Auf dem Weg zur epischen Schlacht

Paul-Anton Krüger, Nahostkorrespondent, über die Terroranschläge im Iran.

Nach dem Anschlag: Menschen retten sich aus dem Parlamentsgebäude in Teheran. Foto: Keystone

Nach dem Anschlag: Menschen retten sich aus dem Parlamentsgebäude in Teheran. Foto: Keystone

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Bewaffnete Angreifer haben in der iranischen Hauptstadt Teheran den Schrein von Staatsgründer Ayatollah Khomeini und das Parlament attackiert. Beides sind Symbolorte der Islamischen Republik, sie verkörpern das schiitische Regime. Es wäre nicht verwunderlich, wenn tatsächlich sunnitische Jihadisten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für die Anschläge verantwortlich wären, wie es deren Propaganda-Sprachrohr behauptet. Erst im März veröffentlichte der IS ein 36-minütiges Drohvideo auf Farsi, in dem er eine neue Einheit für Angriffe im Iran vorstellte und die Enthauptung von Kämpfern der Badr-Miliz im Irak zeigte – sie wird von den Revolutionsgarden kontrolliert.

Iran ist primäre Feind des IS

Für den IS ist der Iran der primäre Feind, noch vor dem saudischen Königshaus: Die iranischen Revolutionsgarden kämpfen in Syrien für das Regime von Bashar al-Assad, sie kontrollieren dort und im Irak Milizen mit Zehntausenden Söldnern, die nicht nur den IS attackieren, sondern auch von vielen anderen Sunniten gefürchtet werden. Konflikte zwischen den Konfessionen des Islam oder mit Gläubigen anderer Religionen zu schüren, ist der Kern der apokalyptischen Ideologie des IS, der einer epischen Schlacht zwischen Rechtgläubigen und Ungläubigen entgegenfiebert. Nicht zufällig richtete sich das Drohvideo an die sunnitische Minderheit im Iran, geschätzt neun Prozent der Bevölkerung, von denen sich viele benachteiligt und diskriminiert fühlen.

Den Terror in den Iran zu tragen, hat der IS schon oft versucht. Nun, im Ramadan, konnten die Sicherheitskräfte, anders als bei vorherigen Versuchen, die Attacken nicht verhindern; von Dutzenden verhinderten Angriffen sprach der Innenminister. Der IS hat bisher wenig Erfolg gehabt, sunnitische Muslime im Iran zu rekrutieren. Der Terror des IS kann nur wirkungsvoll bekämpft werden, wenn es gelingt, den Irak und Syrien zu befrieden und zu stabilisieren. Dafür müssten alle Staaten der Region zusammenarbeiten – auch mit dem Iran. Danach allerdings sieht es derzeit leider nicht aus, eher nach neuen Bruchlinien und Konflikten, befeuert auch von der dilettantischen Nahost­politik von US-Präsident Donald Trump.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.06.2017, 23:20 Uhr

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