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Boko Haram verschleppt fast 100 Menschen

Die Islamisten haben im Nordosten Nigerias weitere 60 Frauen und Mädchen sowie 31 Jungen entführt.

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hat im Nordosten Nigerias offenbar weitere 60 Frauen und Mädchen sowie 31 Jungen verschleppt. Dies berichtete eine gegen Boko Haram gerichtete Bürgerwehr. Die Entführung soll sich bereits am Samstag in Dörfern des Staats Borno zugetragen haben. Sicherheitskräfte bestritten die Berichte.

Die nigerianische Regierung steht unter starkem politischem Druck, seit die Boko-Haram-Extremisten am 15. April mehr als 300 Schulmädchen in ihre Gewalt gebracht haben, von denen 219 immer noch nicht frei sind. Was sich nun in Kummabza rund 150 Kilometer von Maiduguri, der Hauptstadt von Borno zugetragen hat, liess sich nicht sofort unabhängig überprüfen.

Fast täglich Angriffe

Aji Khalil, ein Sprecher der Bürgerwehr, sagte, bei der Attacke der Boko-Haram-Kämpfer und der Entführung am Samstag seien vier Dorfbewohner getötet worden. In der Region gibt es fast täglich Angriffe der radikalislamischen Extremisten. Ein Vertreter der örtlichen Regierung bestätigte der Nachrichtenagentur AP ebenfalls, dass es die neuerlichen Entführungen gegeben habe, er sei aber nicht autorisiert, darüber zu sprechen.

Diese neuen Fälle sind eine weitere Niederlage für das Militär nach der Entführung der Schülerinnen aus Chibok im April. Eine Strategie, die Mädchen zu befreien, ist bisher nicht erkennbar. Das Militär sagte bereits, es wisse, wo sich die Mädchen befänden. Doch es gebe die Befürchtung, dass die Extremisten sie töteten, falls die Armee eine Operation zur Befreiung starten sollte.

Boko Haram fordert als Lösegeld für die Schülerinnen, verhaftete Mitglieder freizulassen. Dies lehnt Präsident Goodluck Jonathan ab.

Überforderte nigerianische Regierung

Boko Haram - der Name bedeutet in etwa «westliche Bildung ist Sünde» - terrorisiert den Nordosten Nigerias seit rund fünf Jahren. Die Gruppe entsprang einer islamischen Sekte, die gegen die weit verbreitete Korruption im ölreichen Nigeria ankämpfte. Im vorwiegend muslimischen Nordosten des Landes will sie nun einen islamischen Gottesstaat errichten. Ihrem Terror fielen allein in diesem Jahr schätzungsweise schon mehr als 2000 Menschen zum Opfer.

Die nigerianische Regierung wird der Gruppe nicht Herr, obwohl sie über Teile des Nordostens den Notstand ausgerufen hat, um die Angriffe zu verhindern. Dieses Jahr fährt Boko Haram nach Ansicht von Experten mit Bombenanschlägen in Städten und Überfällen auf Dörfer eine zweifache Strategie.

Afrikas grösster Ölproduzent

Am Montag starben bei der Explosion einer Bombe in der nördlichen Stadt Kano mindestens acht Menschen. Am Samstag, dem Tag der neuerlichen Entführung, überfielen Extremisten vier Dörfer in der Nähe von Chibok, wo die Mädchen verschwunden waren. Augenzeugen berichteten, mindestens 33 Menschen seien dabei ums Leben gekommen.

Etwa die Hälfte der 170 Millionen Nigerianer sind Christen. Das Land ist Afrikas grösster Ölproduzent. Die Korruption gilt als Hauptgrund, warum die meisten Nigerianer trotz des Ölreichtums arm bleiben.

AP/AFP/sda/wid

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