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Assads Armee marschiert in Kurden-Stadt an Türkei-Grenze ein

Die Lage im Norden Syriens spitzt sich zu: In Manbij droht ein Aufeinandertreffen von Regierungstruppen, Kurden und von der Türkei unterstützten Rebellen.

SDF-Streitkräfte in Manbij. (Archiv)
SDF-Streitkräfte in Manbij. (Archiv)
Rodi Said, Reuters

Zur Abwehr eines Einmarschs der türkischen Streitkräfte ist die syrische Armee am Freitag in die strategisch wichtige Stadt Manbij nahe der Grenze zur Türkei einmarschiert. Ein Armeesprecher erklärte im Staatsfernsehen, die Soldaten hätten in der Stadt die syrische Nationalflagge gehisst. Kurz zuvor hatten die syrischen Kurden, die sich durch den geplanten US-Truppenabzug in Bedrängnis sehen, die Regierung in Damaskus um Beistand gegen die Türkei gebeten.

Zudem sind von der Türkei unterstützte Rebellen nach eigenen Angaben auf dem Weg zur Kurdenmetropole Manbij. Damit droht ein Aufeinandertreffen mit Truppen von Präsident Bashar al-Assad. Die Konvois bewegten sich zusammen mit den türkischen Streitkräften auf die Frontlinien in Manbij zu, in «voller Bereitschaft, militärische Operationen zur Befreiung der Stadt zu starten», erklärte die Rebellengruppe am Freitag.

Regierungstruppen erstmals seit sechs Jahren in Manbij

Syrische Kurden hatten die Regierung in Damaskus um Beistand gegen die Türkei gebeten. «Wir laden die syrischen Regierungstruppen ein, die Kontrolle über die Gebiete zu übernehmen, aus denen wir uns zurückgezogen haben, insbesondere von Manbij, und diese Gebiete gegen eine türkische Invasion zu verteidigen», hiess es in einer Erklärung der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG).

Der syrische Armeesprecher sagte nach dem Einmarsch in Manbij, das Militär werde «den Terrorismus zerschlagen und alle Invasoren und Okkupanten besiegen». Es ist das erste Mal seit sechs Jahren, dass sich syrische Streitkräfte in der 30 Kilometer von der türkischen Grenze entfernten Stadt befinden. Dort wurden auch noch weiterhin Soldaten aus den USA und Frankreich vermutet.

Die YPG hatten Manbij 2016 erobert und damals die Kämpfer der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus der Stadt vertrieben. Dabei waren sie von der internationalen Anti-IS-Koalition unter Führung der USA mit Luftangriffen, Spezialkräften und Waffen unterstützt worden.

Türkei: «Kein Recht» auf Beistand aus Damaskus

Die YPG-Präsenz in der Stadt westlich des Euphrat war der Türkei von Beginn an ein Dorn im Auge, da sie ein unabhängiges kurdisches Gebiet an ihrer Südgrenze verhindern will. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte vor kurzem eine Militäroffensive angekündigt, um die YPG aus der Region zu vertreiben. Die türkische Armee verstärkte ihre Truppenpräsenz an der Grenze, von Ankara unterstützte syrische Rebellengruppen schickten Kämpfer nach Manbij.

Das türkische Verteidigungsministerium erklärte am Freitag, die syrischen Kurden hätten «nicht das Recht», sich Beistand aus Damaskus zu holen. Syriens Verbündeter Russland hingegen, das Staatschef Bashar al-Assad im September 2015 um militärischen Beistand gebeten hatte, begrüsste den Vorstoss der syrischen Armee.

Überraschende Ankündigung

Der Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, der Vormarsch trage zur «Stabilisierung der Lage» bei. Anfang Januar will Russland einen weiteren Syrien-Gipfel mit den Präsidenten des Iran und der Türkei einberufen. Sein Land sei an der Reihe, ein solches Treffen zu organisieren, sagte der russische Vize-Aussenminister Michail Bogdanow laut der Nachrichtenagentur Interfax.

Vergangene Woche hatte US-Präsident Donald Trump überraschend den Abzug der rund 2000 US-Soldaten aus Syrien angekündigt, woraufhin Erdogan erklärte, die YPG würden nun aus der Region vertrieben. Wegen der US-Truppenpräsenz in Nordsyrien hielt sich Ankara bis zu diesem Zeitpunkt mit Angriffen zurück.

AFP/sep

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