ermöglichen. Rund eine Million Menschen seien mittlerweile vertrieben, davon würden etwa 90'000 Schutz in UNO-Einrichtungen suchen, heisst es in einer Mitteilung.

Im Südsudan toben seit Mitte Dezember heftige, auch ethnisch motivierte Kämpfe zwischen Anhängern des Präsidenten Salva Kiir und seines ehemaligen Stellvertreters Riek Machar. Vor zwei Wochen hatten Rebellen in der nördlichen Stadt Bentiu hunderte Zivilisten wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit brutal ermordet.

Ärzte ohne Grenzen (MSF) sprach von «beispielloser Gewalt» in der ölreichen Region. «Was ich in Bentiu gesehen habe - verstümmelte und verwesende Leichen auf den Strassen, Hunden und Vögeln zum Frass preisgegeben - ist ein Affront gegen die Menschlichkeit», sagte Landeskoordinator Raphael Gorgeu. «Die Gewalt im Südsudan beraubt die Bewohner ihrer grundlegenden Menschenwürde. Es ist schrecklich, so etwas bezeugen zu müssen.»

Akute Gefahr von Krankheiten

Nach Auffassung von MSF ist die Bevölkerung des Krisenlandes nun auch akut von Krankheiten bedroht. Besonders betroffen seien Zehntausende Menschen, die in Bentiu in einer Einrichtung der Vereinten Nationen Zuflucht gesucht hatten. Dort herrschten verheerende hygienische Zustände, warnte die Organisation.

Auf dem Gelände müssten sich derzeit 130 Personen eine Latrine teilen, so MSF. «Viele verrichten ihre Notdurft im Freien. Das stellt ein gewaltiges Gesundheitsrisiko dar.»

Zudem stünden den Menschen dort weniger als sechs Liter Wasser pro Person und Tag zur Verfügung, als Minimum gelten 15 Liter. «Die Vertriebenen stehen vor der verzweifelten Wahl zwischen den gravierenden Gesundheitsgefahren in der UNO-Basis und der Lebensgefahr im ungeschützten Bereich der Stadt», hiess es.

Friedensgespräche gehen weiter

Derweil nahmen die Konfliktparteien in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba ihre Friedensgespräche wieder auf. Diese waren am 7. April zunächst ergebnislos unterbrochen worden.

Die ostafrikanische Regionalorganisation IGAD, die bei den Verhandlungen vermittelt, hatte in den vergangenen Wochen sowohl mit Kiir als auch mit Machar über das weitere Vorgehen beraten. «Beide Seiten haben sich tief besorgt über die jüngste Eskalation des Konflikts gezeigt», hiess es in einer IGAD-Mitteilung.

Nachdem die Regierung in Juba in der vergangenen Woche vier ranghohe Politiker aus der Haft entlassen hatte, könnte es aber endlich Fortschritte bei dem Dialog geben. Den Männern wurden ein Putschversuch und Hochverrat vorgeworfen. Die Opposition hatte ihre Freilassung stets als Voraussetzung für eine Fortführung der Verhandlungen genannt.

SDA/ajk

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