Al-Nusra-Front trennt sich von al-Qaida

Die syrische Miliz geht eigene Wege, unter neuem Namen. Damit hat sich ihr Führer al-Julani mehr Spielraum und Schutz seitens den USA erhofft. Vergeblich.

Führt nun eine von al-Qaida getrennte Miliz an: Kommandeur Abu Muhammad al-Julani bei der Verkündigung per Videobotschaft - neben ihm steht auf Arabisch geschrieben: «Demnächst, ein Video des Eroberers, Muhammad al-Julani». (28. Juli 2016)

Führt nun eine von al-Qaida getrennte Miliz an: Kommandeur Abu Muhammad al-Julani bei der Verkündigung per Videobotschaft - neben ihm steht auf Arabisch geschrieben: «Demnächst, ein Video des Eroberers, Muhammad al-Julani». (28. Juli 2016) Bild: Militant photo via AP/Keystone

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Die islamistische al-Nusra-Front in Syrien sagt sich offiziell vom Terrornetzwerk al-Qaida los und benennt sich zudem um. Ziel ist die Bildung einer neuen Front und die Vereinigung verschiedener Jihadisten-Gruppen.

Der neue Name lautet Jabhat Fatah al-Sham («Eroberungsfront der Levante»), wie ihr Anführer Abu Muhammad al-Julani am Donnerstag in einer Videonachricht bekanntgab.

Al-Qaida heisst die Abspaltung gut

Die al-Nusra-Front («Unterstützer-Front») gehört in Syrien zu den stärksten Milizen. Stark ist die Gruppe vor allem in der Provinz Idlib. Obwohl ideologisch eng mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verwandt, sind beide Gruppen miteinander verfeindet. Andere, gemässigtere Rebellengruppen, wie etwa die Freie Syrische Armee (FSA), kooperieren im Kampf gegen die Regierungstruppen.

Al-Julani dankte der al-Qaida-Führung für deren Verständnis, dass die Trennung unumgänglich sei. Zuvor hatte die al-Qaida-Führung die Abspaltung ausdrücklich gutgeheissen. Wichtiger als die Zugehörigkeit zu al-Qaida sei, dass die Miliz geeint und schlagkräftig bleibe, hiess es.

Hoffnung auf mehr Spielraum und Schutz

Die Nusra-Front wird von den USA als Ableger der extremistischen al-Qaida und als Terrorgruppe eingestuft. Sie wurde deshalb von den Syrien-Friedensgesprächen im Februar ausgeschlossen. Russland und die USA beraten zudem über eine engere Zusammenarbeit im Kampf gegen die Organisation.

Nun werde sie keine Verbindung zu anderen externen Organisationen haben, sagte Anführer al-Julani. Damit falle der Vorwand für die internationale Gemeinschaft weg, wegen der Verbindungen der Nusra-Front zur al-Qaida Syrer anzugreifen. Mit der Ankündigung der Trennung von al-Qaida hofft die Nusra-Front auf mehr Spielraum für Bündnisse mit anderen syrischen Rebellengruppen und auf Schutz vor amerikanischen und russischen Luftangriffen.

An der Kategorisierung ändert sich nichts

Der Sprecher des Aussenministeriums, John Kirby, sagte, an der Einstufung als terroristische Organisation werde sich nun nichts ändern. «Wir haben keinen Anlass zu glauben, dass ihre Ziele oder ihr Handeln andere sind.» Der Sprecher des Weissen Hauses, Josh Earnest, zeigte sich ebenfalls skeptisch.

Die Nusra-Front ist so immer noch wie der IS als Terrororganisation von Waffenstillstandsankündigungen ausgeschlossen. Das US-Streitkräfte bombardieren die Miliz vereinzelt. Im April griffen sie ein Treffen von hochrangigen Mitgliedern der Miliz im Nordwesten Syriens an und töteten dabei den Sprecher Abu Firas al-Suri.

Probleme bei der Rekrutierung möglich

Die Entscheidung der Nusra-Front macht es jedoch für die USA und ihre Verbündeten noch schwieriger, zwischen den verschiedenen syrischen Rebellengruppen zu differenzieren - vor allem danach, welche bombardiert werden sollen und welche nicht. Die Unterscheidung funktioniert ohnehin nicht wirklich. Russische Luftangriffe trafen nicht nur den IS und die Nusra-Front, sondern auch andere Rebellengruppen - wobei Moskau beteuert, nur Terrorgruppen anzugreifen. Die USA und Russland versuchen gerade, eine Vereinbarung über eine militärische Partnerschaft in Syrien auszuhandeln.

Doch al-Nusra kann die Trennung von al-Qaida - auch wenn es nur dem Namen nach ist - auch schaden: Sie verliert damit eine Art Markennamen, der viele Kämpfer in ihre Reihen zog. Stattdessen könnten nun Mitglieder ausscheren. Vor allem ausländische Kämpfer sahen gemäss Nahost-Experte Sam Heller in Beirut ihren Einsatz in Syrien oft als Teil eines länderübergreifenden Jihad statt nur als Kampf gegen Assad. (sep/sda)

Erstellt: 29.07.2016, 11:35 Uhr

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