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Blutbad mitten in der Feuerpause

«Wir wollen eine Schlacht»: Am Tag nach dem israelischen Angriff auf einen belebten Markt mit 17 Toten und 200 Verletzten ist die Wut bei den Palästinensern gross. Ein Augenschein in Schedschaija.

Feiern sich als Sieger: Palästinenser in Gaza-Stadt nach der Einigung auf die Waffenruhe. (26. August 2014)
Feiern sich als Sieger: Palästinenser in Gaza-Stadt nach der Einigung auf die Waffenruhe. (26. August 2014)
AP Photo/Khalil Hamra, Keystone
Jubel in Gaza-Stadt: Eine Familie in einem Auto. (26. August 2014)
Jubel in Gaza-Stadt: Eine Familie in einem Auto. (26. August 2014)
AP Photo/Adel Hana, Keystone
Public Viewing der besonderen Art: Israelis sitzen auf einem Sofa auf einem Hügel der Stadt Sderot und blicken in Richtung Gazastreifen. (12. Juli 2014)
Public Viewing der besonderen Art: Israelis sitzen auf einem Sofa auf einem Hügel der Stadt Sderot und blicken in Richtung Gazastreifen. (12. Juli 2014)
Lefteris Pitarakis, Keystone
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Hunderte Palästinenser sind auf dem Markt von Schedschaija gekommen, um sich in einer von Israel ausgerufenen kurzen Feuerpause mit Lebensmitteln zu versorgen. Doch plötzlich schlagen Geschosse ein. Momente später ist der Markt im Osten des Gazastreifens die Szene eines Blutbades: Leichen liegen über die Strasse verstreut, überall ist Blut. Manche sagen, es war ein Luftangriff. Andere sprechen von Panzerbeschuss.

Wie auch immer: Auch heute ist die Wut über das israelische Vorgehen während der «humanitären Feuerpause» am Vortag gross. Insgesamt bergen die Rettungskräfte 17 Tote und 200 Verletzte. «Wir wollen eine Schlacht!», ruft Abu Majsarah wutentbrannt, als er über den Ort des Angriffs blickt. «Wir wollen, dass Kassam zurückschlägt im Herzen Tel Avivs!» Die Essedin-al-Kassam-Brigaden sind der bewaffnete Arm der Hamas, der immer wieder Raketen auf Israel abfeuert. Laut Abu Majsarah waren die Menschen nach dem ersten Einschlag gerade dabei, die Verwundeten zu bergen, als ein weiteres israelisches Geschoss einschlug.

Dunkle Rauchwolken

Aus einem Gebäude quellen nach dem Angriff dunkle Rauchwolken. Auf der Strasse liegt ein lebloser Körper in einer Pfütze aus Benzin und Schlamm, der Kopf zerschmettert. «Es waren dort drüben Journalisten, auch sie wurden getroffen, als sie neben den Krankenwagen standen», berichtet Abu Majsarah. Das Fernsehen zeigt einen Journalisten, der mit einer blutdurchnässten Schutzweste mit der Aufschrift «Press» auf der Strasse liegt.

AFP-Journalisten sehen mindestens fünf Leichen, die auf Tragen fortgebracht werden, während Krankenwagen und auch Privatautos die Verletzten eilig in die Krankenhäuser bringen. Diese sind jedoch bereits voll von Verwundeten eines morgendlichen Angriffs auf eine UN-Schule in Dschabalija.

Bei dem Beschuss der Mädchenschule, in dem mehr als 3300 Flüchtlinge Schutz vor den Kämpfen gesucht hatten, wurden nach UN-Angaben gestern 16 Menschen getötet. «Es wurden 30 oder 40 Verletzte hierher gebracht, die meisten von ihnen Frauen, Kinder und Ältere», sagt die Krankenschwester Abed al-Bahtiti im Krankenhaus von Kamal Adwan.

Keinen Zufluchtsort

Die Gegend um die Schule riecht nach Tod, doch die Flüchtlinge haben keinen anderen Zufluchtsort. Tausende Häuser wurden zerstört, fast im ganzen Gazastreifen ist zudem der Strom nach dem Beschuss des einzigen Kraftwerks ausgefallen. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist schwierig. Während der Kampfpause stehen hunderte Männer vor den Bäckereien um Brot an. «Wir warten hier seit vier Stunden, um Brot zu kaufen. Wir sind aus Schedschaija geflohen und wohnen nun bei Verwandten, 50 in einem Haus», sagt der Familienvater Mussa Dschundija.

Angesichts der Angriffe auf die Schule, den Markt und andere zivile Einrichtungen wird die Kritik an der israelischen Militäroffensive immer schärfer. Die UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay wirft Israel mit Blick auf die Angriffe die «vorsätzliche Missachtung» seiner völkerrechtlichen Verpflichtungen vor. «Nichts von alledem scheint mir zufällig», sagt Pillay mit Blick auf die vielen toten Zivilisten. Doch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gibt sich ungerührt. Heute kündigt er an, die Armee werde im Gazastreifen «die Arbeit zu Ende bringen».

(AFP)

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