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Blutiger Jahrestag des ägyptischen Aufstands

Wie instabil die Lage in Ägypten noch immer ist, zeigen die Geschehnisse vier Jahre nach Beginn der Revolte: Mindestens elf Menschen starben bei Strassenschlachten.

Gewalt in den Strassen Kairos: Anhänger des ägyptischen Präsidenten al-Sisi liefern sich Kämpfe mit Regierungsgegnern. (25. Januar 2015)
Gewalt in den Strassen Kairos: Anhänger des ägyptischen Präsidenten al-Sisi liefern sich Kämpfe mit Regierungsgegnern. (25. Januar 2015)

Bei Demonstrationen zum vierten Jahrestag des Volksaufstandes in Ägypten sind am Wochenende mindestens elf Menschen getötet worden. Schwerpunkt der gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten war der Norden von Kairo.

Die Onlineausgabe der Staatszeitung «Al-Ahram» zitierte das Gesundheitsministerium, wonach mindestens elf Menschen getötet und 30 weitere verletzt wurden. Zuvor war offiziell von zwei Toten und sechs verletzten Polizisten die Rede gewesen.

Nach Angaben der Polizei hatten die Protestierenden mit Schrotkugeln auf die Sicherheitskräfte geschossen. Zu den Krawallen kam es im Kairoer Viertel Matarija, wo Demonstranten an den Beginn der Revolte in Ägypten am 25. Januar 2011 erinnerten.

Auch in Alexandria schoss ein Demonstrant nach Polizeiangaben auf Beamte. Diese hätten daraufhin das Feuer erwidert und den Mann erschossen.

Drei weitere Protestierende wurden demnach bei dem Vorfall verletzt. Bei den Demonstranten handelte es sich vor allem um Anhänger des vom Militär gestürzten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi.

Schrotkugeln der Polizei

Bereits am Samstagabend hatte es im Zentrum von Kairo einen Protestmarsch linker Demonstranten gegeben, bei dem es ebenfalls zu Zusammenstössen mit der Polizei kam. Eine 34-jährige Demonstrantin sei durch Schrotkugeln getötet worden, teilte das Gesundheitsministerium mit.

Nach Angaben von Protestteilnehmern wurden die Kugeln von der Polizei abgefeuert, um die Menge auseinanderzutreiben. Den Demonstranten zufolge setzte die Polizei auch Tränengas ein und nahm den Chef der Partei Sozialistische Volksallianz sowie fünf junge Parteimitglieder fest.

Zur Trauerfeier für die getötete Demonstrantin kamen am Sonntag hunderte Menschen in Alexandria zusammen.

Gedenken an Mubaraks Sturz

In Ägypten fällt der Jahrestag der Revolution von 2011, die zum Sturze des Langzeitherrschers Hosni Mubarak führte, stets auf den landesweit gefeierten «Tag der Polizei». Der 25. Januar ist daher Feiertag, Versammlungen zu Ehren der 2011 getöteten Demonstranten werden jedoch aus Sicherheitsgründen verboten.

Bei den Protesten gegen Mubarak waren damals mehr als 800 Menschen gestorben. Der Diktator musste in der Folge zurücktreten, ein Verfahren gegen ihn wegen Mitschuld am Tod der Demonstranten wurde jedoch eingestellt.

Das nordafrikanische Land kommt seit Mubaraks Sturz nicht zur Ruhe. Der Mitte 2012 erste frei gewählte Präsident Ägyptens, der Islamist Mohammed Mursi, wurde nach einem Jahr im Amt vom Militär gestürzt, das daraufhin die Macht übernahm.

Seitdem gehen die Behörden mit aller Härte gegen Anhänger der Mursi nahe stehenden islamistischen Muslimbruderschaft vor. Zudem greifen die Behörden verstärkt gegen linke und säkulare Oppositionelle durch, die zwar den Sturz Mursis guthiessen, aber auch den Nachfolger Abdel Fattah al-Sisi kritisieren.

Kairo am Sonntag menschenleer

In Kairo waren am Sonntag viele Strassen menschenleer, auf Hauptstrassen standen Polizisten mit Maschinenpistolen Wache. Der Tahrir-Platz wurde von gepanzerten Armeefahrzeugen abgeriegelt.

Lediglich einige Dutzend Anhänger von Präsident Sisi versammelten sich auf dem Platz. Sie hielten ägyptische Flaggen hoch und riefen «Es lebe Ägypten».

SDA/fko

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