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Amerikaner sichern Spuren erst nach drei Wochen

Wegen Sicherheitsbedenken haben FBI-Agenten erst nach drei Wochen die von Militanten zerstörte US-Mission in Benghazi untersucht. Zuvor waren bereits Plünderer, Schaulustige und Reporter dort.

Gerade einmal zwei Wachmänner bewachten die diplomatische Mission nach dem Angriff: Libyer auf dem Grundstück in Benghazi. (12. September 2012)
Gerade einmal zwei Wachmänner bewachten die diplomatische Mission nach dem Angriff: Libyer auf dem Grundstück in Benghazi. (12. September 2012)
Keystone

Begleitet von mehreren Dutzend Elitesoldaten haben FBI-Agenten laut der «New York Times» die verwüstete diplomatische Mission der USA in der libyschen Stadt Benghazi untersucht. Militante hatten am 11. September das Gebäude angegriffen und den amerikanischen Botschafter getötet, der sich zu dieser Zeit dort aufhielt. Bei den Agenten handle es sich um Spezialisten für Spurensicherung, schreibt die Zeitung. Diese haben die Aufgabe, den Tathergang zu rekonstruieren und Hinweise auf die Täter zu finden, schliesslich hatte der amerikanische Präsident Barack Obama unmittelbar nach den Anschlägen erklärt, die USA werden diese zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Spurensicherung im Missionsgebäude kommt aber reichlich spät, zumal vor den FBI-Agenten offenbar bereits Plünderer, Schaulustige und Journalisten im Gebäude waren. Ein Reporter der «Washington Post» verschaffte sich am Mittwoch Zutritt. Alle Gebäudeteile seien geplündert worden, berichtete er. Gerade einmal zwei private Wachmänner würden das Gebäude im Auftrag des libyschen Besitzers bewachen – keine Regierungstruppen, keine Milizen, keine westliche Sicherheitsfirma also. Bereits im September fand ein Mitarbeiter des Nachrichtensenders CNN das Tagebuch des getöteten Botschafters in den Trümmern.

Libysche Regierung «langsam»

Die FBI-Agenten befanden sich laut den Zeitungsberichten zwar bereits länger in Libyen. Die lokalen libyschen Kommandanten wollten aber offenbar die Sicherheit der Amerikaner nicht gewährleisten. «Normale Leute sind hier sicher. Aber ich bin nicht sicher, ob auch die Amerikaner hundertprozentig sicher sein werden», sagte Salah bin-Moran, der militärische Chef einer Miliz, die mit der Regierung in Tripolis zusammenarbeitet, gegenüber der «Washington Post» vor dem FBI-Einsatz.

Neben dem Umstand, dass im Missionsgebäude beim Eintreffen der Spurensicherung bereits alle Spuren zertrampelt waren, birgt die ungenügende Bewachung auch Risiken für die libyschen Mitarbeiter der Sicherheitsfirma, welche die Botschaft zuvor bewacht hatten. Der Reporter der «Washington Post» fand – neben anderen möglicherweise heiklen Dokumenten wie dem Reiseplan des Botschafters – eine Liste mit Namen, Telefonnummern und Fotos der Wachmänner. Diese fürchten nun um ihre Sicherheit. «Die bärtigen Männer könnten mein Leben gefährden», sagte einer der Betroffenen der «Washington Post».

Ob die FBI-Agenten brauchbare Spuren gefunden haben und ob sie ihre Untersuchungen vor Ort noch fortsetzen werden, ist vorerst nicht bekannt.

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