Bomben beenden kein Leid

Der Krieg in Syrien ist zum internationalen Konflikt mutiert. Doch eine militärische Intervention brächte kaum Erfolg.

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Die Nachrichten aus Syrien verstören, die Bilder sind kaum auszuhalten. 400'000 Menschen sind in der Hölle von Ost-Ghouta gefangen. Da liegt der Ruf nach einer militärischen Intervention nahe: Bombardieren, um das Leid zu beenden, das die syrischen und russischen Bomben verursachen! Wenn es nur so einfach wäre.

Im selben Atemzug wird oft auf die angeblich verpasste Chance einer Intervention verwiesen. Die Kritik betrifft Barack Obama: Der damalige US-Präsident, so wird konstatiert, hätte 2013 das syrische Regime angreifen sollen, als Bashar al-Assad Chemiewaffen gegen sein eigenes Volk eingesetzt hatte.

Tatsächlich hatte der Diktator Obamas rote Linie überschritten. Rote Linien sind jedoch ein schlechtes Konzept, sie werden oft ignoriert. Dass Obama eine gezogen hatte, war ein Fehler. Kein Fehler war hingegen, dass er – trotz des drohenden Gesichtsverlusts – vom Einsatz militärischer Gewalt absah. Mit einem umfassenden Raketenangriff hätten die USA das Assad-Regime bestenfalls geschwächt. In Damaskus wären heute jedoch nicht die vom Westen unterstützten moderaten Rebellen an der Macht, sondern die weit besser organisierten und ausgerüsteten Nusra-Jihadisten, die al-Qaida oder sonst eine islamistische Terrorsekte. So geschehen zuletzt in Libyen.

USA beschränken sich auf Luftschläge

Selbst eine Invasion mit Hunderttausenden US- oder Nato-Bodentruppen hätte kaum Erfolg gebracht. Siehe Irak, siehe Afghanistan. Zumal westliche Soldaten in einem muslimischen Land den Hass der Jihadisten auf sich ziehen. Dieser Falle wich Obama aus, und auch sein Nachfolger beschränkt sich hauptsächlich auf Luftschläge. Amerika ist immer noch traumatisiert wegen des selbst verschuldeten Desasters im Irak.

Aber auch ohne zu den Waffen zu greifen: Der Westen könnte mehr tun. Wladimir Putin, als Assads Schutzherr wesentlich mitverantwortlich für das Leid in Ghouta, ist nicht so mächtig, wie er sich gibt. Wenn Russland alle UNO-Resolutionen für eine Waffenruhe verwässert oder blockiert, könnten die USA und die EU härter reagieren. Nicht im blockierten Sicherheitsrat, aber etwa mit Sanktionen: Sie bewirken bei Autokraten wie Putin, Erdogan oder den Ayatollahs in Teheran zuweilen mehr, als es scheint.

Westen liefert weiter Waffen

Und weshalb liefern die USA, Frankreich, Grossbritannien, Deutschland und auch die Schweiz immer noch Waffen in den instabilen Nahen Osten? Regionalmächte wie die Türkei, Katar oder Saudiarabien, die direkt oder indirekt am Krieg in Syrien beteiligt sind, werden hofiert, so wie am Donnerstag in London der saudische Kronprinz.

Der Krieg in Syrien ist zum internationalen Konflikt mutiert und kann daher nur noch von aussen gelöst werden. Auch mittels Drucks auf Partner in der Region. Das Gegenargument von den Arbeitsplätzen, die man mit dem Waffenexport angeblich sichert, wirkt nur zynisch, wenn man die Bilder der Bombenopfer in Ghouta betrachtet.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2018, 21:16 Uhr

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