Zum Hauptinhalt springen

Bis zum Kopf vergraben und dann gesteinigt

Im Norden Malis herrscht das Recht der Scharia: In dem von radikalen Islamisten kontrollierten Gebiet ist am Wochenende offenbar ein Paar wegen Ehebruchs gesteinigt worden.

Haben den Norden des Landes weitgehend unter Kontrolle: Mitglieder der islamistischen Gruppierung Ansar Dine in Gao, Mali. (Archivbild)
Haben den Norden des Landes weitgehend unter Kontrolle: Mitglieder der islamistischen Gruppierung Ansar Dine in Gao, Mali. (Archivbild)

Ein Sprecher der Gruppe Ansar Dine, Sanda Abou Mohammed, sagte der Nachrichtenagentur AP, die Hinrichtung sei gemäss dem islamischen Recht, der Scharia, erfolgt. Das Paar sei wegen Ehebruchs gesteinigt worden.

Ein Einwohner der nordmalischen Stadt Kidal berichtete, Augenzeugen aus dem nahegelegenen Aguelhok zufolge seien der Mann und die Frau bis zum Hals eingegraben und dann bis zu ihrem Tod mit Steinen beworfen worden. Der Einwohner wollte aus Angst um seine Sicherheit seinen Namen nicht genannt wissen.

Die nördliche Hälfte des westafrikanischen Staates wurde im April nach einem Putsch in der Hauptstadt Bamako von Rebellen, darunter auch die Gruppe Ansar Dine, erobert.

Regierungschef entmachtet

Der Interimspräsident von Mali, Dioncounda Traoré, hat den Übergangsregierungschef Cheick Modibo Diarra faktisch entmachtet. Traoré beschnitt die Kompetenzen des Ministerpräsidenten. Gleichzeitig schuf er neue Institutionen, mit denen die Krise im Norden des Landes beigelegt werden soll.

In einer im Staatsfernsehen verbreiteten Rede an die Nation verkündete Traoré, er habe einen Hohen Staatsrat begründet, dem er selbst vorstehe. Dessen Aufgabe werde es sein, die Verfassung Malis zu «vervollständigen» und den «gesellschaftlich-politischen Realitäten anzupassen». Traoré plant, zwei Vize-Präsidenten zu ernennen. Einen dieser beiden Posten soll ein Militärangehöriger bekleiden. Zudem ist die Bildung einer Übergangsregierung sowie die Ernennung von Verhandlungsführern für Gespräche mit Bewaffneten im Norden vorgesehen.

Details – vor allem Informationen über die künftige Machtverteilung – nannte Traoré nicht. Auch einen Zeitplan verkündete er nicht. Er rief die Malier auf, einander zu vergeben und sich zu verbünden, um die politische Krise bald zu beenden.

Neue Regierung bis Ende Juli

Am Samstag hatte Übergangs-Ministerpräsident Diarra noch seinen von den wichtigsten Parteien des Landes geforderten Rücktritt abgelehnt. Das Land habe ihm diese Aufgabe anvertraut und er werde nicht abtreten, sagte der zunehmend umstrittene Diarra im Fernsehen.

Traoré war erst am Freitag nach zweimonatiger ärztlicher Behandlung in Frankreich wieder in die Heimat zurückgekehrt. Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) hatte Mali zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit bis zum 31. Juli aufgefordert.

In Mali hatte am 22. März eine Gruppe von Soldaten den langjährigen Präsidenten Amadou Toumani Touré gestürzt. In dem Machtvakuum nach dem Putsch gelang es den Tuareg-Rebellen und den mit ihnen verbündeten Islamisten innerhalb weniger Tage, den gesamten Norden des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen.

Seitdem wurden die Tuareg-Rebellen jedoch von den Islamisten aus den wichtigsten Städten Timbuktu, Gao und Kidal vertrieben. Die Islamisten führten in Timbuktu das islamische Recht der Scharia ein und zerstörten eine Reihe von islamischen Heiligengräbern.

dapd/mrs

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch