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Bericht: Vater-Sohn-Konflikt im saudischen Palast

Die Kluft zwischen dem saudiarabischen König und dem ehrgeizigen Kronprinzen scheint immer grösser zu werden. Die Gerüchteküche in Riad brodelt.

Offenbar nicht immer gleicher Meinung: Kronprinz Muhammad bin Salman und König Salman bin Abdul Aziz al-Saud während einer Konferenz der Golfstaaten in Riad. (9. Dezember 2018)
Offenbar nicht immer gleicher Meinung: Kronprinz Muhammad bin Salman und König Salman bin Abdul Aziz al-Saud während einer Konferenz der Golfstaaten in Riad. (9. Dezember 2018)
Reuters

«Die Söhne essen das Obst, und ihre Väter gleiten über den Schalen aus.» Dieses albanische Sprichwort würde wohl momentan ganz gut zum Königshaus Saud passen. Dort hänge, so berichtet der britische «Guardian», der Haussegen ganz schön schief. Genauer: Vater und König Salman bin Abdul Aziz al-Saud und sein Sohn, Kronprinz Muhammad bin Salman, würden gleich mehrere Konflikte austragen.

Die Gründe für den familiären Streit im Hauptpalast des Königshauses Saud seien die unterschiedlichen Auffassungen in politischen Fragen und Themen, so die britische Zeitung.

Aber nicht nur deshalb: Offenbar ist der König über die Verstrickung des Kronprinzen in der Affäre um den ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi alles andere denn erfreut. Seitdem der Mord publizistisch den gesamten Globus beschäftigt, habe sich die Beziehung zwischen Vater und Sohn merklich abgekühlt, schreibt der «Guardian», der sich auf verlässliche Quellen aus dem Palast in Riad verlässt.

Über den König hinweg entschieden?

Als weiteren Anlass für die Abkühlung des Verhältnisses zwischen Vater und Sohn sind die Vorkommnisse rund um den Besuch des Königs in Ägypten. Als der saudische Herrscher im nordafrikanischen Land weilte, war der Kronprinz als Regierungsvertreter eingesetzt worden. Dieser gefiel sich sichtlich in dieser Rolle und ernannte eigenmächtig Prinzessin Reema bint Bandar al-Saud zur Botschafterin in Washington und damit auch zur ersten weiblichen Vertreterin des Landes im Ausland überhaupt. Dieses Amt in den USA gilt als Sprungbrett für das Aussenministerium. Überdies berief bin Salman seinen Bruder Khalid bin Salman zum Verteidigungsminister.

Diese – wichtigen – personellen Entscheidungen seien gemäss «Guardian» ohne Wissen und Segen des Königs gemacht worden. Der oberste Monarch soll von den Ernennungen erst im TV erfahren haben.

Abgesehen davon, dass der König den frischgebackenen Minister Khalid bin Salman noch nicht reif genug für ein solchen Posten sieht, wurden noch andere Kritiken im Land laut. Die Macht konzentriere sich nun allzu sehr in einer Linie der Familie. Dazu muss man wissen, dass diese geschätzte 7000 Personen umfasst.

Zwar ist man bei höchster Stelle in Riad um Schadensbegrenzung bemüht. So hiess es von höchster Regierungsstelle, dass der König von den Beförderungen offiziell gewusst habe. Warum diese bedeutenden personellen Schritte ausgerechnet zu jenem Zeitpunkt stattfanden, als das oberste Haupt Saudiarabiens landesabwesend war, wurde vom Palast nicht ausreichend beantwortet.

Der Kronprinz hat zudem Muslime verärgert, weil er letzten Monat auf das Dach der Kaaba, des zentralen Heiligtums der islamischen Religion, in Mekka stieg. Es folgten zahlreiche Beschwerden an die Adresse von bin Salman.

Die Zukunft des Landes, das wegen Menschenrechtsverletzungen, aber auch wegen des Bürgerkriegs im Jemen weltweit in der Kritik steht, hängt nicht zuletzt vom Burgfrieden in der königlichen Familie ab. Was die Ambitionen des Kronprinzen betrifft, so ist dieser immer noch von der Gunst seines Vaters abhängig. Dieser familiären Ausgangslage müsste sich der ehrgeizige Sohnemann eigentlich bewusst sein.

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