Attacke auf Frachtschiffe: Crew an Land gebracht

Im Golf von Oman sind zwei Frachtschiffe schwer beschädigt worden und in Seenot geraten. Eine Reederei vermutet einen Torpedoangriff.

Auf dem mit Rohöl beladenen Tanker «Front Altair» ist Feuer ausgebrochen. (13. Juni 2019) Bild: Isna/Reuters

Auf dem mit Rohöl beladenen Tanker «Front Altair» ist Feuer ausgebrochen. (13. Juni 2019) Bild: Isna/Reuters

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Im Golf von Oman ist es erneut zu einem Zwischenfall mit zwei Handelsschiffen gekommen, der die Spannungen in der Golfregion weiter verschärfen dürfte. Die 5. Flotte der US-Marine bestätigte, sie habe Notrufe von zwei Tankern aufgefangen und leiste Hilfe. Beide Schiffe seien evakuiert worden und die Besatzungen in Sicherheit.

Omanische und iranische Medien berichteten, es seien schwere Explosionen in dem Seegebiet am Ausgang der strategisch wichtigen Strasse von Hormus zu hören gewesen, der Einfahrt zum Persischen Golf, durch die etwa ein Viertel der weltweiten Ölexporte verschifft werden.

Die Reederei Bernhard Schulte Ship Management mit Sitz in Singapur teilte mit, ihr Schiff Kokuka Courageous sei am Rumpf beschädigt worden. 21 Seeleute seien in Sicherheit gebracht und ein Besatzungsmitglied leicht verletzt worden. Die norwegische Reederei Frontline bestätigte, ihr Tanker Front Altair brenne nach dem Zwischenfall. Alle 23 Besatzungsmitglieder seien von einem anderen Schiff aufgenommen worden.

Ein Sprecher der staatlichen taiwanischen Raffinerie CPC Corp, welche die Front Altair gechartert hat, sagte, man vermute einen Torpedoangriff, auch wenn das noch nicht bestätigt sei. Die norwegische Seefahrtsbehörde allerdings hat einen Angriff auf den Öltanker Front Altair bestätigt. Das unter der Flagge der Marshallinseln fahrende Schiff sei am frühen Morgen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Iran attackiert worden, teilte die Behörde am Donnerstag mit. Es sei von drei Explosionen an Bord berichtet worden, das Schiff brenne. Auch der Branchendienst Tradewinds berichtet, beide Schiffe seien mit Torpedos angegriffen worden.

Das allerdings widerspricht Berichten der Reederei, wonach die Kokuka Courageous über der Wasserlinie getroffen worden sei. Laut der zur britischen Marine gehörendenden United Kingdom Maritime Trade Operations ereignet sich der Vorfall etwa 25 Kilometer vor der iranischen Küste.

Die mutmasslichen Angriffe ereigneten sich in einer Phase schwerer Spannungen in der Golfregion zwischen Iran und den USA sowie deren arabischen Verbündeten. Die USA hatten zuletzt ihre Militärpräsenz in der Region verstärkt. Japans Premierminister Shinzo Abe hält sich derzeit zu Gesprächen in Teheran auf, um in der Krise zu vermitteln. Nach Gesprächen mit Präsident Hassan Rohani am Mittwoch sollte er an diesem Donnerstag noch Irans Obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei treffen.

Am Mittwoch erst hatten die von Iran unterstützen Huthi-Rebellen aus Jemen den Flughafen der saudischen Stadt Abha attackiert, der etwa 120 Kilometer von der Grenze entfernt liegt. Vor einem Monat waren vier Handelsschiffe, die vor dem Hafen von Fujairah (VAE) auf Reede lagen, durch Sabotageakte zum Teil erheblich beschädigt worden.

Iran hatte wiederholt mit einer Blockade der Strasse von Hormus gedroht

Saudiarabien und die USA haben dafür Iran verantwortlich gemacht. Ein jüngst dem UN-Sicherheitsrat zugeleiteter Bericht, den die Vereinigten Arabischen Emirate zusammen mit Norwegen und Saudiarabien erstellt haben, spricht dagegen nur davon, dass «höchstwahrscheinlich ein staatlicher Akteur» hinter der Attacke stehe, die erhebliche geheimdienstliche und militärische Fähigkeiten in der Planung und Ausführung vorausgesetzt hätten. Die Schiffe sind mutmasslich mit magnetischen Haftminen angegriffen worden, die Taucher an den Bordwänden platziert hatten.

Iran hatte jede Verantwortung zurückgewiesen. Aussenminister Mohammad Jawad Zarif sprach von Provokationen, für die er seinerseits Israel, Saudiarabien und die USA verantwortlich machte.

Die Front Altair hat 75'000 Tonnen Naphtha an Bord und war laut dem Schiff-Trackingdienst marinetraffic.com auf dem Weg vom emiratischen Hafen Ruwais nach Kaohsiung in der Südküste von Taiwan. Der Tanker ist 250 Meter lang und 45 Meter breit und auf den Marshallinseln registriert, die mit den USA durch ein Assoziierungsabkommen verbunden sind. Die Kokuka Courageous hatte im saudischen Hafen al-Jubail Methanol geladen und war auf dem Weg nach Singapur; der in Panama registrierte Chemikalientanker ist 170 Meter lang.

Iran hat wiederholt gedroht, die Strasse von Hormus zu blockieren, sollte das Land durch die neuen US-Sanktionen daran gehindert werden, Öl zu exportieren. Die Ausfuhren waren von 2,5 Millionen Barrel auf zuletzt weniger als eine Million Barrel zurückgegangen, nach manchen Schätzungen sogar auf 400'000 Barrel.

Irans Aussenminister Zarif hatte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesaussenminister Heiko Maas in Teheran gesagt, diejenigen, die den Wirtschaftskrieg der USA gegen sein Land unterstützten, könnten nicht erwarten, dass sie sicher bleiben. Die Bundesregierung hatte in einer gemeinsamen Erklärung mit den Vereinigten Arabischen Emiraten anlässlich des Besuchs von Kronprinz Mohammed bin Zayed bei Kanzlerin Angela Merkel Iran aufgerufen, eine «konstruktive Rolle zu spielen und sich aller Schritte zu enthalten, die zu einer Eskalation führen könnten».

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 13.06.2019, 09:32 Uhr

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