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Boko Haram greift Grossstadt an

Die islamistische Miliz Boko Haram hat Frauen, junge Männer und Kinder freigelassen, die sie vor drei Wochen entführt hatte. Kurz danach startete sie einen Angriff im Nordosten von Nigeria.

Strenge Sicherheitsvorkehrungen: Nigerianische Polizisten und Soldaten sichern einen Platz für eine Parteiveranstaltung in Maiduguri, nachdem Boko Haram in der Nähe ein Dorf angriff. (24. Januar 2015)
Strenge Sicherheitsvorkehrungen: Nigerianische Polizisten und Soldaten sichern einen Platz für eine Parteiveranstaltung in Maiduguri, nachdem Boko Haram in der Nähe ein Dorf angriff. (24. Januar 2015)
AFP

Die islamistische Terrororganisation Boko Haram hat einen Angriff auf die Millionenstadt Maiduguri im Nordosten Nigerias begonnen. Neben der Hauptstadt des Bundesstaats Borno attackierten die Islamisten auch den Verkehrsknotenpunkt Monguno. Das teilte das nigerianische Verteidigungsministerium via Twitter mit.

Die Armee und die Luftwaffe seien dabei, die Terroristen zurückzuschlagen, hiess es. Über Maiduguri, wo rund 1,2 Millionen Menschen leben, wurde «bis auf weiteres» eine Ausgangssperre verhängt.

Die nigerianische Zeitung «Premium Times» berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass die Grossstadt bereits seit Samstagabend von Hunderten Boko-Haram-Kämpfern unter Feuer genommen werde. Über der Stadt seien am Morgen Kampfflugzeuge und Helikopter des Militärs zu hören gewesen.

Ein Bewohner Maiduguris sagte der Nachrichtenagentur dpa telefonisch, die Menschen blieben seit dem Morgengebet, als die Nachricht von dem Angriff bekannt wurde, alle in ihren Häusern. «Wir haben uns alle entschieden, drin zu bleiben», sagte er. «Das heisst, wir überlassen die Strassen den Soldaten.»

Die meisten Geschäfte der Stadt blieben Medienberichten zufolge geschlossen. Über mögliche Opferzahlen gab es zunächst keinerlei Informationen.

Dorf niedergebrannt

Bei einem Boko-Haram-Angriff auf das Dorf Kambari nahe Maiduguri waren am Samstag mindestens 15 Menschen getötet worden. Laut Sicherheitskräften und Augenzeugen waren unter den Toten der Dorfvorsteher und mehrere Kinder. Der Ort ging demnach vollständig in Flammen auf. Es wurde bereits vermutet, dass die Extremisten über Kambari auf Maiduguri vorrücken wollten.

Eine Einnahme der wichtigsten Stadt im Nordosten des Landes wäre ein Erfolg mit grosser Symbolkraft für die Terrorgruppe, die in der Region einen sogenannten Gottesstaat mit strenger Auslegung des islamischen Rechts gründen will. Im vergangenen Jahr war ein Angriff der Boko Haram auf Maiduguri gescheitert.

Jahrelanger Terror

Kämpfer der Boko Haram hatten vor wenigen Wochen die Kleinstadt Baga angegriffen und im Rahmen einer Grossoffensive in der Region hunderte Menschen getötet und zehntausende in die Flucht getrieben. Boko Haram, was sich sinngemäss mit «westliche Bildung ist Sünde» übersetzen lässt, terrorisiert seit Jahren den Nordosten Nigerias und angrenzende Gebiete.

Schätzungen zufolge sind dabei seit 2009 mehr als 15'000 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als eine Million Menschen sind vor den Kämpfen in andere Landesteile oder Nachbarländer geflohen.

US-Aussenminister John Kerry sollte am späteren Sonntag in Lagos mit Präsident Goodluck Jonathan zusammentreffen. Kerry wollte während seines Kurzbesuchs auf möglichst gewaltfreie Wahlen drängen. Der Aussenminister sollte auch Jonathans Herausforderer bei der Präsidentenwahl vom 14. Februar treffen, den früheren Militärmachthaber Muhammadu Buhari.

Gefangene freigelassen

Zuvor hatte Boko Haram etwa 190 Gefangene freigelassen. Die Frauen, jungen Männer und Kinder seien Teil einer Gruppe, die die Islamisten vor knapp drei Wochen verschleppt hätten, teilte ein Sprecher des Gouverneurs des nigerianischen Bundesstaates Yobe mit.

Mindestens 20 der damals Entführten befänden sich immer noch in der Gewalt der Extremisten. Einige der freigelassenen Frauen sagten, sie seien von den Islamisten weggeschickt worden, weil sie sich geweigert hätten, nach den Regeln von Boko Haram zu leben.

SDA/kpn

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